Luftbild der Lagerstadt Canabae Legionis

Luftbild der Lagerstadt Canabae Legionis

Luftbild der römischen Lagerstadt Canabae Legionis,
(heute: Bad Deutsch Altenburg), 1998
Digitalfotografie nach Mittelformatdia
Aus der Luftbildsammlung des Institutes für Ur- und Frühgeschichte


Die Luftbildarchäologie ist eine archäologische Prospektionsmethode, welche durch direkte Beobachtung aus Luftfahrzeugen oder aufgrund von vorhandenen Luftbildern zerstörungsfrei großflächig Informationen zur materiellen Hinterlassenschaft und ihrer Umwelt gewinnt, dokumentiert und archäologisch interpretiert. Als Luftfahrzeuge dienen für gewöhnlich kleine, einmotorige Hochdecker. Bisweilen verwendet man auch Helikopter, Ultra-Leichtflugzeuge, Paragleiter oder Ballone zur Herstellung von Luftbildern.

Archäologische Strukturen können sich an der Erdoberfläche je nach Erhaltungszustand mehr oder weniger deutlich abzeichnen. Die dabei entstehenden Kontraste werden in der Luftbildarchäologie „Sichtbarkeitsmerkmale“ genannt. Besonders wichtig sind dabei die so genannten Bewuchsmerkmale: Die Unterschiede zwischen archäologischen Strukturen (z.B. Grube, Grab, Mauer, Weg) und umgebendem Boden führen auch zu veränderten komplexen Interaktionen zwischen Boden, Nährstoffen, Feuchtigkeit und Vegetation. Mitunter kommt es dadurch zu deutlichen Unterschieden im Wachstum der Pflanzendecke.

Das hier dargestellte Bild zeigt einen Ausschnitt aus der Lagerstadt (Canabae Legionis) westlich des Legionslagers, konkret den Bereich westlich des militärischen Amphitheaters I. Deutlich ist die Limesstraße zu erkennen, die vom Legionslager kommend den Südrand des Amphitheaters streift und weiter, parallel zur heutigen Straße Richtung Bad Deutsch Altenburg führt. An mehreren Stellen ist sie von Kanälen durchbrochen. Zu beiden Seiten führen Nebenstraßen weg, an denen sich ein Gebäude an das andere reiht.

Das Luftbildarchiv des Instituts für Ur‐ und Frühgeschichte der Universität Wien besitzt etwa 120.000 Luftbilder, die den Großteil Österreichs abdecken. Die ältesten Luftaufnahmen stammen aus den späten 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts. Der Hauptteil der Luftbilder stammt jedoch aus den Jahren nach 1960, als eine systematische luftbildarchäologische Prospektion durch die Gründung eines Luftbildreferates innerhalb der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft für Ur‐ und Frühgeschichte (der heutigen ÖGUF) ermöglicht wurde. Bei den vorhandenen Bildern handelt es sich um Senkrecht‐ und Schrägaufnahmen.

Text und Foto: Univ.-Prof. Mag. Dr. Michael Doneus