Entwurf für die Erweiterung des Landhauses von Chérif Pascha

Entwurf für die Erweiterung des Landhauses von Chérif Pascha

Projet d’agrandissement de la Maison de Campagne Chérif Pachá, 1877
Julius Franz
Aquarellierte Bauzeichnung
Maße: H. 53,5 cm; B. 66,5 cm
Aus der Sammlung von Originalen des Instituts für Kunstgeschichte


Nach seiner Ausbildung an der Wiener Akademie der bildenden Künste suchte der deutsche Architekt Julius Franz (1831-1915) sein Glück in Ägypten und machte in Kairo eine erstaunliche Kariere, in deren Verlauf er schließlich zum obersten Denkmalpfleger und Direktor des Ägyptischen Museums in Kairo wurde. 1859 trat er als Ingenieur in den Dienst des Generalstabs der ägyptischen Armee und wurde wenig später zum Hofarchitekten der osmanischen Vizekönige in Ägypten. Zusammen mit dem preußischen Architekten Carl von Diebitsch (1819-1869) errichtete er für den seit 1863 regierenden Khediven Ismail Pascha das königliche Schloss auf der Nilinsel Gazira.

Gleichzeitig erhielt Julius Franz von dem ägyptischen Ministerpräsidenten Muhammad Sharif Pasha (1826-1887) den Auftrag zum Bau eines Landhauses in einem Kairoer Neubauviertel. Dieses Landhaus wurde von Julius Franz im Jahr 1871 in „Romberg‘s Zeitschrift für Praktische Baukunst“ mit Aufriss, Querschnitt und Grundrissen vorgestellt und in all seinen Besonderheiten ausführlich beschrieben. Bislang war nicht bekannt, dass Julius Franz sechs Jahre später auch ein Projekt zur Erweiterung dieser „Maison de Campagne“ entworfen hat.

In der Sammlung der Originale des Instituts für Kunstgeschichte wurden vor kurzem 69 Zeichnungen aus dem künstlerischen Nachlass von Julius Franz entdeckt. Eines dieser Blätter zeigt die Gartenfassade des um ein zweites Obergeschoß aufgestockten Landhauses. In den Grundformen erinnert es an einen italienischen Renaissancepalast, der jedoch mit arabischen Ornamentformen dekoriert ist. Die europäische Konzeption des Gebäudes, die auch im Grundriss erkennbar ist, entsprach sicherlich den besonderen Wünschen des Bauherrn Sharif Pascha, der mehrfach deutsche Architekten beauftragte und auch seine Kinder von deutschen Frauen erziehen ließ. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Sharif Pascha, der 1884 vom Amt des Ministerpräsidenten zurücktreten musste, am 20. April 1887 in Graz gestorben ist.

Auch der Architekt Julius Franz kehrte nach seiner Pensionierung im Jahr 1887 zunächst nach Deutschland zurück und verbrachte ab 1897 seine letzten Lebensjahre in Graz. Für seine Bücher über „Die Baukunst des Islam“ von 1887 und über die Baudenkmale in Kairo, das 1903 in der Reihe „Berühmte Kunststätten“ im Verlag Seemann Leipzig erschienen ist, erhielt er 1904 die Ehrendoktorwürde der Universität Graz.

Unbekannt ist, auf welche Weise die Zeichnungen aus seinem Nachlass in die Sammlungen des Instituts für Kunstgeschichte gelangt sind. Der Erhaltungszustand der Blätter lässt eine wechselvolle Geschichte ahnen. Im letzten Jahr konnten sieben dieser Zeichnungen mit den Mitteln der Sammlungsbeauftragten der Universität Wien restauriert werden und stehen nun für die weitere Forschung über Julius Franz und die ägyptische Architektur im 19. Jahrhundert bereit.

Weiterführende Literatur:
AKL.
Elke Pflugradt-Abdel Aziz: Islamisierte Architektur in Kairo Carl von Diebitsch und der Hofarchitekt Julius Franz – Preußisches Unternehmertum im Ägypten des 19. Jahrhunderts, Diss. Bonn 2003.

Text: Dr. Martin Engel, Foto: Institut für Kunstgeschichte, Karl Pani u. René Steyer, Restaurierung: Dr. Bettina Dräxler

Anmerkung d. Red.:
Das vorgestellte Blatt wurde im vergangenen Jahr mit von der DLE Bibliotheks- und Archivwesen zur Verfügung gestellten Mitteln zur Bestandserhaltung und Restaurierung von Sammlungsbeständen der Universität Wien restauriert.