Traunsteiner Kartoffel-Geldnote

Traunsteiner Kartoffel-Geldnote

Stadt Traunstein, Kartoffel-Geldnote zu 10 Pfennig, undatiert (1917)
Originalgröße: 7,3 x 11,1 cm

Aus der Numismatischen Sammlung des Instituts für Numismatik und Geldgeschichte



Das Jahrzehnt etwa vom Beginn des Ersten Weltkriegs bis zum Ende der Inflation, also die Jahre von 1914 bis 1924, war eine Hochzeit des Notgelds in Deutschland und auch in Österreich. Der Mangel an Kleingeld konnte von der Deutschen Reichsbank nicht mehr behoben werden, weshalb Kommunen und Landkreise, aber auch private Unternehmen Notgeld in Münz- und Papiergeldform ausgaben. Die Ausgabe erfolgte unter ausdrücklicher Billigung der Reichsbank. Die Gültigkeit der Münzen und Scheine war regional und zeitlich eng beschränkt. Am Anfang standen dabei die so genannten Kleingeldausgaben (Pfennigbeträge), dann kamen aber auch Großgeldscheine dazu (ein- bis dreistellige Markbeträge), und in der Inflation gab es Scheine mit Nennwerten in Millionen- und Milliardenhöhe. Beendet wurde das Phänomen durch Scheine, die kurz nach der Inflation emittiert wurden und auf Goldmark/Dollar-Gleichungen lauten (4,2 Goldmark = 1 Dollar).

Bereits zur Zeit der Gültigkeit dieser Notgeldscheine, vor allem ab 1918, kam das Sammeln dieser Scheine in Mode, ähnlich wie das heute bei den Euro-Münzen zu beobachten ist. Es gab Händler, die den Sammler mit den Scheinen versorgen konnten, es wurden Kataloge publiziert, und Fachzeitschriften waren das Forum für weitere Informationen ebenso wie für die Werbung der Händler. So wurden zuletzt auch immer mehr Scheine ausgegeben, die nicht mehr für den Umlauf gedacht waren, sondern nur mehr auf die Sammler zielten. Insgesamt dürfte es über 100.000 verschiedene deutsche Notgeldscheine geben.

Der frühe Schein des Magistrats der Stadt Traunstein (Oberbayern) bezeichnet sich selbst als Städtische Kartoffelgeldnote für Minderbemittelte; er ist ein wirklich für den Umlauf gedachtes Zahlungsmittel. Der Nennwert ist 10 Pfennige. Die Bezeichnung des Scheins würde eine engere Verwendung im Rahmen der Sozialfürsorge nahe legen, tatsächlich sind die Scheine aber wie anderes Notgeld auch allgemein umgelaufen. Der Schein zählt zu einer Serie, die die Nominale 6 Pfennige, 10 Pfennige und 50 Pfennige umfasste.

Das hier vorgestellte Exemplar ist ein Original, das – undatiert – aus dem Jahr 1917 stammt. Nachdrucke für Sammler wurden bereits im Jahr 1919 hergestellt. Diese Scheine unterscheiden sich jedoch im Papier (Original: weiß; Nachdruck: grau) und bei der Kennnummer, die bei den Originalen die Bezeichnung No. vor der vierstelligen Zahl stehen hat; diese wurde später weggelassen.

Der Traunsteiner Notgeldschein aus dem Ersten Weltkrieg kam erst im Jahr 2007 in die Sammlung des Instituts für Numismatik und Geldgeschichte der Universität Wien. Das Geldmuseum der Deutschen Bundesbank (Frankfurt am Main) schenkte dem Institut in diesem Jahr eine Sammlung von etwa 2250 bayerischen Notgeldscheinen. Nachdem der Bestand an deutschen Notgeldscheinen in der Institutssammlung vorher ausgesprochen mager gewesen war, steht somit nun breites Material zur Verfügung, um alle Phasen, die das Papiernotgeld in dieser Zeit durchmachte, mit typischen wie auch mit außergewöhnlichen Scheinen illustrieren zu können. Die Traunsteiner Kartoffel-Geldnoten zählen dabei zu den Besonderheiten.

Text: ao. Univ.-Prof. Dr. Hubert Emmerig

Traunstein Rückseite
Rückseite der Banknote