Glasmodell eines Oktopus

Glasmodell eines Oktopus

Modell des Weißgefleckten Oktopus (Callistoctopus macropus)
Leopold und Rudolf Blaschka, um 1887
Glas, Papier (bemalt), Metall
Maße: L 24 x B 19 x H 6 cm
Inv.-Nr.: GM 102
Aus der Zoologischen Sammlung


Die Glasmodelle der Werkstatt Blaschka (1863–1936) in der Zoologischen Sammlung des Departments für Theoretische Biologie der Universität Wien, bestehend aus 145 marinen Tieren, gehen auf einen Ankauf des damaligen Vorstandes des Zoologisch-vergleichend-anatomischen Instituts Carl Claus (1835–1899, von 1873–1896 Institutsvorstand) zurück. Zweck dieser Lehrmodelle war unter anderem die lebensnahe Darstellung und Veranschaulichung besonders empfindlicher und lebensecht schwer zu präparierender Organismen wie Quallen, Korallen oder mikroskopisch kleine Urtierchen.

Die Geschichte dieser wissenschaftlichen Kunstwerke geht auf Leopold Blaschka (1822–1895), einen böhmischen Glasmacher, zurück. Begonnen hat er ab 1857 mit dem Anfertigen von gläsernen Orchideen und anderen Pflanzen, die in der gehobenen Gesellschaft als dekoratives Interieur sehr geschätzt wurden. Aufgrund der auffallend naturgetreuen Wiedergabe der Pflanzen aus Glas wurde er später nach Dresden an das Königliche Naturhistorische Museum und den Botanischen Garten empfohlen, um für dortige Ausstellungszwecke Modelle herzustellen. Mit dem Umzug nach Dresden begann auch die Fertigung tierischer Modelle, zunächst von Seeanemonen und Korallen. Ab 1870 sind mehrere Kataloge überliefert, die mehr und mehr eine zunehmende Arten- und Gruppenfülle tierischer Modelle anbieten. Seit dem Einstieg seines Sohnes Rudolf Blaschka (1857–1939) in die Werkstatt im Jahr 1876 und seinen naturgeschichtlichen Studienreisen und zahlreichen Korrespondenzkontakten zu namhaften Zoologen, wie z. B. Carl Claus (1835–1899), Ernst Haeckel (1834–1919) oder Anton Dohrn (1840–1909), spezialisierte sich die Produktion auf naturwissenschaftliche zoologische Präparate.

Bei dem gezeigten Objekt handelt es sich um ein Modell von Octopus macropus RISSO, 1826 (weißgefleckter oder langarmiger Oktopus). Das Tier stand den Blaschkas in Alkohol konserviert als Anschauungsobjekt zur Verfügung, um ihr Modell danach anzufertigen. - O. macropus gehört in die Gruppe der achtarmigen Tintenfische (sogen. Kraken) und ist in den Küstenregionen aller Weltmeere verbreitet.

Nr. 572 ist die Postennummer des Verkaufskatalogs, 28.32 bezeichnet eine historische Inventarnummer der Sammlung.

Ausstellungshinweis:

Die k.k. zoologische Station in Triest-
Eine naturhistorische Spurensuche

Zeit: 15. Oktober 2010 bis 31. Jänner 2011
Ort: Foyer der Universitätsbibliothek Wien, Universitätsring 1, 1010 Wien

Eröffnung:

Zeit: 14. Oktober 2010, 18.30 Uhr
Ort: Kleiner Lesesaal der Universitätsbibliothek Wien, Universitätsring 1, 1010 Wien

Einladung (pdf, 2,3 MB)

Text: Mag. Daniel Siderits, Foto: © by Heidi & Hans-Jürgen Koch