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Autor des Monats - Juni 2014: Dany Laferrière

Dany Laferrière, Roman- und Kinderbuchautor, Filmschaffender und Essayist, Gewinner zahlreicher Literaturpreise und Mitglied der Académie Française, ist am Samstag, den 10. Juni zu Gast beim 8e salon du livre francophone de Vienne am Französischen Institut in Wien.

Dany Laferrière wird 1953 in Port-au-Prince, Haiti geboren und verbringt seine Kindheit bei der Großmutter in Petit-Goâve. Nach seiner Schulausbildung arbeitet er einige Jahre als Journalist für Radio und Zeitung in Haiti. Als 1976 sein Freund, der Journalist Gasner Raymond umgebracht wird, verlässt Laferrière Port-au-Prince und zieht nach Montreal. Dieses einschneidende Ereignis wird später zum Thema seines Romans Le Cri des oiseaux fous.
In den ersten Jahren in Kanada schlägt er sich mit Gelegenheitsjobs durch. 1985 erscheint sein Erstlingsroman Comment faire l’amour avec un nègre sans se fatiguer, der zu einem vieldiskutierten Erfolg in der Literaturszene Quebecs wird. Neben seiner Tätigkeit als Romanautor arbeitet er nun auch als Journalist für Presse, Fernsehen und Radio.
1989 wird der Roman verfilmt und Laferrière beginnt sich immer stärker mit dem Medium Film auseinanderzusetzen. So verfasst er später zum Beispiel die Drehbücher zu Le Goût des jeunes filles und Comment conquérir l’Amérique en une nuit, bei dem er auch Regie führt. Letzterer erzählt die Geschichte zweier haitianischer Männer: der Onkel, der nach über zwanzig Jahren in Montreal, in seine Heimat zurückkehren möchte und sein Neffe, der die entgegengesetzte Reise antritt. Laferrière erhält dafür 2004 den Prix Zénith beim Festival des Films du Monde in Montreal.
1990 zieht er mit seiner Familie nach Miami, um dem kanadischen Winter, aber auch dem Rummel um seine Person zu entkommen und sich in Ruhe der Schriftstellerei widmen zu können und tatsächlich folgen sehr produktive Jahre, in diesen Jahren schreibt er zehn Romane, unter anderem: L’Odeur du café, Le Goût des jeunes filles, Le Charme des après-midi sans fin, La Chair du maître, Le Cri des oiseaux fous, Pays sans chapeau…
1999 kehrt er nach Quebec zurück. Er entschließt sich dazu seine bisher verfassten Romane noch einmal zu überarbeiten und fügt teilweise neue Kapitel hinzu. Er baut Verbindungen zwischen den einzelnen Werken geschickt auf und so entsteht seine Autobiographie américaine. Diese wiederum kann in zwei Zyklen geteilt werden: den nord-amerikanischen, dem eine eher urbane und aggressive Stimmung zu Grunde liegt und den haitianischen, der im Allgemeinen ruhiger und zärtlicher zu sein scheint, wenn man von den Episoden der Diktatur Duvaliers absieht. Die Themen der Migration und Identität, des Zusammenlebens unterschiedlicher Kulturen und der Wunsch nach Abbau von Vorurteilen und Klischees bleiben wesentliche Bestandteile seiner Arbeit.
2009 gelingt Laferrière ein weiterer großer Erfolg mit L’Énigme du retour, für das er den Prix Mèdicis erhält. Es folgen weitere Preise wie der Grand Prix de livre de Montreal oder der Grand Prix littéraire international Metropolis bleu.
In seinem bisher letzten Werk Journal d’un écrivain en pyjama, vereint er 202 kurze Texte über das Lesen und Schreiben.
Am 12.12.2013 wird er in die Académie française gewählt.

Im Foyer der FB Romanistik stellen wir diesen Monat einige seiner Werke aus.