FB Botanik: E-Book des Monats August 2018

Franz Unger, am 30. November 1800 auf Gut Amthofen bei Schloßberg in Steiermark geboren, hatte Medizin studiert, und von 1835 bis 1849 Botanik und Zoologie am Joanneum in Graz unterrichtet. 1849 war er zum Professor für Botanik (Pflanzenanatomie und Pflanzenphysiologie) an der Universität Wien berufen worden. Schon 1841 bis 1847 war sein paläobotanisches Hauptwerk, die „Chloris protogaea“ erschienen. 1850 nun schickte sich Unger an, der Welt ein Bild von der Vorwelt zu machen. Zusammen mit dem Grazer Künstler Joseph Kuwasseg (1799-1859) erschuf er 14 Lithografien (im Format 45 x 31 cm) und den hier präsentierten erläuternden Textband von 40 Seiten zur „Urwelt in ihren verschiedenen Bildungsperioden“. Ausgegeben wurde das Werk, unterstützt von der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien, am 18. Dezember 1850. Diese stark paläobotanisch geprägten Rekonstruktionsversuche vorweltlicher Landschaften bilden, zusammen mit zwei „Guckkastenbildern“ von Leander Russ (1809-1864) für Kaiser Ferdinand I. von Österreich aus dem Jahr 1842, die ältesten österreichischen Darstellungen der Urwelt. Auch international erlangten sie rasch große Berühmtheit und wurden für populäre Bücher, wie Bernhard Cottas „Geologische Bilder“ (1852) und Rudolf Ludwigs „Das Buch der Geologie oder die Wunder der Erdrinde und der Urwelt“ (1855), kopiert. Der Projektionskünstler Paul Hoffmann (1829-1888) fertigte sogar eine Serie von Laternbildern an und tourte mit geologischen Vorstellungen durch Europa (Pritzel 9617, Stafleu & Cowan 15606).