Weinrebe

Weinrebe

Vitis vinifera
Aquarellierte Umrisszeichnung von Ignaz Pach, um 1850
Papier, Bleistift, Tinte, Aquarellfarben
Maße: 24 x 37 cm
Aus der Fachbereichsbibliothek Pharmazie und Ernährungswissenschaften


In den Beständen der FB Pharmazie und Ernährungswissenschaften finden sich eine Reihe bisher weitgehend unbekannt gebliebener bibliophiler Kunst-Kostbarkeiten, darunter auch die sogenannte „Sammlung Pach“: Sie besteht aus insgesamt 2.841 Pflanzenaquarellen, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts von dem Apotheker Ignaz Pach (1789-1861) angefertigt wurden. Pach, der 1820-1852 Vorsteher des Wiener Apotheker-Hauptgremiums war, kam in dieser Funktion wohl mit Karl Damian Schroff (1802-1887) in Kontakt, der ab 1849 als Professor der Pathologie, Pharmakologie und Pharmakognosie an der Universität Wien tätig war und Vizepräsident der Gesellschaft der Ärzte und Vorsitzender der Pharmakologischen Sektion war.

Portrait Schroff.jpgBeide verband eine enge Zusammenarbeit, die sich bald zu einer Freundschaft entwickelte. Ignaz Pach, dessen Leidenschaft der Botanik galt, unterstütze Karl Schroff bei der Beschaffung von Pflanzenmaterial sowie bei chemischen und pharmakologischen Untersuchungen, die oftmals die Grundlage von Publikationen und Vorträgen bildeten. Darüber hinaus förderte er den Aufbau einer pharmakologischen Bibliothek durch Schenkungen mehrerer botanischer und pharmazeutischer Werke und trug auch zum Ausbau der Institutssammlungen bei: Zum einen durch Herbarbelege, zum anderen durch eine äußerst umfangreiche und kostbare Sammlung von präzisen und kunstvollen Pflanzenillustrationen, die (obgleich nicht signiert) von Ignaz Pach selbst stammen dürften.

Paeonia.jpgDiese mehr als 2.800 Blätter, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden, zeichnen sich durch eine auffallende Naturgetreue und Detailgenauigkeit aus. Sie wurden mit Bleistift vorgezeichnet, danach aquarelliert und zuletzt mit der Feder nachgezeichnet. Als Vorlage für diese Zeichnungen dienten Pach gepresste Pflanzen, aber auch Abbildungen aus bedeutenden botanischen Werken, wie etwa die 1800-1822 erschienene IIcones plantarum medico-oeconomico-technologicarum cum earum fructus ususque descriptione  (= Abbildungen aller medizinisch-ökonomisch-technologischen Gewächse mit der Beschreibung ihres Gebrauches und Nutzens) von Bernhard Ferdinand Vietz (1772-1815), Theodor Friedrich Ludwig Nees von Esenbecks Plantae officinales oder Sammlung officineller Pflanzen (Düsseldorf 1821–1833) sowie Nikolaus Thomas Hosts Icones et decriptiones graminum austriacorum .

Karl Damian Schroff nummerierte die Blätter fortlaufend und liess zehn Mappen mit in Gold geprägter Aufschrift "Flora Austriaca Iconibus Illustrata, Donum I. Pach" anfertigen, in denen er die Sammlung nach dem damals neu erstellten Pflanzensystem von Stefan Endlicher einordnete. Noch heute werden die wertvollen Zeichnungen von Ignaz Pach in diesen Mappen aufbewahrt und nur zu besonderen Anlässen hervorgeholt und gezeigt.


Literatur:

Schneider, Kurt: Arzneipflanzen im Bild - vom Aquarellbild zum Digitalfoto Teil 1: „Die Sammlung Pach“, Phytotherapie Austria 5.Jg., Heft 5 (2011), S. 22
Schneider, Kurt: Bibliothek der Institute für Pharmakognosie und Pharmazeutische Technologie an der Universität Wien, in: Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland, Österreich und Europa. Hrsg. von Bernhard Fabian. Digitalisiert von Günter Kükenshöner. Hildesheim: Olms Neue Medien 2003.
Jurenitsch, Johann u. a.: 200 Jahre Pharmakognosie in Wien: Eine Wissenschaft im Dienst der Arzneimittelsicherheit, Wien: Facultas 1998, S. 22-23
Hausknost, Marietta: Der Apotheker Ignaz Pach (1789-1861), Österreichische Apotheker-Zeitung 39.Jg., Folge 43 (1985) S. 832-835


Text: HR Mag. Dr. Kurt Schneider, Mag. Claudia Feigl