Wappen des Nikolaus Joseph von Jacquin

Wappen des Nikolaus Joseph von Jacquin

Wappen des Nikolaus Joseph von Jacquin (1727-1817)
aus dem Freiherren-Diplom vom 14. Juli 1806
Wappenmalerei auf Pergament
Maße: 302 x 366 mm
Aus der Historischen Sammlung des Fakultätszentrums für Biodiversität


Nikolaus Joseph Jacquin wurde am 16. Februar 1727 in Leiden (Niederlande) als Sohn des wohlhabenden Tuch- und Seidenmanufakturbesitzers Claude Nicolas Jacquin (1694-1743) geboren. Am Jesuiten-Gymnasium in Antwerpen befreundete er sich mit dem um sechs Jahre jüngeren Gottfried van Swieten (1733-1803), einem Sohn des berühmten Hausarztes der Familie Jacquin, Gerard van Swieten (1700-1772). Während die Familie van Swieten mit der Berufung von Gerard als Leibarzt der Erzherzogin Maria Theresia, Königin von Ungarn und Böhmen und Gattin von Kaiser Franz I., im Jahr 1745 nach Wien zog, begann Nikolaus Joseph Jacquin seine medizinischen Studien in Leuven und setzte sie später in Leiden und Paris fort. Nach dem frühen Tod des Vaters empfand Jacquin die hohen, in Paris verlangten Prüfungsgebühren als zunehmend drückend und wandte sich brieflich an den Vater seines Schulfreundes. Gerard van Swieten lud Jacquin nun ein, seine Studien in Wien zu beenden, und so gelangte Jacquin 1752 nach Wien.

Am 17. Jänner 1749 hatte ebendieser Gerard van Swieten seinen Plan zur Reform der Medizinischen Fakultät der Universität Wien vorgelegt und damit die bereits am 7. Februar 1749 von Erzherzogin Maria Theresia verfügte Reform eingeleitet. Einigkeit bestand hinsichtlich der Nützlichkeit von Botanik und Chemie für die Medizin: so wurde eine Professur für Botanik und Chemie an der Universität Wien eingerichtet und der gebürtige Franzose Robert François Laugier (1722-1793) am 20. September 1749 als erster Professor dieses Faches nach Wien berufen.

Unterdessen beendete Jacquin sein Medizinstudium in Wien vorerst nicht. Vielmehr interessierten ihn die Pflanzen im kaiserlichen Garten von Schönbrunn, er schloss mit den gleichgesinnten Gärtnern und Landsleuten Adrian van Steckhoven (ca. 1705-1782) und Richard van der Schot (1733-1790) Freundschaft und bereiste in den Jahren 1755 bis 1759 die Karibik und die Küsten der heutigen Staaten Venezuela und Kolumbien. Die botanischen Resultate dieser Reise erschienen zunächst 1763 als „Selectarum stirpium Americanarum historia“ bei Johann Paul Krauss in Wien in erster Auflage, erst 1780 dann in der berühmten Prachtausgabe, ebenfalls in Wien. Nach der Rückkehr aus der Karibik kam es für Jacquin weder zu einem Studienabschluss, noch zur Übernahme einer Stelle. Erst als 1762 der Unterricht für das Bergwesen reformiert wurde, schlug Gerard van Swieten Jacquin als Professor für die neu entstehende Bergschule in Schemnitz (Banská Štiavnica) vor; am 9. Juni 1763 wurde Jacquin dann tatsächlich als Professor „des praktischen Bergwesens und der chymischen Lehre“ nach Schemnitz berufen.

In den folgenden Jahren fiel der Professor für Botanik und Chemie Robert F. Laugier zunehmend in Ungnade bei van Swieten und Maria Theresia. Er hatte zwar die 1754 von Theresia von Heunisch verkauften Gartengründe am Rennweg in der „ungarischen Vorstadt“ (Wien, 3. Bezirk) als botanischen Garten eingerichtet und las täglich eine Stunde über Botanik und Chemie, dennoch konnte er offenbar nicht überzeugen: Ende Juli 1768 wurde er von Maria Theresia ohne Pension entlassen – „Logir vient de recevior le décret de son congé sans aucune pension“ hieß es da van Swieten gegenüber. Dieser wiederum installierte nun Nikolaus Joseph Jacquin als Professor für Botanik und Chemie in Wien. Schon im August 1768 offiziell zum Professor ernannt, kehrte Jacquin Ende 1768 nach Wien zurück, promovierte am 14. März 1769 zum Doktor der Arzneikunde und unterrichtete nun bis zum Studienjahr 1797/98 an der Universität Wien. Im November 1791 wurde ihm sein Sohn Joseph Franz Jacquin (1766-1839) „in dem Lehramte zur Seite gegeben“, er trug nun unter Aufsicht des Vaters die Chemie vor. 1797/98 übernahm Joseph Franz beide Lehrfächer und unterrichtete in Folge bis 1838 Botanik und Chemie, dann legte er die Chemie nieder. Botanik jedoch las er bis zu seinem Tod im Dezember 1839.

Seit der Berufung nach Wien im Jahr 1768 lebte die Familie Jacquin finanziell „im Klee“: Nikolaus Joseph erhielt die Besoldung für zwei Lehrkanzeln und zusätzlich noch 1000 Gulden aus der Kasse für Münz und Bergwesen. Seit der Verleihung des Adelsprädikates „Edler von Jacquin“ am 30. Juli 1774 lebte die Familie allerdings auch im Zeichen des Klees: Das Adelswappen zeigt in Blau ein silbernes Haupt mit zwei grünen Kleeblättern, im Schilde ein aufgerichteter silberner Sparren unter dem ein rechtsgekehrter Wolfskopf mit einem durch seinen Hals schräglinks abwärts stehenden silbernen Pfeil zu sehen ist. Den Schild bedeckt die Adelskrone, dann ein Turnierhelm mit goldener Krone und einem weiteren Kleeblatt, sowie zwei blau-silbern abgeteilten Büffelhörnern. Das hier präsentierte Wappen aus dem Freiherrn-Diplom vom 14. Juli 1806 unterscheidet sich nur durch die Freiherrnkrone anstelle der einfachen Adelskrone. Das gesamte Freiherrn-Diplom kann als Digitalisat in der Phaidra-Collection "Historische Objekte Botanik" eingesehen werden.

Am 26. Oktober 1817 starb in der oberen Bäckerstraße No. 806 „Nikolaus Joseph Freyherr von Jacquin, des königlich ungarischen St. Stephansordens Ritter, der Arzneykunde Doktor und wirklicher niederungarischer Bergrath, emeritirter Professor der Chemie und Botanik, dann gewesener Rektor Magnifikus auf der hiesigen hohen Schule, alt 91 Jahre, an Altersschwäche“. „Blüht denn noch keine Stapelie?“, sollen seine letzten Worte am Totenbett gewesen sein, bezugnehmend auf jene Schwalbenwurzgewächse, mit denen sich Jacquin in seinen späten Jahren besonders intensiv befasst hatte. Jacquins Schulfreund Gottfried van Swieten hatte inzwischen 1783 einen „Entwurf für das philosophische Lehrfach“ an der Universität Wien vorgelegt und plädierte für die Errichtung einer Lehrkanzel für physikalische Erdbeschreibung und Naturgeschichte an der Philosophischen Fakultät. Nach seiner Diplomatenlaufbahn wirkte er als Präfekt der kaiserlichen Hofbibliothek und erarbeitete mit Joseph Haydn (1732-1809) die Oratorien „Die Schöpfung“ (1798) und „Die Jahreszeiten“ (1801). So verdankt Wien den genialen Familien Jacquin und van Swieten Vieles auf dem Gebiet des Hochschulunterrichts, der Naturgeschichte und der schönen Künste. Neben Talent ist allerdings auch immer auf Herzensbildung zu achten, denn „Wahres Genie ohne Herz ist Unding - denn nicht hoher Verstand allein, nicht Imagination, nicht beide zusammen machen Genie – Liebe, Liebe, Liebe! ist die Seele des Genies!“ schrieb am 11. April 1787 Nikolaus Joseph Jacquins Sohn Emilian Gottfried (1767-1792) in das Stammbuch seines Freundes Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791).

Text und Foto: Mag. Matthias Svojtka