Widmungskassette für August Emil Vogl

Widmungskassette für August Emil Vogl

Zum Jubiläum der 25-jährigen Lehrtätigkeit an der Universität Wien, 1899
Gewidmet von seinen engeren Schülern
Holz, Glas, Metall, Seide, Leder, Papier
Maße: L 39 cm, B 34 cm, H 13 cm (Kassette); L 36 cm, B 30 cm, H 9 cm (Foto-Buchband)
Aus der Fachbereichsbibliothek Pharmazie und Ernährungswissenschaften 


August Emil Ritter Vogl von Fernheim (1833–1909) gilt als Vater der modernen Pharmakognosie. Er wurde am 3. August 1833 im nordmährischen Hranice, dem damaligen Mährisch-Weißkirchen, in eine Apothekerfamilie hineingeboren und studierte ab 1854 Medizin am Wiener Josephinum , der k.k. medizinisch-chirurgischen Josephs-Academie. Sein Studium wurde durch den Kriegsdienst in Italien (Mantua) während des Sardinischen Krieges  (Zweiter Italienischer Unabhängigkeitskrieg) unterbrochen. Dennoch war er 1859 bereits als Dr. med. univ. Oberarzt und Assistent der Naturgeschichte am Josephinum. Ab 1864 lehrte Vogl als Privatdozent für Pharmakognosie an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien, war 1866 Regimentsarzt und übte ärztliche Spitalstätigkeit aus. 1867 betätigte er sich als Bibliothekar am Josephinum und wurde 1869 Adjunkt bei Professor Franz von Schneider  (1812–1897) am dortigen chemischen Laboratorium, bis ihn 1870 der Ruf zum Professor für Botanik und Zoologie an das Deutsche Polytechnikum im Prag erreichte. 1874 übernahm er in der Nachfolge von Professor Karl Damian von Schroff  (1802–1887) den Lehrstuhl für Pharmakologie und Pharmakognosie an der Universität Wien. Mit Unterbrechungen war er hier zwischen 1876 und 1896 Dekan der Medizinischen Fakultät und 1887/1888 auch Rektor der Universität Wien. 1888 wurde er zum k.k. Hofrat ernannt und 1889 in den Adelsstand erhoben. Seither hieß er Ritter Vogl von Fernheim, und sein Wappenspruch lautete "Et in parvis valens“ (etwa: „Selbst im Kleinen mächtig“). 1894 verlieh man ihm die nach seinem Fachkollegen, dem Schweizer Apotheker Friedrich August Flückiger  (1828–1894) benannte, neu gestiftete „Flückiger-Medaille“, und 1897 wurde er Präsident des Obersten Sanitätsrates. - Vogl emeritierte im Jahr 1904 und lebte noch bis zum 25. Juli 1909 in Wien.

Die große Bedeutung von August Emil Vogl für die Pharmakognosie liegt in ihrer Herausführung von einem rein deskriptiven Teilgebiet der angewandten Botanik oder botanischen Warenkunde zu einer wissenschaftlichen Grunddisziplin der Pharmazie, die sich neben der Anatomie auch der Histologie und Mikrochemie von Arzneipflanzen widmen sollte. Zu diesem Zweck wurden 1889 mikroskopisch-pharmakognostische Übungen im Pharmaziestudium eingeführt. Das Mikroskop war nun als Hilfsmittel für pharmakognostische Untersuchungen für alle Apotheken verpflichtend vorgesehen. Im Österreichischen Arzneibuch von 1889 (Pharmacopoea Austriaca  VII) beschrieb Vogl die offiziellen Pflanzendrogen erstmals mit beispielhafter Präzision.

Darüberhinaus begründete er auch die mikroskopische Untersuchung der Lebens- und Genussmittel.
In einem Huldigungsschreiben nach vierzigjähriger Tätigkeit wird dazu ausgeführt: "... Er war der Pfadfinder des Mikroskopes in der Pharmakognosie und hat durch die Einführung des Mikroskopes in der Apotheke der Pharmazie eine neue wissenschaftliche Richtung gegeben. Geradezu bewunderungswürdig ist der Fleiß und riesige Ausdauer und geistige Arbeitskraft des Hofrates: er hat 50.000 Untersuchungen von Drogen ausgeführt."
Zur Feier seines 25-jährigen Professoren-Jubiläums veranstalteten seine einstigen Schüler am 16. Oktober 1899 "eine solenne Feier in seinem Hörsaale" und überreichten ihm die hier vorgestellte Widmungskassette. Sie enthält ein Foto-Album seiner einstigen und damaligen Assistenten, Demonstratoren und engeren Schüler, u. a. Josef Moeller (1848–1924), Alexander Hinterberger (1862–1936) und Wilhelm Mitlacher (1872–1913).

Die Holzkassette ist seitlich rechts versperrbar, hat einen nach links aufklappbaren Deckel mit eingepasster Glasscheibe und ist mit rotbrauner Seide ausstaffiert. Der Foto-Buchband trägt rechts einen seitlichen Klappverschluss und enthält nach dem künstlerisch gestalteten Deckblatt mit Widmung achtzehn Blätter mit jeweils einem S/W Foto im Format 10 x 14 cm, umrahmt von dicken Karton-Portfolios mit Goldrand. Alle zeigen Porträts von Schülern des Jubilars.

Eine weitere silbergeschmückte Huldigungskassette mit Abbildungen seines Institutes wurde ihm anlässlich seines 70. Geburtstages am 3. August 1903 auf seinem „Sommer-Tuskulum“, der Villa Fernheim bei Mazzon, im Südtiroler Unterland überreicht. (Das Gebäude existiert noch und wird jetzt als Weingut genutzt. Es liegt in der Fraktion Mazon der Marktgemeinde Neumarkt an der Etsch.) Auch diese zweite Kassette gehört zum Bestand der Fachbereichsbibliothek Pharmazie. - In der Aula des Pharmazie-Zentrums am UZA II erinnert noch heute ein historisches Porträt-Wandrelief an Professor August Emil Vogl.

Literatur:

Huldigungsschreiben  mit ausführlicher Biografie aus 1904.

J. Jurenitsch, C. Müller, K. Schneider, W. Kubelka: 200 Jahre Pharmakognosie in Wien: eine Wissenschaft im Dienst der Arzneimittelsicherheit. - Wien: Facultas-Univ.-Verlag, 1998. ISBN 3-85076-472-9. - Exemplare im Bestand der UB Wien 

Widmungskassette für August Emil Vogl

Text und Fotos: Dr. Kurt Schneider