Photographie im Laubblatt

Photographie im Laubblatt

Von Hans Molisch (1856-1937)
Maße: ca. 8 x 8 cm
Aus der Sammlung historischer Geräte des ehemaligen Instituts für Pflanzenphysiologie


Hans Molisch wurde 1856 in Brünn geboren und war österreichischer Pflanzenanatom und -physiologe. Er hatte zwischen 1889 und 1925 Professuren in Graz, Prag, Wien und Sendai inne. In Japan etablierte er die Disziplin der Pflanzenphysiologie. 1926-1927 war er Rektor der Universität Wien und 1937 Vizepräsident der Akademie der Wissenschaften.

Schon Julius Sachs zeigte in den 1860er Jahren, dass Stärke in den Chloroplasten eines Blattes nur gebildet wird, wenn Licht auf sie einstrahlt; in abgeschatteten Bereichen bildet sich keine Stärke. Er legte dazu Schablonen auf ein Laubblatt und exponierte es dem Sonnenlicht. Anschließend wurde das Blatt in heißem Alkohol abgetötet und die entstandene Stärke in einer Jod-Jodkali-Lösung schwarz-blau gefärbt. Es entstanden dunkle Felder an belichteten Stellen, die unbelichteten Stellen blieben hell.

Hans Molisch fragte sich, ob diese Stärkebildung proportional von der Lichtmenge abhängt. Er exponierte daher Blätter von Abutylon, der Schmuckmalve, dem Licht unter Fotonegativen, z. B. auch unter dem Negativ seines Portraits, und zeigte damit, dass es tonwertrichtig abgestuft ins Blatt kopiert werden konnte. Stärkebildung in Chloroplasten eines Blattes ist also proportional abhängig von der eingestrahlten Lichtintensität.


Text und Foto: Irene Lichtscheidl und Gregor Eder

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