Skelett eines Zwergwals

Skelett eines Zwergwals

Balaenoptera acutorostrata (LACEPEDE, 1804), um 1880
Cetacea, Mysticeti, Balaenopteridae
Länge: ca. 7,5 m
Aus der Zoologischen Sammlung


Zwergwale, auch Minkwale genannt, leben als kosmopolitische Spezies in den Küstengewässern bzw. am Schelf der Kontinente in temperaten bis kühl-gemäßigten Klimazonen, wie auch in den Pol nahen Meeren (1). Das Skelett zeigt eine hervorragende Anpassung an die aquatische Lebensweise, wie auch die Form der Barten auf eine nahrungsspezifische Anpassung des Kieferapparates hinweist (2). Das im Universitätszentrum Althanstraße ausgestellte Skelett stammt vermutlich aus einem Strandungs- oder Fangereignis aus der Zeit um 1880 (3, 4). Für Zoologen war es zur Zeit der Monarchie sehr schwer, an Meerestiere zu kommen, doch bot sich Triest mit dem Fischmarkt als eine versatile Fundgrube für den Zoologen von damals dar (5). Es gibt mehrere Hinweise darauf, dass dieses Skelett durch den bis 1874 an der Universität Wien lehrenden Professor für vergleichende Anatomie Joseph Hyrtl (1810–1894) angeschafft wurde.

Ursprünglich befand sich der Zwergwal gemeinsam mit fünf anderen Großskeletten (einem Elefanten, einer Giraffe, einem Walross und zwei weiteren Walen) im Anatomiesaal des Zoologischen Instituts im Universitätshauptgebäude am Ring. Dort überstanden sie zwei Weltkriege samt Bombenangriff und Brand relativ unbeschadet. Seit den 1980er Jahren sind die Skelette im UZA I in der Althanstraße untergebracht. Dort hingen sie bis vor kurzem vom Glasdach des Mittelganges herab und dienten Studierenden als vielbestauntes Anschauungsmodell.
Diese Montage war ursprünglich nur als Provisorium gedacht, erwies sie sich aber als erstaunlich robust. Die Brandschutzsanierung des Gebäudes im Jahr 2012 sorgte jedoch für brandschutztechnische Adaptierungen und stellte die Frage nach einer entsprechenden Neuaufstellung der Großskelette: einerseits war es wichtig, die sogenannte Brandlast zu reduzieren - die Skelette hätten bei einem Sturz von der Decke Menschen verletzen oder Fluchtwege blockieren können - andererseits sollten sie an ihren Standorten zwar nach wie vor gut zu sehen sein, aber deutlich als Barriere erkennbar und abgegrenzt werden. Auch der sogenannte Objektschutz wurde beachtet. Mit der Aufstellung in versiegelten Glaskästen werden alle diese Vorgaben erfüllt, und die Objekte sind zudem vor Staub und Schmutz geschützt. Die Schaukästen halten bei einem Brand auch höheren Temperaturen lange stand und schützen die Skelette außerdem vor Wasser oder Vandalismus.

Bevor die Skelette in die neuen Glaskästen übersiedeln konnten, mussten sie in einem aufwändigen Verfahren zu allererst restauriert werden: alle Exemplare wurden sorgfältig von der Decke abgeseilt und direkt am Boden in eine Wanne gelegt. Geschützt durch Planen wurden sie dort von Mitarbeitern der Zoologischen Sammlung und des Naturhistorischen Museums Wien  gereinigt und restauriert. Ihre probate Hängung in den Vitrinen wurde unter Einbeziehung von ästhetischen, werkstofftechnischen und kuratorischen Vorgaben entwickelt und als Kooperation der DLE Raum- und Ressourcenmanagement der Universität Wien , der Firma Mayer Edelstahl GmbH  und der Zoologischen Sammlung realisiert.

Und so können die "sanften Riesen der Meere" nun ungestört weiterschlummern und die nächsten Dekaden unbeschadet überdauern.

Literatur:

1. Notarbartolo di Sciara G. (2002), Cetacean species in the Mediterranean and Black Seas, Accobams Secretariat, Monaco.
2. Van Beneden PJ. (1888) Histoire naturelle des balenopteres. Bruxelles: Hayez.
3. Matematicko-prirodoslovni razred, Jugoslavenska akademija zanosti i umjetnosti (1916), Band 1-10, 215ff, Ljubljana.
4. Pierantonio N. und Bearzi G. (2012), Mar. Bio. Rec. 5:1-6.
5. Grube AE. (1861), Ein Ausflug nach Triest und dem Quarnero, Nicolaische Verlagsbuchhandlung,

Text: Maximilian Petrasko, Foto: Claudia Feigl