FB Botanik: E-Book des Monats Juni 2018

August Karl Joseph Corda, am 22. Oktober 1809 im böhmischen Reichenberg (Liberec, Tschechien) geboren, betätigte sich zunächst als Handlungslehrling, entdeckte aber zunehmend seine Liebe zu den Naturwissenschaften. Besonders interessierten ihn mikroskopische Studien an kryptogamen Pflanzen und Pilzen. Im Alter von knapp 20 Jahren legte er seine ersten naturwissenschaftlichen Abhandlungen vor: Einerseits einen „Versuch einer analytischen Naturkunde“, andererseits die hier präsentierten „Genera Hepaticarum, die Gattungen der Lebermoose“. Das Publikationsmedium, in dem diese beiden Arbeiten erschienen, verdient wegen seiner ganz außerordentlichen Seltenheit eine eigene kurze Betrachtung: Am 6. Jänner 1819 hatte Philipp Maximilian Opiz (1787-1858) in Böhmen die weltweit erste botanische Tauschanstalt gegründet. Ziel der Unternehmung war es, gut determinierte und herbarisierte Pflanzen aus verschiedenen geographischen Regionen in mehrfachen Exemplaren in Umlauf zu bringen, damit alle Mitglieder der Tauschanstalt, die gleichzeitig auch Mitarbeiter und Zulieferer waren, ein möglichst vollständiges und geographisch weit gestreutes Herbarium zustande bringen konnten. Begleitend dazu erschienen ab 1823 gedruckte Pflanzenverzeichnisse unter dem Titel „Naturalientausch“. Mit der Zeit enthielt der Naturalientausch auch immer mehr botanische Erstbeschreibungen und längere wissenschaftliche Artikel. Die Nummer 12 dieses Periodikums, eine bibliophile und wissenschaftliche Rarität ersten Ranges, erschien von 1828 bis 1830 (Titelseite von 1828) mit dem besonderen Titel „Beiträge zur Naturgeschichte, als Fortsetzung des Naturalientausches“ in Kommission bei Carl Wilhelm Enders in Prag, im Umfang von 16 Druckbögen in Oktav (S. 547-722). Hier publizierte der junge Corda auch seine beiden ersten wissenschaftlichen Arbeiten. Die Abhandlung über die Lebermoose, nach dem Vorwort mit September 1829 zu datieren, wird hier in Form eines Sonderabdruckes (S. 643-655) gezeigt. Sie hat heute immer noch wissenschaftliche Gültigkeit und wird entsprechend in einschlägigen Arbeiten zitiert (Pritzel 1867, Stafleu & Cowan 1221).