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Teaching Library

Teil A) Grundlagen

A 1) Systematisches Glossar wichtiger Begriffe der wissenschaftlichen Literatur

Atlas: eigentlich: Sammlung von Land- und/oder
Himmelskarten; besonders
auch angewandte Karten wie z. B. Verbreitungskarten (chorologische
Karten). Fälschlicherweise nicht selten auch für Abbildungswerke verwendet.
begrenztes Werk: Werk mit geplantem Abschluß und
einmaligem Erscheinen (verschiedene Aufl. sind jedoch möglich).
beigefügtes Werk: Werk, das einem anderen Werk
beigegeben ist, jedoch auf der Hauptitelseite a) KEINEN übergeordneten Titel
hat, UND b) dessen Titel entweder auf der Haupttitelseite
genannt ist, oder im Inneren des Bandes eine eigene Titelseite
aufweist (vgl.: enthaltenes Werk).
Bibliographie: Ein Vollständigkeit anstrebendes Verzeichnis
der bibliographischen Angaben von Werken, oft zeitlich und/oder
sachlich eingeschränkt, kann mit Kurzfassungen und Kommentaren
(Annotierungen) zu den Werken versehen sein.
bibliographisch selbständiges Werk: jedes Werk hat eine
eigene Haupttitelseite, auf der AUSSCHLIESSLICH bibliographische
Angaben des Werkes, oder allenfalls die einer übergeordneten
Stufe (z.B. Serientitel), aber kein Inhaltsverzeichnis, oder
irgendein anderer Text stehen darf.
bibliographisch unselbständiges Werk: alle Werke, bei denen
eine oder mehrere Bedingungen für bibliographische Selbständigkeit
fehlen.
bibliographische Angaben: sind dem Werk entnommene
formale Elemente, die der Charakterisierung und Kennzeichnung des Werkes
dienen (Beispiel: Verfassername, Hauptsachtitel, Zusatz zum Sachtitel,
Auflagebezeichnung, Verlagsort, Verlagsname, Erscheinungsjahr,
Seitenzählung, Ausstattung mit Beilagen, ISBN [= international
standard book number], ... etc.)
Biographien: Lebensläufe von Wissenschaftern, wenn sie mit
einer Bibliographie dieser Person gekoppelt sind, spricht man von
Biobibliographien.
Buchhandels-Literatur: Werke, die von ihrer Konzeption an für
den Verkauf im Buchhandel erzeugt wurden.
Checkliste: auch Standardliste oder Enumeratio oder Katalog
(Katalog nicht im bibliothekarischen Sinne gebraucht!) genannt: Liste
(Aufzählung) der Pflanzentaxa (Pflanzenarten) eines bestimmten
geographischen Gebiets; oft mit Verbreitungs- etc. -Angaben. Vgl. Flora.
Datenbank: Im Bibliothekswesen: eine elektronische, online
abfragbare Bibliographie.
Einzelwerk: in sich abgeschlossene geistige Schöpfung, kann
bibliographisch selbständig oder unselbständig sein.
enthaltenes Werk: Werk, das einem anderen Werk
beigegeben ist, auf der Haupttitelseite a) einen übergeordneten Titel hat, und
b) dessen Titel auf der Haupttitelseite auch genannt ist.
Enumeratio: s. Checkliste
Enzyklopädie: Vollständigkeit anstrebende Liste von viele
Wissengebiete umfassenden Begriffen, mit Erklärungen hiezu in
meist nur einer Sprache. Meist ist keine klare Abgrenzung
zum Lexikon möglich.
Exkursionsflora: Meist einbändige, kurzgefasste Flora, für die
Feldarbeit gedacht, mit Bestimmungsschlüsseln für die Pflanzenarten eines
bestimmten Gebiets. Vgl. Flora.
Fachbuch: dient zur Erwerbung von Fachwissen, im Niveau
unterhalb des wissenschaftlichen Werkes, aber oberhalb der Unterhaltung
durch Wissensvermittlung für Laien (vgl. Sachbuch) (Beispiel:
Berufsschullehrbuch).
Flora: Meist mehrbändiges Kompendium (Handbuch), das alle
Pflanzentaxa (Pflanzenarten etc.) eines bestimmten geographischen Gebietes
behandelt; in der Regel systematisch geordnet und mit
Bestimmungsschlüsseln sowie mit phytographischen (beschreibenden),
ökologischen, Verbreitungs- etc. Angaben zu jeder Art. Vgl. Exkursionsflora
und Checkliste.
Forschungsbericht: berichtet über die an einzelnen
Forschungsstellen, meist in einem bestimmten Zeitraum,
geleistete Arbeit.
fortlaufendes Werk: Werk ohne geplanten Abschluss, mit r
epetitivem Erscheinen (sollte aber mindestens alle 5 Jahre ein Bd.
erscheinen, sonst wird es zum begrenzten Werk).
fortlaufendes Sammelwerk: Sammelwerk = Vereinigung von
mindestens zwei Einzelwerken, die nicht vom selben Verf. stammen, das
keinen geplanten Abschluss hat (alle Bedingungen für ein fortlaufendes
Werk müssen auch hier erfüllt sein) hierhin gehören Zeitungen,
Zeitschriften, Zeitschriftenartige Reihen und „normale“ Reihen.
Fortschrittsbericht = State of Art Report = Übersichtsreferat:
Vollständigkeit anstrebende, aber nicht erreichende Darstellung
des Fortschrittes, der wichtigsten Erkenntnisse eines
Wissensgebietes in einem bestimmten Zeitraum, heute weitgehend
ersetzt durch Datenbanken.
gemeinschaftliches Werk: Werk mehrerer Verfasser, deren
Anteile am Werk NICHT unterscheidbar sind.
Gesellschaftsschrift (Institutionsschrift): Bericht über die
Arbeit einer Körperschaft innerhalb eines bestimmten Zeitraumes.
Graue Literatur: Werke, die nicht zum Zwecke des Verkaufs
hergestellt wurden.
Handbuch (= Manual): umfassendes, Vollständigkeit
anstrebendes Werk über ein bestimmtes Wissensgebiet. Ein regional-f
loristisches Handbuch heißt Flora (siehe dort).
Hochschulschrift: Wissenschaftlicher Befähigungsnachweis,
wie: Diplomarbeit, Dissertation, Habilitationsschrift.
Ikonographie: mehrdeutige Bezeichnung für:
a) eine Bibliographie von Abbildungen (Beispiel: Index
Londinensis) oder:
b) eine Flora, in der Pflanzenabbildungen eine bedeutende Rolle
spielen. (Beispiel: Iconographia Cormophytorum Sinicorum)
c) Werk, das sich mit der Erforschung und Deutung von Abbildungen
beschäftigt. (c hat in der Botanik keine Bedeutung).
Katalog: s. Checkliste.
Kongressschrift: Protokollähnliche Schrift, die anlässlich einer
wissenschaftlichen Zusammenkunft geschaffen wurde, oft eine Kurzfassung
aller auf einem Kongress präsentierten wissenschaftlichen Informationen.
Wichtig: Kongressschriften können nicht immer über den Buchhandel
erworben werden.
Lehrbuch (engl. textbook): vermittelt den für ein Lernziel
ausgerichteten Wissensstoff in didaktisch aufbereiteter, aber gekürzter,
beispielhaft sein wollender Form. Der in wissenschaftlichen Publikationen
sonst geforderte Quellennachweis der einzelnen Gedanken (= Kurzzitate im
Text) fehlt. Sie sind in wissenschaftlichen Publikationen nicht zitiert, ihr
Wissensinhalt wird im wissenschaftl. Bereich als bekannt
vorausgesetzt. (Beispiel: Strasburger-Lehrbuch).
Lexikon: Liste von Begriffen mit Erklärungen in meist nur
einer Sprache, manchmal eingeschränkt auf ein bis wenige
Wissensgebiete (Fachlexikon). (In der Sprachwissenschaft versteht man
unter „Lexikon“ den gesamten Wortschatz [z. B. einer Sprache]).
Lieferungswerk: Werk, bei dem die einzelnen Bände nicht
einmal und fertig erscheinen, sondern jeder Band in Teilen (d.h. mehrmals)
geliefert wird. Eine Bindung ist erst nach Abschluss aller Lieferungen des
jeweiligen Bandes möglich.
Lose-Blatt-Ausgabe: Lieferungswerk, das aus einzelnen losen
Blättern besteht, die stets gegen aktualisierte Blätter
ausgetauscht werden können.
Manual: s. Handbuch.
mehrbändig begrenztes Werk: eine mehrbändige
Monographie.
Monographie: a) im Bibliothekswesen: eine (bis zur
nächsten Auflage) einmalig erscheinende Veröffentlichung zu
einem fachlich eingeschränkten Thema mit einer eigenen
Haupttitelseite, auf der AUSSCHLIESSLICH bibliographische
Angaben, aber kein Inhaltsverzeichnis, oder ein anderer Text
stehen darf. Sie kann ein bis mehrere Bände umfassen.
b)In der Botanik: taxonomische Monographie: ausführliche, Vollständigkeit
anstrebende Darstellung eines Taxons (meist einer Gattung).
Nachweise: z.B. f. Patente, Normen, Übersetzungen,… sind
Bibliographien dieser Gebiete.
Proceedings: s. Kongressschrift.
Quellenwerk: Werk, das auf keinen anderen schriftlichen
Quellen, als den darin dargestellten beruht (Veröffentlichung z.B. von
Polizei- und Gerichtsakten zu einem Kriminalfall, Briefwechsel
zwischen zwei Botanikern, Veröffentlichung des Tagebuchs eines
Wissenschafters, ...)
Reihe = Serie: unbegrenzt geplante, Folge von thematisch
verwandten Monographien, jedoch mit jeweils verschiedenen Titeln.
Reihenbände können, müssen aber nicht gezählt sein. Gefunden
werden können Teile einer Reihe sowohl über die
bibliographischen Angaben des jeweiligen Werkes, als auch über
die bibliographischen Angaben des übergeordneten Titels.
Revision: eingeschränkte (z.B. geographisch) taxonomische
Monographie.
Rezension: eine wertende Besprechung einer Fachpublikation
innerhalb einer anderen.
Sachbuch: Werk, das sich an fachlich interessierte Laien
wendet, dient zur deren Unterhaltung und Belehrung, jedoch ohne
Qualifikationsanspruch.
Sammelwerk: Vereinigung von mindestens zwei
Einzelwerken, die nicht vom selben Verfasser stammen.
Sammlung: Vereinigung von mindestens 2 Einzelwerken
desselben Verfassers in einer Veröffentlichung (auch wenn von dritter
Seite zusammengefasst wurde).
Sekundärwerk: Werk, das auf der
Interpretation/Zusammenfassung von mindestens einem bis mehreren
Quellenwerken beruht (z.B. Psychiater versucht den Geisteszustand einer
Person anhand ihres Briefwechsels zu interpretieren).
Separatum (Pl. Separata): s. Sonderdruck.
Sonderdruck (= Separatum; engl. reprint): getrennt
gedruckter Zeitschriftenartikel, meist vom Verfasser an die Fachkollegen
verteilt. Dennoch in guten Fachbibliotheken (unter dem Verfassernamen)
aufbewahrt. Vgl. Zeitschrift.
Standardliste: s. Checkliste.
Tertiärwerk: Werk, das zumindest teilweise auf
Zusammenfassung und/oder Interpretation von ein bis mehreren
Sekundärwerken beruht.
Urheberwerk: Ein ANONYMES Werk, das von einer oder
mehreren Körperschaften entweder erarbeitet, oder von dieser/diesen
veranlasst UND herausgegeben wurde. Ein derartiges Werk ist in
den (moderneren) Katalogen unter dem Körperschaftsnamen, und
nicht unter dem Werkstitel zu finden.
Verzeichnisse: Auflistung von Namen, Körperschaften,
Adressen, Abkürzungen, ...
Wörterbuch: Liste von Begriffen einer (einsprachiges W.) oder
zwei (zweisprachiges W.) oder mehrerer (mehrsprachiges W.) Sprachen,
manchmal eingeschränkt auf ein bis wenige Wissensgebiete.
Zeitschrift: ein fortlaufendes Sammelwerk, inhaltlich eine
Zusammenfassung von mind. zwei Werken („Artikeln“) OHNE eigene Werks-
Haupttitelseite, die in gezählten Bindeeinheiten (Heftzählung und/oder
Bandzählung bzw. Jahrgangszählung) zusammengefaßt sind.
Bibliographisch gefunden werden kann das Werk nur mehr über die
bibliographischen Angaben des übergeordneten Titels. Ein
Auffinden über die bibliographischen Angaben des speziellen
Werkes ist i. A. NICHT möglich (Ausnahme: spezielle
Zeitschriften-Inhaltsbibliographien). Eine Z. muss mindestens 2x
jährlich erscheinen. Getrennt gedruckte Artikel aus einer Z.
heißen Sonderdrucke.
zeitschriftenähnliche Reihen: ein fortlaufendes Sammelwerk ,
das seltener als 2x pro Jahr , aber öfters als einmal alle 5 Jahre
erscheint
Zeitung: fortlaufendes Sammelwerk, mindestens 1x pro
Woche erscheinend, mit vermischtem Inhalt

A2) Grundlagen der Vorgangsweise bei der Suche nach wissenschaftlicher Information
Eine wissenschaftliche Arbeit hat folgende Aufgaben:
1) neue, bisher noch nicht dagewesene Erkenntnisse zu produzieren
2) diese neuen mit den bereits existierenden Erkenntnissen eines
Themenbereiches zu einem logischen und widerspruchsfreiem
Ganzen zu verarbeiten
3) dieses Ganze anderen Interessenten mitzuteilen, also: zu publizieren.

In jeder wiss. Publikation steckt nur ein sehr geringer Prozentsatz an wirklich neu geschöpften Erkenntnissen. Etwa 99% der Erkenntnismenge eines Werkes existierte schon vor seiner Veröffentlichung, und wurde direkt oder indirekt aus Wissensspeichern (Werken, Bibliotheken) bezogen. Bibliotheksbenützung erspart es dem/der Wissenschafter/in „das Rad mehrmals zu erfinden“, Bibliotheken sind daher das wichtigste organisatorische Werkzeug zur Ökonomisierung der wissenschaftlichen Arbeit.

Wo und wie suche ich Informationen:
Hier ist die Unterscheidung zwischen bibliographisch selbstständigem und bibliographisch unselbständigem Werk besonders wichtig, denn ersteres Werk findet man sowohl in KATALOGEN (= Bibliographien mit Stellplatzangaben, in denen bibliographisch unselbständige Werke, wenn überhaupt, dann nur in ganz geringem Ausmaß verzeichnet sind), als auch in BIBLIOGRAPHIEN. Die bibliographisch unselbständigen Werke findet man FAST NIE IN
KATALOGEN (ausgenommen selten anzutreffende Spezialkataloge), sondern NUR in BIBLIOGRAPHIEN, in denen auf das übergeordnete Werk, meist ein Periodikum, verwiesen wird! Diese Verweisung geschieht oft in Form einer Abkürzung (Beispiel: Ber. Dt. Bot. Ges. = Berichte der Deutschen Botanischen Gesellschaft). Die Abkürzung wird mit einem Abkürzungsverzeichnis für Periodika (Beispiel: BPH = Botanico Periodicum Huntianum) zu einem vollständigen Zeitschriftentitel aufgelöst. Diesen vollständigen ÜBERGEORDNETEN TITEL sucht man dann in einem KATALOG.
Hiezu sind Grundkenntnisse der formalen und inhaltlichen Katalogisierungsregeln nötig, sowie Kenntnisse über den grundsätzlichen Aufbau der Signaturen der jeweiligen Bibliothek. (Diese Kenntnisse können aber jetzt keine Erörterung finden, Auskunft erteilt im Bedarfsfall die/der Bibliothekar/in.)

Beispiel für eine Themensuche:
Die ökologische Bedeutung der Monoterpene im Harz von Pinus, Picea und Abies
Jedes Thema gliedert sich, natürlich angepasst an die Fragestellung, in mindestens 3 Grundelemente:
1) ein oder mehrere zu behandelnde Organismen. (Beispiel: Die Gattungen Pinus, Picea und Abies)
2) die zu untersuchende Eigenschaft des Organismus (Beispiel: Monoterpenakkumulation im Harz; Ökologie, Biosynthese... der Monoterpene)
3) eine oder mehrere Untersuchungsmethoden (Beispiel: DC, GC-MS-Kopplung)

Es werden daher zur Bewältigung einer wissenschaftlichen Arbeit sowohl fachliche, als auch fachunabhängige Informationen gebraucht:

Fachliche Information:
a) die betroffenen Organismen und deren systematisch-hierarchisch übergeordnete Einheit (d.h. bei einer Fragestellung auf Gattungsebene muß mindestens die zugehörige Tribus, oder die Familie berücksichtigt werden. Interessant sind hier prinzipiell ALLE Teilgebiete, wie: Systematik, Phylogenetik, Evolution, Ökologie, Biogeographie... einer zu untersuchenden Sippe)
b) das zu untersuchende „Verhalten, bzw. die Eigenheit“ der als Objekt gewählten Organismen (hier im Beispiel: die chemischen Verbindungen, die zur gewünschten Stoffklasse zählen, ihre physiologischen Biosynthesewege, ihre selektive Speicherung (Wo? Wie?), die ökologische Bedeutung der einzelnen Verbindungen, Hinweise auf Wirkungen und synergistische Effekte,...
c) Theorie und Praxis der angewendeten Untersuchungsmethode (hier im Beispiel: Dünnschichtchromatographie, Gaschromatographie und Massenspektrometrie)

Fachunabhängige Information:
d) die Prinzipien, die Organisation und Technik der wissenschaftlichen Arbeit (Geben Sie hier einfach Schlagwörter wie: „wissenschaftliches Manuskript“, „Wissenschaftliches Arbeiten“ „Literaturrecherche“ im elektronischen Katalog ein. Eine reiche Ausbeute an Ratgeberliteratur wird die geringe Mühe belohnen. Tip: sehen Sie sich Fach 680 in FB Botanik an)
e) Die richtige Handhabung von informationstragenden Strukturen (Bibliographien, Bibliotheken, Datenbanken, Katalogen, deren Regelwerke, Internet,...) (Tip: in unserer Bibliothek wird das Fach 628a eine Fundgrube in dieser Richtung sein)

Suchen Sie von Anfang an die fachlichen und die fachunabhängigen Informationen parallel. Mit der Zeit wird die Bedeutung des Neuerwerbs fachunabhängiger Information durch Ihr zunehmendes Wissen und Ihre steigende Erfahrung ganz automatisch abnehmen bis ganz verschwinden.

Die Suche nach fachlicher Information:
Diese Suche gliedert sich in 2 Bereiche:
1) Die Ermittlung facheinschlägiger bibliographischer Angaben (=Zitate)
2) Das physische Auffinden der Werke, auf die ein Zitat hinweist

Ad 1) Beginnen Sie auch hier parallel mit der Suche nach den Informationen über Organismus, dessen Verhalten/Eigenheiten, sowie nach Methoden die Sie in Ihrer Arbeit anwenden wollen, um möglichst früh sich an die notwendige aufbauende Synthese der einzeln gewonnenen Ergebnissen gewöhnen zu können. Gehen Sie immer vom Allgemeinen ins Besondere: Beginnen Sie mit den Allgemeinlexika, gehen Sie über Fachlexika zu facheinschlägigen Handbüchern, zu Fortschrittsberichten, zu Katalogen, Bibliographien und Datenbanken.
Sprechen Sie Ihre/n Betreuer/in auf „Muster-Publikationen“ an, die der von Ihnen zu erstellenden Arbeit inhaltlich möglichst ähnlich sein sollen. Wenn keine inhaltlich ähnlichen Publikationen zur Verfügung stehen, suchen Sie die zeitlich letzten 2-3 Diplomarbeiten bzw. Dissertationen Ihres Departments heraus, und nehmen Sie diese als Startpunkt.
a) Formulieren Sie Ihr Thema, und schreiben Sie Begriffe in einer Liste zusammen, die wichtige Aspekte Ihrer Arbeit beinhalten.
b) Überlegen Sie den Suchzeitraum Ihrer Arbeit. Sie müssen in Ihrer Thematik
MINDESTENS die Publikationen letzten 30-35 Jahre berücksichtigen können.
Zusätzlich müssen Sie die „Blütezeiten“ einer Fachdisziplin bei der
Bibliographiensuche berücksichtigen. Z.B.: Wenn Sie ein
pflanzenanatomisches Thema bearbeiten sollen, müssen Sie auch die
Bibliographien in der „großen Zeit“ der Pflanzenantomie (1870-1920)
berücksichtigen.
c) Wählen Sie Bibliographien und Datenbanken aus, die Sie durchsuchen
müssen (Ihr/e Bibliothekar/in hilft Ihnen dabei). Beachten Sie bei den
Datenbanken Indices und Thesauri, damit Sie auch brauchbare Ergebnisse
erhalten können. Werden Sie sich klar über die Schwerpunkte (fachlich z.B.:
Kew Record of Taxonomic Literature. Regional z.B.: Österreichische
Nationalbibliographie). Was ist dort verzeichnet? Nur die bibliographisch
selbstständigen Werke, oder auch bibliographisch unselbständige Werke?
Wieweit sind „Hochschulschriften“, „Kongressschriften“, und
facheinschlägige „graue Literatur“ in der Bibliographie/Datenbank
verzeichnet?
d) Nützen Sie zur Verbesserung Ihrer Suche in elektronischen Bibliographien
und Datenbanken die Boole’schen Operatoren, mit denen Sie zwei oder
mehrere Suchbegriffe miteinander in Verbindung bringen können.

Die drei klassischen Operatoren sind „AND“, „OR“ und „NOT“
Suchen Sie „Pinus AND Abies“ werden Sie diejenigen Veröffentlichungen
angezeigt bekommen, die BEIDE Suchbegriffe gleichzeitig enthalten.
Suchen Sie „Pinus OR Abies“ werden Sie diejenigen Veröffentlichungen
angezeigt bekommen, die entweder den einen ODER den anderen der
Suchbegriffe enthalten. Natürlich auch diejenigen Publikationen, die beide
Begriffe gleichzeitig enthalten. Suchen Sie „Pinus NOT Abies“ werden Sie
diejenigen Veröffentlichungen angezeigt bekommen, die zwar den ersten
Begriff (Pinus) enthalten, aber den zweiten Suchbegriff (Abies) NICHT
enthalten dürfen. Daraus folgt, dass diejenigen Publikationen, die beide
Begriffe gleichzeitig enthalten, NICHT ANGEZEIGT WERDEN.
Es können auch mehrere Operatoren in einem Suchvorgang gleichzeitig
verwendet werden, nur müssen dann Klammerzeichen gesetzt werden, um
dem PC anzuzeigen, welche Suchvorgänge vorrangig ablaufen sollen z.B.:
“monoterpenes” AND (“Lamiaceae” OR “Asteraceae”)
In einem ersten Suchschritt wird die Menge „A“ aller Publikationen gesucht,
die entweder den Terminus „Lamiaceae”, oder den Terminus „Asteraceae“
enthalten. In einem zweiten Schritt wird die Menge „A“ nach Zitaten
abgesucht, die zusätzlich noch den Terminus „monoterpenes“ beinhalten.

Neben den klassischen Operatoren AND, OR und NOT, die überall gelten, wo Operatoren eingesetzt werden können, gibt es noch eine Anzahl weiterer Operatoren „zweiter Ordnung“, die jedoch NICHT VON ALLEN elektronischen Bibliographien und Datenbanken akzeptiert werden. z.B.
„NEAR“ : A NEAR B bedeutet: diejenigen Publikationen, die beide Begriffe in einem einzigen Satz gleichzeitig enthalten, werden angezeigt.
„NEAR“ in Kombination mit einer Zahl: A Near3 B bedeutet: Alle diejenigen Publikationen, die beide Begriffe in einem einzigen Satz gleichzeitig enthalten, werden angezeigt, soferne nicht mehr als 3 andere Worte zwischen A und B in diesem Satz stehen.
„WITH“: A WITH B: Alle diejenigen Publikationen, die beide Begriffe im gleichen Suchfeld (Sachtitel, Keywords, Abstracts, …) enthalten, werden angezeigt
„ADJ“: A ADJ B: Alle diejenigen Publikationen, bei denen der Begriff A unmittelbar dem Begriff B vorangeht, werden angezeigt. Hiebei wird eine Phrasensuche imitiert, wobei nach einer ganz spezifischen Wortabfolge gesucht werden kann.
„THRU“: ein nachträglicherAdditionsoperator, mit dem mehrere bereits geschehene Suchen in einer einzigen Anzeige verknüpft werden können, z.B.:
Sie suchen in einem ersten Schritt nach dem Terminus A, in einem zweiten Schritt nach dem Terminus B, in einem dritten Schritt nach dem Terminus C, in einem vierten Schritt nach dem Terminus D und in eine fünften Schritt nach dem Terminus E. Wenn Sie nach dem 5. Suchschritt „1 THRU 5“ eingeben erhalten Sie dasselbe Ergebnis, als ob Sie nach „A OR B OR C OR D OR E“ gesucht hätten. Bei nur 5 Schritten ist „THRU“ nur eine geringe Arbeitsersparnis. Hat man jedoch 30 – 50 Suchschritte, die zusammengefasst werden sollen, so sieht die Situation schon anders aus.

„Maskieren“ und „Trunkieren“ bei der elektronischen Suche:
Suchen Sie nach Begriffen mit uneinheitlicher Schreibweise (z.B.: „Marcus“ und „Markus“), so werden bei der Eingabe der einen Schreibweise diejenigen Ergebnisse, die die andere Schreibweise enthalten, nicht angezeigt. Beim Maskieren wird jeweils EIN fraglicher Buchstabe ausgeblendet, und sein Platz für einen beliebigen anderen offengehalten. Als Platzhalter werden oft die Zeichen „*“, oder „#“, oder „?“, oder „$“ verwendet. Eine allgemein verbindliche Regelung, welches Zeichen als Platzhalter in einer bestimmten Bibliographie oder Datenbank verwendet wird, gibt es jedoch nicht.
Details entnehmen Sie bitte dem „Help-Abschnitt“ der Bibliographie oder Datenbank.
Müssen mehrere Buchstaben, meist am Ende eines Wortstammes „offen gelassen“ werden, müssen Sie trunkieren. Z.B: Sie wollen die Suchbegriffe „Morphologie“ „morphologisch“ „morphologische“ und „morphologischen“ in der Suche berücksichtigen. Als Platzhalter werden auch hier oft die nicht standardisierten Zeichen „*“, oder „#“, oder „?“, oder „$“ verwendet – bitte daher immer im „Help-Abschnitt“ der jeweiligen Bibliographie oder Datenbank nachsehen, welches Zeichen wofür verwendet werden muss.
In unserem Beispiel wäre die richtige Auswahl des Wortstammes: „morphologi“, und der richtige Suchterminus (unter der Annahme dass „*“ das richtige Trunkierungszeichen sein soll): „morphologi*“

Als Suchergebnis werden Sie in Bibliographien und Datenbanken Zitate wiss. Arbeiten erhalten (=deren bibliographische Beschreibung).
Bei diesen Zitaten ist die Unterscheidung zwischen bibliographisch selbstständigem und bibliographisch unselbständigem Werk besonders wichtig, denn ersteres Werk findet man sowohl in KATALOGEN (= Bibliographien mit Stellplatzangaben, in denen bibliographisch unselbständige Werke, wenn überhaupt, dann nur in ganz geringem Ausmaß verzeichnet sind), ALS AUCH IN BIBLIOGRAPHIEN. Die bibliographisch unselbständigen Werke findet man FAST NIE IN KATALOGEN, sondern meist NUR in BIBLIOGRAPHIEN, in denen auf das übergeordnete Werk, meist ein Periodikum, verwiesen wird! Diese Verweisung geschieht fast immer in Form einer Abkürzung (Beispiel: Ber. Dt. Bot. Ges. = Berichte der Deutschen Botanischen Gesellschaft). Die Abkürzung wird mit einem Abkürzungsverzeichnis für Periodika (Beispiel: BPH = Botanico Periodicum Huntianum) zu einem vollständigen Zeitschriftentitel aufgelöst.
Zu diesem Zeitpunkt verfügen Sie über ein vollständiges Zitat, das Sie mittels eines Literaturverwaltungsprogrammes (es gibt eigene Lehrveranstaltungen, die Auskunft geben, welches Programm gerade empfehlenswert ist) in ihrem PC in mindestens drei Ebenen (wichtige Zitate, weniger wichtige Zitate, und derzeit unwichtige Zitate) abspeichern müssen. Löschen Sie NIE ein bereits gefundenes Zitat vor dem absoluten Ende der Beschäftigung mit einem Thema, Sie könnten es später noch dringend brauchen.

Der Weg zum Realbesitz des von Ihnen gesuchten Werkes:
Suchen Sie Sachtitel und Verfasser eines bibliographisch selbständigen Werkes direkt in den verschiedenen verfügbaren facheinschlägigen Bibliothekskatalogen. Bei bibliographisch unselbständigen Werken müssen Sie natürlich den ÜBERGEORDNETEN TITEL (z.B. American Journal of Botany) im Katalog suchen (NIE den Stücktitel)!
Hiezu sind natürlich Grundkenntnisse der formalen und inhaltlichen Katalogisierungsregeln nötig, sowie Kenntnisse über den grundsätzlichen Aufbau der Signaturen der jeweiligen Bibliothek. (Auskunft erteilt im Bedarfsfall die/der Bibliothekar/in.). Vergewissern Sie sich auch IMMER im Katalog, dass auch der von Ihnen gesuchte Band sich im Bestand der Bibliothek befindet. Schauen Sie im Exemplardatenbereich des Kataloges (zeigt an, welche Bindeeinheiten in einer Bibliothek verfügbar sind), bzw. im zusammenfassenden Lokaldatenbereich des Kataloges (soweit dieser existiert, z.B. Zaire J. Bot. 1.1978 - 10.1988) nach, ob sich der gewünschte Bd. auch tatsächlich im Bestand dieser Bibliothek befindet .

Werke, die Sie im Wiener Raum in keinem Katalog finden können, müssen Sie über Fernleihe oder Subito-System bestellen (Detailauskünfte erteilt Ihr /e Bibliothekar/in).