Forschungsmikroskop

Forschungsmikroskop

Großes Forschungsmikroskop von Franz Unger
Hergestellt von der Firma Plössl in Wien um ca. 1855.
Aus der Sammlung historischer Geräte des ehemaligen Instituts für Pflanzenphysiologie


Zu diesem Objekt gibt es auch ein Objekt Movie

Unger benützt dieses Instrument bei seinen Arbeiten über die Zelltheorie.
Das Objektiv ist ein so genanntes Satz-Objektiv: durch Entfernen einzelner Linsenglieder kann die Vergrößerung verändert werden.
Zum Mikroskop gibt es eine Reihe von Zusatzgeräten, z.B. eine Linse zum Fokussieren des beleuchtenden Lichtstrahls, kleine Skalpelle und Spiegelchen.
Weiteres Zubehör wie Lupen, Präparierbesteck und Objektträger bewahrt Unger in seiner Schreibtischlade auf, welche ebenfalls zum Bestand der Sammlung zählt.

Das Original und die zugehörige Schreibtischlade sind neben anderen sehenswerten historischen Instrumenten des ehemaligen Institutes für Pflanzenphysiologie in der Vitrine "Die Geschichte der Pflanzenphysiologie an der Universität Wien" ausgestellt. Sie befindet sich im UZA I (Universitätszentrum Althanstrasse I, Althanstrasse 14, 1090 Wien) auf der Ebene 2, zwischen Spange 3 und 4.

Franz Joseph Andreas Nicolaus Unger wird am 30.11.1800 bei Leutschach in der Südsteiermark geboren.
Er studiert zunächst Rechtswissenschaften an der Universität Graz und wechselt dann 1820 an die Universität Wien, um Medizin zu studieren, wo er 1927 zum Dr. med. promoviert wird.
Ab 1827 praktiziert er als Arzt in Stockerau bei Wien, 1830 bis 1835 als Landesgerichtsarzt in Kitzbühel in Tirol.
1836 wird Unger Professor der Botanik an der Karl-Franzens-Universität Graz, 1848 erhält er die erste Professur für allgemeine Botanik neben der Systematik und wird 1850 zum ersten Ordinarius für Anatomie und Physiologie der Pflanzen in Wien berufen.
1852 bereist er Nordeuropa, später den Orient und lebt in seinem Ruhestand von 1866 bis zu seinem Tode am 13.02.1870 auf seinem Landgut bei Graz.

Unger erwirbt sich zuerst wesentliche Verdienste um die Paläontologie, wendet sich aber später mehr und mehr der Pflanzenphysiologie und Phytotomie zu und fördert vor allem die Lehre von Zelle und Protoplasma.
Auf dem Gebiet der Evolutionsforschung macht er auf die Ähnlichkeit der Organismen aufmerksam und schlägt eine kontinuierliche Entwicklung vor - in seiner 1852 verfassten Schrift "Versuch einer Geschichte der Pflanzenwelt" schreibt Unger:
"In dieser Meeresvegetation aus Thallophyten, namentlich aus Algen bestehend, wäre demnach der wahre Keim sämtlicher in der Zeit nach und nach hervortretenden Pflanzenformen zu suchen. Es unterliegt keinem Zweifel, dass der auf dem Erfahrungswege bis hierher verfolgte Ursprung der Pflanzenwelt theoretisch noch weiter verfolgt werden kann, und dass man zuletzt wohl gar auf eine Urpflanze, ja noch mehr auf eine Zelle gelangt, die allem vegetabilischen Sein zum Grunde liegt." Er fährt fort: "...es gäbe in den Beziehungen der Arten untereinander bei weitem zu viele Regelmäßigkeiten, als dass man annehmen könne, der Ursprung neuer Arten könne durch äußere Einflüsse bedingt sein... Aus diesem geht aber klar hervor, dass der Entstehungsgrund aller dieser Verschiedenheiten des einen Pflanzenlebens durchaus kein äußerer sein kann, sondern nur ein innerer sein muss... Mit einem Worte jede entstehende neue Pflanzenart... muss aus der anderen hervorgehen."

Text: Gregor Eder; Foto: Lukas Brauneiss, Johannes Höß, Tom Lendl, Richard Löw und Florentin Schlegel