Inventarbuch. © Universität Wien

Hintergrund

Bücherraub in Österreich

Nach dem "Anschluss" im März 1938 profitierten auch österreichische Bibliotheken vom Entzug im nationalsozialistischen Regime beschlagnahmten Eigentums vor allem der jüdischen Bevölkerung, aber auch politisch verfolgter Personen und Institutionen. Bestände aus aufgelösten Verlagen und Buchhandlungen kamen in die eigens gegründete Bücherverwertungsstelle in Wien und wurden hier an Bibliotheken verteilt. In den meisten Fällen stand die Gestapo hinter den Beschlagnahmungen und bedachte ihrerseits v.a. die Österreichische Nationalbibliothek mit geraubten Büchern.

Bücherraub in den besetzten Gebieten

In den durch die Wehrmacht besetzten Gebieten Europas kam es zu massiven Plünderungen von Buchbeständen aus Bibliotheken und Archiven. Diese Raubzüge wurden von verschiedenen nationalsozialistischen Organisationen durchgeführt. Eine Organisation, die sich besonders hervortat, war der Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg (ERR) für die besetzten Gebiete. Er raubte in Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Italien, Norwegen und Dänemark sowohl Bibliotheken von Institutionen als auch private Bibliotheken von Emigranten. Ab 1941 wurden auch Bibliotheken in den besetzten Gebieten in Osteuropa Opfer des ERR. Diese geraubten Bücher kamen zum Großteil an die Institutionen der Hohen Schule, wie an das Institut zur Erforschung der Judenfrage in Frankfurt und an die Zentralbibliothek der Hohen Schule, wurden aber auch etwa in Wien an die Österreichische Nationalbibliothek verteilt.


Provenienzforschung heute

Seit etwa 1990 ist das Schicksal von verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut Gegenstand österreichischer und internationaler Provenienzforschung. Ziel ist dabei die Restitution an die rechtmäßigen Besitzer bzw. deren Erben. Auch in Bibliotheken in Österreich und Deutschland fand und findet Provenienzforschung statt. Beispiele für erfolgte Provenienzforschungen in Österreich sind die Österreichische Nationalbibliothek  und die Wienbibliothek im Rathaus (ehemals Wiener Stadt- und Landesbibliothek) .

Wichtige Grundlagen für diese Entwicklung waren:

1998: Washingtoner Grundsätze (Principles of the Washington Conference With Respect to Nazi-Confiscated Art )

1998: Kunstrückgabegesetz in Österreich ("BG über die Rückgabe von Kunstgegenständen aus den Österreichischen Bundesmuseen und Sammlungen", BGBl I 1998/181 )

1999: "Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände zur Auffindung und zur Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes, insbesondere aus jüdischem Besitz " (Deutschland)

1999: Beschluss des Gemeinderates der Bundeshauptstadt Wien vom 29. April 1999, Amtsblatt der Stadt Wien, Nr. 30/1999 (Österreich)

2005: Appell der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände zur Suche nach NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgütern in öffentlichen Einrichtungen in Deutschland 

2009: Novelle des Kunstrückgabegesetzes "Rückgabe von Kunstgegenständen aus den Österreichischen Bundesmuseen und Sammlungen ".