FB Botanik: E-Book des Monats September 2018

Über Louis Charrel ist biographisch nur relativ wenig bekannt. Geboren am 7. Juli 1839 in Belcaire (Département Aude, Frankreich) wirkte er zunächst als Lehrer am Lycée Saint-Charles in Marseille, 1874 wurde er zum Professor der Mathematik und Physik am Galatasaray-Gymnasium, einer Eliteschule in Istanbul, berufen. 1873 hatte er mit „Études philologiques sur la langue Turque“ ein sprachwissenschaftliches Werk vorgelegt, ferner wirkte er als Journalist und Herausgeber des „Levant Herald“ und betrieb botanische Studien. Ähnlich wie der Wiener Karl Eduard Hammerschmidt (1801-1874), später Abdullah Bey, nahm auch Charrel einen türkischen Namen an und nannte sich Abd-Ur Rahman Nadji. Im Gebiet des damals osmanischen Thessaloniki (heute Griechenland) hielt er sich längere Zeit auf und erforschte die Pflanzenvorkommen der Region. 1892 resultierte aus diesen Beobachtungen das heute äußerste seltene, hier vorgestellte Büchlein „Empire ottoman géographie botanique“. Charrel listete darin die im Bereich von Thessaloniki beobachteten Pflanzen auf, und beschrieb mit Hilfe von Theodor von Heldreich (1822-1902) und Eugen von Halácsy (1842-1913) auch einige neue Arten (wie beispielsweise Thalictrum crossaeum, Delphinium macedonicum und Digitalis nadji). Im Alter nach Frankreich zurückgekehrt, erforschte Charrel hier die Flora des Départements Var, publizierte 1912 dazu eine „Flore de la Provence centrale (Bouches-du-Rhône, Var, Vaucluse)“ und gründete 1915 die „Société de botanique, géologique et entomologique du Var et de la Corse“, der er bis zu seinem Tod als Präsident vorstand. Louis Charrel starb am 15. Oktober 1924 in Toulon (Département Var, Frankreich).