Finissage: 1000-jährige Bibliothek - die Sprache prüfen

"1000-jährige Bibliothek" (c) Hannes Priesch

Finissage: 1000-jährige Bibliothek - die Sprache prüfen

Mittwoch, 27. Februar 2019, 18.00 Uhr, FB Soziologie und Politikwissenschaft

Am 27. Februar 2019 findet zum Abschluss der Ausstellung von Hannes Priesch in der Fachbereichsbibliothek Soziologie und Politikwissenschaft, Rooseveltplatz 2, ein Gespräch des Künstlers mit Johanna Schwanberg, Leiterin des Dom Museum Wien und Rainer Fuchs, Chefkurator am Museum Moderner Kunst Wien, statt. Unter dem Titel Kunst – Sprache – Geschichte werden im Dialog Kunstaspekte der ausgestellten Arbeit diskutiert.


Programm

Begrüßung

Beate Lang | Leiterin der Fachbereichsbibliothek Soziologie und Politikwissenschaft


Impuls und Dialog

Hannes Priesch im Dialog mit Johanna Schwanberg und Rainer Fuchs

Johanna Schwanberg (Text-Bild-Beziehungen) und Rainer Fuchs (Apologie und Diffamierung des „Österreichischen Expressionismus“) fokussieren zum Abschluss der Ausstellung auf die künstlerischen Aspekte der 1000-jährigen Bibliothek und werden aus ihren jeweiligen Wissensgebieten und Hintergründen Bezüge zur Installation von Hannes Priesch herstellen.


Brot und Wein

Podium

Hannes Priesch studierte bei Max Weiler an der Akademie der bildenden Künste Wien, ist Gründungsmitglied der Gruppe REM (Wien) und lebt und arbeitet nach mehreren Jahren Tätigkeit in Chicago und New York in Semriach/Steiermark.

Johanna Schwanberg ist Direktorin des Dom Museum Wien. Die Kunst- und Literaturwissenschaftlerin promovierte 2001 über die „Bild-Dichtungen von Günter Brus“ (2003 veröffentlicht im Springer Verlag). Seit 2011 lehrt sie an der Universität für angewandte Kunst an der Abteilung „Kunstgeschichte“, und 2005–2013 war sie Dozentin im Fachbereich Kunstwissenschaft am Institut für Kunstwissenschaft und Philosophie der Katholisch-Theologischen Universität Linz. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die Beziehung zwischen Wort und Bild, die österreichische Avantgarde, Aktionskunst, sowie die Relationen zwischen Kunst und Wissenschaft.

Rainer Fuchs ist stellvertretender Direktor und Chefkurator am Museum Moderner Kunst Wien. Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Philosophie in Graz und Wien. Ausstellungen u.a.: Exhibition 1994; Self Construction 1996; Felix Gonzalez-Torres 1998; Lois Weinberger 1999; John Baldessari 2005; Dan Flavin 2012; Raum und Wirklichkeit 2014; Naturgeschichten 2017. Publikationen zur Moderne und Gegenwartskunst. Arbeitsschwerpunkte: Begriffs- und Rezeptionsgeschichte des Expressionismus und der klassischen Moderne, sprachanalytische und konzeptuelle Kunstrichtungen seit den 1960er Jahren.


Zur Ausstellung

Der Gebrauch der Sprache und ihre Struktur sind wesentlich verantwortlich für gesellschaftliche und politische Weichenstellungen. Die schockierende Weichenstellung 1938, der wir aktuell gedenken, zeigt die Notwendigkeit der Analyse von Sprache auf. Die gegenwärtige Welle von Hass-Sprache – im Netz sowie im Realraum – erfordert Diagnose und Reflexion. Die Wurzeln von Hass-Sprache finden sich auch in unserer alltäglichen Sprache.

Wie zu diesen Wurzeln vorstoßen? Die Ausstellung und Veranstaltungsreihe "1000-jährige Bibliothek" widmet sich anhand von Hitlers "Mein Kampf" dieser dringenden Frage und fordert auf zur kritischen Prüfung von Sprache und politischen Prozessen.

Hitlers "Mein Kampf" erschien in einer Auflage von 12,4 Millionen Stück in deutscher Sprache. Tabuisierung und Verbot dieser Propagandaschrift nach dem Zweiten Weltkrieg haben nicht den erwünschten Effekt gezeigt, nämlich den Geist in der Flasche sicher zu verwahren und von der Allgemeinheit fernzuhalten. Das Gegenteil ist der Fall. Gerade mit dem Erinnerungsjahr 2018 wurde sichtbar, wie neonationalistische Ausgrenzungsbewegungen, Rassismus und menschenhassende Rhetorik an Massentauglichkeit gewinnen.

Diesen Umstand greift der bildende Künstler Hannes Priesch mit seinem Projekt "1000-jährige Bibliothek auf". Er vervielfältigt Textauszüge aus "Mein Kampf" mittels Handsiebdruck und stellt daraus Buchobjekte her, welche in Form einer Installation präsentiert werden. Diese Bücher können von den Besucher*innen in die Hand genommen und gelesen werden. Der tabuisierte Gegenstand "Mein Kampf" wird in neuer Weise Material zur Untersuchung und Reflexion. Die semiotische Referenzveränderung erleichtert es, die von Hitler verwendete Sprache zu studieren und sensibilisiert zu werden für die Sprache totalitärer Tendenzen und menschenverachtender politischer Strategien. Strategien von damals können mit heutigen verglichen und solche Anteile im eigenen Denken und Handeln aufgespürt und bearbeitet werden.

Link zur Website der Ausstellung



Universität Wien