Martin Gasteiner spricht mit Markus Stumpf, Leiter der Fachbibliothek Zeitgeschichte an der Universität Wien und langjährigem Leiter der Provenienzforschung an der Universitätsbibliothek Wien, über Anfänge, Methoden und Perspektiven eines Forschungsfeldes, das in den vergangenen zwei Jahrzehnten stark an Bedeutung gewonnen hat.
Ausgangspunkt des Gesprächs ist die systematische Aufarbeitung von Beständen, die unter den Bedingungen des Nationalsozialismus an die Universität Wien gelangt sind. Dabei wird deutlich, dass Provenienzforschung weit mehr ist als die Rekonstruktion von Besitzverhältnissen: Sie verbindet zeithistorisches Wissen, bibliothekarische Praxis und institutionelle Verantwortung. Im Zentrum stehen die oft schwer lesbaren Spuren in Inventaren, Erwerbungsakten und Sammlungen, die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Institutionsgeschichte sowie die Frage, was Rückgabe heute konkret bedeuten kann. So entsteht ein Gespräch über Forschung, Erinnerungskultur.