Schwarzer Spinell

Schwarzer Spinell

Tropfenförmig facettierter Schmuckstein
Größe: 49 mm × 32,4 mm
Gewicht: 167,4 Karat
Aus Bo Phloi, Kanchanaburi District (Thailand)
Aus der Proben-Sammlung der aktuellen Edelstein-Forschung am Institut für Mineralogie und Kristallographie 


Das Gebiet um die Stadt Kanchanaburi im Westen Thailands (jene Stadt, die durch den Film "Die Brücke am Kwai" mit Alec Guinnes weltweite Bekanntheit erlangt hat), war über viele Jahre hinweg berühmt als Lieferant qualitativ hochwertiger Edelsteine, insbesondere von blauen Saphiren. Diese stammten aus jungen basaltischen Gesteinen, in denen auch große Mengen undurchsichtiger schwarzer Kristalle des Minerals Spinell (MgAl2O4) vorkommen. Letztere wurden in der Vergangenheit als minderwertig betrachtet und einfach weggeworfen. Seit dem Niedergang der Saphirproduktion im Lagerstättenbezirk Kanchanaburi rückte der schwarze Spinell jedoch zunehmend in den Fokus der lokalen Edelsteinsucher und Schleifer. In Ermangelung anderer lohnenswerter Objekte versuchen sie nun, durch Anfertigung und Verkauf kunstgewerblicher Objekte aus schwarzem Spinell – vor allem an Touristen – ihre Familien zu ernähren.

Etliche Exemplare (Rohsteine und bearbeitetes Material) von schwarzem Spinell aus Bo Phloi, etwa 30 km nördlich von Kanchanaburi gelegen, wurden durch Prof. Dr. Lutz Nasdala vom Institut für Mineralogie und Kristallographie von einer Exkursion im Sommer 2018 mitgebracht. Diese wurden nun im Rahmen einer von ihm betreuten MSc-Arbeit von Frau Ágnes Blanka Kruzslicz untersucht. Es ist dies die erste wirklich umfassende mineralogische Beschreibung des Materials.

Zunächst wurde festgestellt, dass es sich bei dem Material aus Bo Phloi tatsächlich um Mg-Al-Spinell handelt, dessen dunkle Färbung vor allem durch den Einbau erheblicher Mengen von Eisen hervorgerufen wird. Dies war vorab nicht sicher, insofern sich das auf den lokalen Märkten als "Nin" (schwarzer Edelstein), "Nin-ta-go" (massiver schwarzer Stein), "Blackjack" bzw. auch fälschlicherweise als "Onyx" (eigentlich eine schwarz-weiß gebänderte Varietät von SiO2) oder "schwarzer Saphir" (eigentlich Korund) bezeichnete Material nach näherer Untersuchung zuweilen auch als Pyroxen oder Magnetit herausgestellt hat. Die nun durchgeführte mineralogische Charakterisierung beinhaltete nicht nur chemische Analysen (die in Kooperation mit den Universitäten Graz und Brno durchgeführt wurden) und Strukturanalysen, sondern auch mehrere spektroskopische Verfahren. Mittels Mößbauer-Spektroskopie (in Kooperation mit der Universität Salzburg) wurden die Valenzen und kristallographischen Positionen der Eisen-Ionen, mittels Raman-Spektroskopie die Inversion der Kationenbesetzung und mittels optischer Absorption die Farbursachen studiert. Der Spinell von Bo Phloi hat eine graubraune Eigenfarbe, welche allerdings erst bei Probendicken von deutlich unter 0,1 mm beobachtet werden kann.

Die Studie basiert auf der schon seit mehreren Jahren bestehenden Kooperation des Instituts für Mineralogie und Kristallographie mit der Faculty of Gems an der Burapha University  in Chanthaburi, und gemmologischen Instituten in Bangkok. Bilder von einer studentischen Exkursion im Jahr 2012 sind auf der Homepage des Instituts  zu finden.

Veranstaltungshinweis:

Mitte August findet an der Universität Wien der 34. Europäische Kristallographische Kongress statt, zu dem rund 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartet werden:


    32nd European Crystallographic Meeting – ECM 32

    Ort: Universität Wien, Hauptgebäude
    Adresse: Universitätsring 1, 1010 Wien
    Datum: 18.–23. August 2019

    Tagungswebsite 

Text: Univ.-Prof. Dr. Lutz Nasdala, Foto: ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Manfred Wildner