FB Botanik: E-Book des Monats Dezember 2018

Mit 1545 als Gründungsjahr gilt der Botanische Garten in Padua als die weltweit älteste Institution dieser Art, die sich auch heute noch an ihrem ursprünglichen Ort befindet. 1997 wurde der Garten in die UNESCO Welterbe-Liste aufgenommen. Ein erstes Pflanzenverzeichnis des Gartens wurde schon 1642-1644 von Johannes Vesling (1598-1649) unter dem Titel „Catalogus plantarum horti gymnasii patavini“ herausgegeben. Der hier präsentierte Pflanzenkatalog erschien zwar erst 1812, zeigt aber eine Besonderheit solcher Pflanzen- und Samenverzeichnisse, wie sie weltweit von Botanischen Gärten verstärkt ab dem Ende des 18. Jahrhunderts herausgegeben wurden, besonders gut: Auf Seite 10 findet sich in einer umfangreichen Fußnote die wissenschaftlich gültige Beschreibung einer neuen Brillenschötchen-Art (Biscutella lucida). Die Pflanze stammte aus den Gebirgen nahe Bassano del Grappa und Vicenza in Venetien und wurde um 1810 im botanischen Garten Padua in Kultur genommen. Von dort erhielt der Turiner Botaniker Giovanni Battista Balbis (1765-1831) auch einige Pflanzen, die er teilweise herbarisiert weiter an Augustin-Pyrame de Candolle (1778-1841) in Montpellier sandte. De Candolle beschrieb nun die Art Biscutella lucida gültig im Jahr 1811 in einer Pariser Zeitschrift, mithin nur ein Jahr vor Giuseppe Antonio Bonato (1753-1836). Priorität als wissenschaftlicher Autor hat somit de Candolle, Bonato ging mit seiner Beschreibung quasi leer aus. Der vorliegende Katalog bildet aber ein schönes Beispiel sowohl für die internationale Vernetzung der Botanischen Gärten und Botaniker, wie auch für die Wichtigkeit von Gartenkatalogen für die systematische Botanik allgemein.