Topf mit Giriama-Pfeilgift

Topf mit Giriama-Pfeilgift

Pfeilgifttopf mit Strohring, darin Giriama-Pfeilgift (Pflanzensud) und Messer mit abgebrochener Klinge, 1953
Malindi, Ostafrika
Höhe (inkl. Strohring): 20,5 cm; Durchmesser: 24 cm
Messer mit abgebrochener Klinge: Länge: 20,6 cm
Aus der Drogensammlung des Departments für Pharmakognosie


1989 wurde die umfangreiche Sammlung außereuropäischer Drogen des Nobelpreisträgers für Physiologie oder Medizin Tadeus Reichstein (1897–1996)  von der Universität Basel an das Institut für Pharmakognosie der Universität Wien übergeben. Der Schweizer Chemiker und Botaniker russisch-polnischer Herkunft hatte über mehrere Jahrzehnte vor allem afrikanische Pflanzen und Zubereitungen, die herzwirksame Substanzen enthalten und teilweise auch in der traditionellen Medizin angewendet wurden, gesammelt.

Ein Objekt dieser Sammlung ist der hier vorgestellte irdene Topf mit Pfeilgift, das vom ostafrikanischen Volk der Giriama (Giryama)  hergestellt wurde. Pfeilgift der Giriama galt als eines der wirksamsten in Ostafrika mit sehr rascher Wirkung und wurde an verschiedene Stämme verkauft. Unser Pfeilgifttopf stammt vom Nordufer des Flusses Sabaki (Galana)  aus der Gegend westlich von Malindi. Er wurde gegen Ende der Zubereitung durch Elefantenjäger 1953 von Rangern beschlagnahmt.
Der wichtigste Bestandteil zur Herstellung des Giftes stammt von dem Baum
Acokanthera schimperi (A. DC.) Benth. et Hook. (Pfeilspitzen-Schöngift) , der herzwirksame Glykoside enthält. Die Hauptkomponente im Wirkstoffkomplex der verwendeten Bäume ist Ouabain (g-Strophanthin) . Zur Giftbereitung wurden Äste, Wurzeln, Blätter, Blüten und Früchte zerkleinert, zwei Tage mit Wasser ausgekocht und eventuell kleinere Mengen anderer Pflanzen oder auch Tiere wie Ratten, Spitzmäuse oder Schlangenköpfe zugesetzt. Danach wurde zu einem zähen, dunklen Brei eingedickt.

Mit der chemischen Analyse des Pfeilgiftes aus diesem Topf bestätigte Reichstein die Verwendung von Acokanthera schimperi. Seine Untersuchungen zeigten außerdem, dass die Giriama die in Kenia relativ seltenen Bäume des Chemotyps mit hohem Ouabain-Gehalt sehr gut von ähnlichen Vertretern dieser Art mit anderer Wirkstoffzusammensetzung unterscheiden konnten.

Literatur:

BALLY, P. R. O.; THUDIUM, F.; MOHR, K.; SCHINDLER, O.; REICHSTEIN, T.: Giriama‐Pfeilgift. Glykoside und Aglykone, 187. Mitteilung. In: Helvetica Chimica Acta, 1958, Vol.41(2), pp.446-459. Zeitschrift im Bestand der UB Wien. Elektronischer Text = DOI: 10.1002/hlca.660410216

Topf mit Giriama-Pfeilgift

Text: ao. Univ-Prof.in Mag.a Dr.in Liselotte Krenn; Fotos: Claudia Feigl