Astronomia nova

Astronomia nova

Astronomia nova von Johannes Kepler

Aus der Sammlung alter astronomischer Bücher des Sternwarte-Museums


Vor genau 400 Jahren erschien Johannes Keplers Hauptwerk „Astronomia nova“.
Die UNESCO wählte unter anderem deswegen das Jahr 2009 zum Internationalen Jahr der Astronomie.

Die Fachbereichsbibliothek Astronomie beherbergt die Erstausgabe von 1609 dieses bedeutenden Werkes, welches als Grundstein der modernen Astronomie angesehen werden kann.

Johannes Kepler umreißt bereits im Titel „Astronomia nova aitiologetos seu physica coelestis“ den Inhalt sehr deutlich: Neu an seiner Astronomie ist vor allem die Methode, mit welcher Kepler zu seinen Bewegungsgesetzen der Planeten gelangt. Er baut seine Erkenntnisse auf Beobachtungen und mathematischen Interpretationen auf. Während Nicolaus Copernicus und andere Gelehrte vor ihm von rein geometrischen Darstellungen der Planetenbewegungen ausgingen, findet man in der „Neuen Astronomie ursächlich begründet oder Physik des Himmels“ die ersten Ansätze einer Himmelsmechanik, wie es der vollständig lautende Titel bereits ankündigt. Kepler ist jedoch mit seinem Versuch, eine allgemeine Gültigkeit der physikalischen Gesetze auf der Erde wie auch im Weltraum abzuleiten, der Vorstellung seiner Zeitgenossen weit voraus. Neben anderen lehnt auch sein Lehrer Michael Mästlin die Vermischung von Astronomie und Physik strikt ab.

Kepler unterteilt sein Werk in fünf Abschnitte mit insgesamt 70 Kapiteln.
Im zweiten Teil zeigt er, dass es nicht möglich ist, die Bewegung des Planeten Mars mithilfe einer Kreisbahn darzustellen. Physikalische Überlegungen führen im dritten Teil zum Flächensatz (heute als Zweites Keplersches Gesetz bezeichnet): Die Radiensektoren beschreiben in gleichen Zeiten gleiche Sektoren.
Der vierte und zugleich wichtigste Teil beinhaltet schließlich die heute als Erstes Keplersches Gesetz bezeichnete Erkenntnis, dass sich die Planeten auf Ellipsenbahnen bewegen, in deren einem Brennpunkt die Sonne steht.
Kepler betrachtet dabei die Sonne als Quelle der bewegenden Kraft, die in der Nähe stärker, in der Ferne schwächer wirkt. Die Annahme einer fernwirkenden Kraft – Kepler geht hier von der magnetischen Kraft aus – ist somit der erste Ansatz der modernen Himmelsmechanik.

Auf der Titelseite des Exemplars der Fachbereichsbibliothek Astronomie befinden sich handschriftliche Eintragungen, die Aufschluss über den Besitz der jeweiligen Bibliotheken geben. Der ältere Eintrag lautet:
„Collegij Societatis Jesu Viennae [...] Anno 1638.“
Etwas weiter unten folgt der Eintrag:
„Speculae Astronomicae 1740“
Das Exemplar war zunächst Bestand des Jesuitenkollegs in Wien. Der zweite handschriftliche Eintrag bezieht sich auf den 1733 an der Ecke Postgasse/Bäckerstraße errichteten „Astronomischen Turm“ des Jesuitenkollegs. Später dürfte das Exemplar über den Jesuiten Maximilian Hell, erster Direktor der 1755 gegründeten Universitätssternwarte, in den Bestand der Universitätssternwarte übergegangen sein. Dies geht aus dem Stempel mit der Aufschrift „Observatorium Universitatis Vindobonensis C: R: [Caesareum Regium]“ hervor.

Text und Foto: Mag. Isolde Müller