Exlibris

Exlibris

"Exlibris Max Stebich"
Radierung von Max Julius Wunderlich

Maße des Exlibris: 12,5 x 7 cm
Aus der Exlibris-Sammlung des Archivs der Universitätsbibliothek


Exlibris als Eigentumsvermerke in Büchern gibt es fast schon so lange, wie es Bücher gibt (das älteste datierte Exlibris stammt aus der Schweiz, 1502) – und so, wie man Bücher sammeln kann, kann man auch Exlibris, aus dem Buch gelöst oder als selbstständiges Druckblatt, sammeln.

Die Exlibris-Sammlung der Universitätsbibliothek Wien ist das Ergebnis liebevoller Sammeltätigkeit vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter früherer Jahre, die nach dem Zweiten Weltkrieg bei der Bergung, Sichtung und Wiederaufstellung der ausgelagerten Bibliotheksbestände von Dr. Walter Pongratz, einem langjährigen Mitarbeiter und Bibliothekshistoriker, erstmals gründlich erfasst und geordnet wurde.
Dieses Konvolut ist nicht sehr umfangreich, da es eigentlich nur als "Nebenprodukt" bibliothekarischer Tätigkeiten entstanden ist, aber es enthält etwa 300 aus vier Jahrhunderten stammende Eignerzeichen Gelehrter, prominenter Bürger und Adeliger.
In den 50-er bis 70-er Jahren konnte Dr. Pongratz darüber hinaus persönlich zusätzlich zu den in den Beständen der Universitätsbibliothek aufgefundenen Exemplaren noch einige Exlibris neueren Datums für die Sammlung erwerben – so auch das vorliegende kleine Blatt aus dem Werk Max Julius Wunderlichs.
Max Julius Wunderlich war ein Wiener Mittelschullehrer, Maler und Graphiker (1878 – 1966) und hat zahlreiche, großteils von der Fachwelt noch nicht bearbeitete, d. h. genau identifizierte und beschriebene, Exlibris für Ärzte, Forscher, Dichter und Schriftsteller bzw. deren Gattinnen hinterlassen. Sie zeichnen sich durch eine außerordentliche Formenvielfalt und detailgetreue Gestaltung aus. Beruf, Liebhaberei, "Motto" des betreffenden Bucheigners finden in seinen Exlibris ihre Entsprechung.
Max Stebich (1897 – 1972), der auch unter dem Namen Max Rott geschrieben hat, ist vielen Leserinnen und Lesern der Universitätsbibliothek wohl kein Unbekannter, aber vielleicht ein schon wieder fast Vergessener. Sein Hauptwerk waren populäre Nacherzählungen von Märchen und Sagen, die in fantastische Welten nah und fern entführten und in sowohl vielen Kinderzimmern wie auch in den Magazinen der Universitätsbibliothek zu finden sind.
Er war allerdings in den Jahren 1938 bis 1940 Geschäftsführer der Reichsschrifttumskammer Österreich, weshalb man seinem Werk, das auch Erzählungen und Gedichte umfasste, nicht unkritisch gegenüberstehen sollte.*
Das für Max Stebich gewählte Motiv dürfte eine Kithara sein, eines der vornehmsten Instrumente in der griechischen Antike, das dem Gott Apollon, in der griechischen und römischen Mythologie dem Gott der schönen Künste, insbesondere auch der Dichtkunst, gewidmet war und zu feierlichen Anlässen zum Einsatz kam.
Leider ist uns nicht bekannt, ob Max Julius Wunderlich tatsächlich von Max Stebich beauftragt worden war, dieses Exlibris für ihn anzufertigen bzw. dieses Exlibris auch tatsächlich in seinen Büchern verwendet worden ist.

* Renner, Gerhard: Österreichische Schriftsteller und der Nationalsozialismus: Der "Bund der deutschen Schriftsteller Österreich" und der Aufbau der Reichsschrifttumskammer in der "Ostmark". Univ. Wien, Diss., 1981 (D 23.585)

Text: Ingrid Ramirer