FB Botanik: E-Book des Monats Mai 2020

  • E-Book des Monats 05.2020: Carl von Hügel, Pinetum Huegelianum


  • Die Vita des Diplomaten und Forschungsreisenden Carl Alexander Freiherr von Hügel ist recht gut bekannt: Am 25. April 1796 in Regensburg (Bayern) geboren, studierte Hügel in Heidelberg Jus und trat 1811 in die österreichische Armee ein. Nach der Teilnahme an den Napoleonischen Kriegen und der Militärintervention im Königreich beider Sizilien 1820/21 trat er 1824 als Major in den Ruhestand und bestritt sein weiteres Leben aus ererbtem Familienvermögen. 1827 gründete er gemeinsam mit Joseph Franz von Jacquin (1766-1839) die k. k. Gartenbau-Gesellschaft in Wien, 1830 bis 1836 bereiste er Syrien, die Länder am Roten Meer, das Himalayagebiet, Ostindien, Tibet und mehrere Teile Australiens. Von diesen Reisen kehrte er mit reichen ethnographischen und naturgeschichtlichen Sammlungen zurück, unter den rund 32.000 Objekten befanden sich auch 12.000 Pflanzen. Schon 1824 hatte Hügel im ehemaligen Vorort Hietzing bei Wien ein umfangreiches Grundstück erworben (heute 13. Wiener Gemeindebezirk, Auhofstraße 13 und 15), auf dem er eine Villa und einen botanisch angelegten Park errichtete. In einem zeitgenössischen Bericht von 1847 wird dieser botanische Garten als einer der reichhaltigsten Gärten im Wiener Raum gelobt, besonders das Koniferen-Haus aber übertraf offenbar alles Vergleichbare. „Glaub man sich doch in einen Tannenwald versetzt zu sehen, der alle Arten in sich vereint. Die gefällige Ausschmückung und Aufstellung erhöht noch überdies den Anblick und grenzt an das Bewunderungswürdigste“ heißt es weiter 1847. Das hier präsentierte „Pinetum Huegelianum“ bildet einen 1846 gedruckten, wissenschaftlich aufgebauten Katalog dieser Lebendsammlung von Nadelhölzern und umfasst 158 Arten. Hügel blieb bis 1848 in Wien, später ging er nach England, in die Toskana und nach Brüssel, wo er 1867 als Diplomat in den Ruhestand trat und am 2. Juni 1870 starb. Das weitere Schicksal des Hügelgartens mit seinen insgesamt acht Glashäusern bedarf noch weiterer Forschung. Nach der Parzellierung jedenfalls entstand auf dem Areal ein Teil des Hietzinger Cottage, ein letzter Rest ist als Hügelpark (1894 angelegt) noch heute erhalten.