FB Botanik: E-Book des Monats Juli 2018

„Unter allen Gärten Böhmens ist bestimmt der des Herrn Anton Freiherrn von Hochberg zu Hlubosch befindliche botanische Garten der reichhaltigste und an botanischen Schätzen der merkwürdigste“, schreibt Johann Emanuel Pohl (1782-1834), der sich später als Teilnehmer der österreichischen Brasilien-Expedition noch einen Namen machen wird, 1812 im Vorwort zu dem hier präsentierten Werk. Bereits 1808 hatte Pohl ein „Verzeichniss der im Garten des Freyherrn von Hochberg zu Hlubosch in Böhmen befindlichen Pflanzen“ im Umfang von 82 Seiten vorgelegt. Offenbar konnte der Hochberg-Garten hinsichtlich des Umfangs und der Exotik des Pflanzenbestandes leicht mit dem ab 1775 angelegten botanischen Garten der Universität Prag und dem – ebenfalls wissenschaftlich geführten – Garten des Josef Emanuel Graf Canal von Malabaila (1745-1826) mithalten. Ein wenig merkwürdig ist allerdings auch der Werdegang und das Schicksal dieser Anlage: In den 1770iger Jahren schlossen die Grafen von Hochberg und Hennersdorf die Güter Hlubosch und Pitschin zu einer Herrschaft Hlubosch (Hluboš, 7km nördlich von Příbram, Tschechien) zusammen, gestalteten das Schloss um und legten einen barocken Park mit Gewächshaus und Wasserspielen an. 1806 gründete Anton Freiherr Hochberg von Hennersdorf (geb. in Hluboš am 18.06.1762; gest. am 24.06.1831 in Wien) dann den eigentlichen botanischen Garten mit einem Gewächshaus und einem Treibhaus. Letzteres zeichnete sich besonders durch einen etwa 7 Meter hohen und 8 Meter breiten Felsen aus, von dessen Gipfel ein Wasserfall in ein Bassin mit Wasserpflanzen herabstürzte. An der Seitenwand des Felsen war das Idealbild eines Bergwerkes zu sehen, durch einen Schacht und Stollen gelangte man in das angrenzende Ananashaus. Die Anlage war offenbar derart berühmt, dass ihr Kaiser Franz I. am 4. Juli 1810 einen persönlichen Besuch abstattete. Die Exotik hatte allerdings auch ihren Preis, der bald nicht mehr zu stemmen war: Anton von Hochberg ließ (mit kaiserlicher Bewilligung) die gesamte hochverschuldete Herrschaft Hlubosch am 30. November 1816 in einer Lotterie ausspielen. Das große Los zog ein Wiener Hofsattler, der sie umgehend an Otto Victor I. von Schönburg-Waldenburg (1785-1859) verkaufte. Ab dann verlieren sich auch die Nachrichten über den botanischen Garten (Pritzel 7230, Stafleu & Cowan 8102).