Lamafigur

Lamafigur

Peru, Chancay-Kultur, 1200-1450 n. Chr.
Gebrannter Ton, Bemalung
Höhe: 22 cm, Breite: 17 cm, Länge: 27 cm
Aus der Rudolf Ekstein-Sammlung


Die Kulturgeschichte Perus weist eine zeitliche Abfolge zwischen Kulturen, die eine lokale Entwicklung erlebten und solchen, die große Teile der Region bestimmend waren, auf. Diese überregionalen Mächte hatten ihre Zentren im Hochland, wobei die Inka die letzte und deswegen die bekannteste der dominierenden Kulturen vor der spanischen Eroberung (1532–1533) war.

Die Topographie der Zentralanden ist zweigeteilt: parallel verlaufende Gebirgsketten und ein Küstenstreifen entlang des Pazifiks, der mit Ausnahme der Flusstäler zu den trockensten Regionen der Erde gehört. Die Flüsse entspringen in den Anden und bilden in der Wüste sogenannte Flussoasen. Es waren diese Flusstäler, die sich die Landwirtschaft eigneten und wo sich mit Hilfe künstlicher Bewässerung unterschiedliche Kulturen entwickelten. Eine davon war die Chancay-Kultur, die sich ca. 1200 – 1450 n. Chr. nördlich von Lima, in den Tälern der Chillón, Chancay und Huaura, entwickelte. Sie ist durch ihre geringe Verbreitung als eine der regionalen oder lokalen Kulturen Perus zu definieren und entfaltete sich in dem Vakuum, das nach dem Verschwinden der einflussreichen und überregionalen Huari (oder Wari)-Kultur, Vorgänger der Inka, in diesem Küstenteil entstand. Im 15. Jh. wurden die Chancay von dem nördlichen Küstenstaat Chimu bedroht. Später, im gleichen Jahrhundert, setzten die Inka der eigenständigen Entwicklung dieser beiden Küstenkulturen ein Ende.

Wie viele Küstenvölker Perus verdanken die Chancay ihren Textilien ihr Ansehen. Neben dem Gebrauch als Kleidung im Alltag, wurden diese dazu verwendet, Verstorbene einzuhüllen und sind somit in gewisser Weise als Grabbeigaben zu betrachten. Völlig in der Tradition anderer altperuanischen Kulturen schufen die Chancay ebenfalls einen sie charakteristischen Keramikstil. Die Töpferscheibe war unbekannt, die Keramiken wurden mit der Hand und mit Hilfe von Modeln und Stempeln geformt, mit Engoben oder Schlicker bemalt und nicht poliert. Typisch die Chancay-Keramiken ist der cremefarbene Ton, der mit braunschwarzen, meist geometrischen Mustern dekoriert ist. Wie bei den Textilien handelt es sich auch bei den meisten Keramiken um Grabfunde.

Anmerkung d. Red.:
Die vorgestellte Figur wurde im vergangenen Jahr mit von der DLE Bibliotheks- und Archivwesen zur Verfügung gestellten Mitteln zur Bestandserhaltung und Restaurierung von Sammlungsbeständen der Universität Wien restauriert.

Text: Gerard van Bussel (Museum Völkerkunde Wien), Restaurierung: Konstanze Mittermayer (Institut Ur- und Frühgeschichte), Foto: Claudia Feigl