Zahn eines Megazahnhaies

Zahn eines Megazahnhaies

Zahn von Megaselachus megalodon (Agassiz in Charlesworth 1837)
Maße: L. 11 cm
Fundort: Wiener Becken
Serie: Miozän
Aus der Paläontologischen Sammlung


Der durch seine Größe wohl weltweit bekannteste Hai streifte auch durch das urzeitliche Meer, welches Österreich in der Vergangenheit bedeckte. Dieses durch die Alpen begrenzte Meer, das als Paratethys bezeichnet wird, entstand vor rund 35 Millionen Jahren und erstreckte sich über weite Teile Europas. Es belegt die letzte marine Entwicklung Österreichs und existierte bis vor rund 11 Millionen Jahren, bis es sich zu einem Binnenmeer entwickelte und sukzessive aussüßte. Gerade im Wiener Becken fand sich in dieser Zeit eine hohe Vielfalt an verschiedensten tropischen Tiergruppen wie zum Beispiel Muscheln, Seeigel, Korallen und Fische. Ebenso durchstreiften marine Säugetiere wie Seekühe, Wale und Delphine unser Meer. Der gefürchtetste Bewohner war jedoch der Megazahnhai Megalodon, der eine geschätzte Länge von bis zu 17 Metern erreichen konnte. Aufgrund des knorpeligen Skelettes von Haien bleiben in der Regel eher Zähne als Skelette fossil erhalten. Die Zähne dieses mächtigen Räubers erreichten eine Größe von bis zu 17 cm, wovon sich die prägende Namensgebung ableitet.

Die Wortkombination "Megalodon" kommt aus dem Griechischen und bedeutet „megas“ - groß und „odon“ - Zahn. Lange Zeit ging man davon aus, dass der Weiße Hai, der heute als größter aktiv jagender Knorpelfisch gilt, der nächste lebende Verwandte von Megalodon sei. Aktuell werden beide in dieselbe Ordnung (Lamniformes, Makrelenhaiartige) gestellt, gehören jedoch trotz ihrer ähnlichen Zahnformen verschiedenen Familien an. Wie auch bei anderen großen Prädatoren führen oft kleine Veränderungen der Umwelt zu verheerenden Auswirkungen auf deren Existenz. So waren auch vor rund drei Millionen Jahren verschiedene Faktoren für das Aussterben des Riesenhaies Megalodon ausschlaggebend. Den größten Einfluss dürften wohl globale Veränderungen wie die Abnahme des Meeresspiegels, eingeschränkte Meeresverbindungen sowie die Abkühlung und eine Reduktion des Nahrungsangebotes gehabt haben.

Kuriose Belege über Sichtungen und die fortwährende Existenz von Megalodon gibt es zwar bis heute, aber diese gilt als sehr unwahrscheinlich. Vermutungen über ein Abwandern des Riesenzahnhaies in die Tiefsee sehen Forscher kritisch, denn sein bevorzugter Lebensraum waren tropische flachmarine Küstengewässer. - Eine Anpassung an die Tiefsee bedeutet eine große Umstellung, die nur über einen längeren Zeitraum gelingen kann. Mit größter Wahrscheinlichkeit endete daher vor rund drei Millionen Jahren die Herrschaft Megalodons über die Ozeane, und er wurde von besser angepassten Haien abgelöst.

Literatur:

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ROESCH B.S., 1998.A Critical Evaluation of the Supposed Contemporary
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RENZ M., 2002. Megalodon- Hunting the Hunter. In: PaleoPress, Second edition.

Zahn eines Megazahnhaies

Text und Foto: Iris Fuchs, BSc & Julia Schwab, BSc; Gemälde: Rekonstruktion des Lebensraumes von Fritz Messner, Öl auf Leinwand 2002, © Universalmuseum Joanneum