Plan der "Jugendhalle"

Plan der "Jugendhalle"

Plan der Jugendhalle, 1898
Druck
Maße: 46 x 20 cm
In: Zur Geschichte und Statistik des Volksschulwesens im In- und Auslande. | Zugleich Katalog der Jubiläums-Sonderausstellung "Jugendhalle", Wien 1898.
Signatur: AHB I-1608209
Aus dem Sonderbestand Sammlung 'Jugendhalle'  der Hauptbibliothek der Universitätsbibliothek Wien


Im Jahr 2015 hat die Universitätsbibliothek Wien vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (damals BMBF) die Büchersammlung "Jugendhalle" – die im seinerzeitigen k.k. Bundesministerium für Cultus und Unterricht als Teil der Büchersammlung des Dep. XI. angelegt wurde – als Dauerleihgabe übernommen, in ihren Bestand integriert und vollständig katalogisiert. Seit 2017 werden die Bände sukzessive digitalisiert, in der PHAIDRA-Collection "Jugendhalle"  langzeitarchiviert und öffentlich zugänglich gemacht.

Die vom Architekten Ludwig Baumann (1853–1936) geplante sogenannte "Jugendhalle" war eines von mehreren Bauwerken, die eigens für die Jubiläumsausstellung 1898  neu errichtet wurden. Diese Gewerbeausstellung, die als Jubiläumsausstellung anlässlich des 50-jährigen Regierungsjubiläums Kaiser Franz Josephs I. vom 7.5.–9.10.1898 abgehalten wurde, stellte gleichzeitig die zweite Folgenutzung des Weltausstellungsgeländes von 1873 dar. Eine Sonderausstellung sollte "Bestrebungen und Leistungen auf dem Gebiete der Erziehung, Körperpflege und des Unterrichtes der Jugend in einem planmäßig angeordneten Bilde" (Stejskal, S. 29) zeigen. Zu diesem Zweck wurde am 26.12.1896 eine Sonderaustellungskommission "Jugendhalle" konstituiert, die von Obmann Prof. Dr. Karl Stejskal (1854–1932) geleitet wurde. Die Ausstellung befand sich auf einem Grundstück, das heute nördlich des Campus der Wirtschaftsuniversität Wien, an der Kreuzung Ausstellungsstraße/Engerthstraße zu finden wäre und hatte eine Grundfläche von 6.000 m2, wobei die Hälfte davon auf die verbaute Fläche des 50 x 120 m großen Areals entfiel. Die Sonderausstellung war in sechs große Themengruppen unterteilt: Gruppe II (Schulhausbau) nahm auch auf die historische Entwicklung des österreichischen Schulwesens Bezug. Ein eigener Pavillon - genannt die "Jugendhalle" - zeigte die "Sonderausstellung für Erziehung, Volksschulunterricht und allgemeine Gesundheitspflege". In Raum 24 wurden "Volksschulgesetze, Lehrpläne und Lehrbücher" präsentiert.

Die Gewerbeausstellung, die neben der Jugendhalle auch andere Fach- und Sonderausstellungen bot, wurde auf dem Gelände der 1888 am nordwestlichen Teil des ehemaligen Weltausstellungsgeländes von 1873 abgehaltenen Jubiläums-Gewerbe-Ausstellung  gezeigt. Das Gelände wurde neuerlich großzügig erweitert und umfasste annähernd die doppelte Grundfläche von 1888. Hinzugekommen waren vor dem Nordosteingang das Urania-Theater des Architekten Ludwig Baumann - eigentlich ein Provisorium für ein geplantes Volksbildungshaus, das 1910 in die heutige Wiener Urania übersiedelte - und eben die neue Jugendhalle, die direkt an der ehemaligen Begrenzung des Weltausstellungsgeländes errichtet wurde. Dennoch war dies nicht einmal die Hälfte des riesigen Weltausstellungsareals von 1873. Der Kernbereich umfasste das heutige Messegelände sowie den Trabrennplatz. Der ehemalige südöstliche Eingang der Weltausstellung 1873 lag gegenüber dem Stadionparkplatz. An der heutigen Adresse Meiereistraße 3 gelangt man zu den Praterateliers, den beiden einzigen original in situ erhaltenen Gebäuden von Carl von Hasenauer (1833–1894). Sie waren Teil des sogenannten "Kunstbezirkes" und standen als nördliche und südliche Begrenzung des "Kunsthofes", dem Vorhof der imposanten Kunsthalle. Sogar außerhalb des eigentlichen Ausstellungsgeländes von 1873 gab es großzügig verteilte Ausstellungsgebäude: dort, wo heute das Praterstadion steht, befand sich etwa das Gebäude für die Pferdeausstellung.

Die bei der Jubiläumsausstellung 1898 gezeigten Bücher wurden von verschiedenen Bibliotheken als Leihgaben zur Verfügung gestellt; darunter Orden (Dominikaner und Piaristen), Verlage (etwa der k.k. Schulbücher-Verlag) und andere Institutionen wie das k.k. Waisenhaus oder die Bezirks-Lehrerbibliothek im 4. Bezirk. Nach der Ausstellung mussten die Werke nicht retourniert werden, sondern gingen als Schenkungen an die Amtsbibliothek des Unterrichtsministeriums. Ob diese Bücherschenkung eventuell mit dem von Karl Stejskal geäußerten Wunsch im Zusammenhang steht, dass die "Jugendhalle" auch "die Frage nach Errichtung eines großen Reichs-Schulmuseums in Wien einer gedeihlichen Lösung zuführen hilft" (Stejskal, S. 39), bleibt unklar. Tatsächlich bestand aber kurzfristig (1903–1923) ein Österreichisches Schulmuseum in Wien (vgl. Oelbauer). In der Hoffnung, die Sammlung könne eines Tages in ein Museum kommen, wurden seitens der Amtsbibliothek auch Zukäufe von einschlägigen, vor 1848 erschienenen Büchern getätigt, sodass der noch heute vorliegende Bestand von 364 Titeln erreicht wurde.

Die Sammlung umfasst überwiegend Schulbücher, größtenteils aus den Fachbereichen Deutsch (ABC, Lesen, Schönschreiben, Briefe und Aufsätze schreiben), Rechnen und Geometrisches Zeichnen sowie Religion inklusive Sittenbüchern, wie etwa "Sätze aus der Tugend- und Sitten-, Pflichten- und Religions-, dann Gesundheits- und Klugheitslehre […]" (P.A. Jais, 1822), Exemplar im Bestand der UB Wien, daneben Raritäten wie eine Publikation zum Nationalgeist im Herder’schen Sinne "Einfluß des Normalschul-Instituts auf den Nationalgeist und Nationalcharakter […]" (L. Ebe, 1784), Exemplar im Bestand der UB Wien. Weniger umfangreich vertretene Themen sind die Landwirtschaft, Physik, Architektur, Länder- und Völkerkunde, Geographie, Geologie, Geschichte und Archäologie, z. B. "Prachtwerke der Unterwelt : das ist Fresco-Gemählde aller Merkwürdigkeiten, Seltenheiten und Sehenswürdigkeiten, die von den ältesten Zeiten bis auf den heutigen Tag unter der Erde entdeckt worden sind […]" (A. Engelhart, 1828), Exemplar im Bestand der UB Wien. Für Lehrerinnen und Lehrer finden sich einige Methodenbücher und solche mit explizit didaktischen und pädagogischen "Forderungen an die Lehrer".

Literatur:

Sonderausstellungs-Commission "Jugendhalle" (Hrsg.), Zur Geschichte und Statistik des Volksschulwesens im In- und Auslande. Zugleich Katalog der Jubiläums-Sonderausstellung "Jugendhalle" Wien 1898. Wien: Verlag der Sonderausstellungs-Commission "Jugendhalle" 1898. Exemplar im Bestand der UB Wien, auch als eBook  verfügbar.
Darin: STEJSKAL, Karl: Die Jugendhalle. Sonderausstellung für Erziehung, Volksschulunterricht und allgemeine Gesundheitspflege. S. 28–39.

HÖFLER, Ingrid: Schulbücher als Erinnerungen an die Jubiläumsausstellung 1898 anlässlich des 50-jährigen Regierungsjubiläums Kaiser Franz Joseph I. (unveröffentlicht, Wien, BMBWK, vor 2015)

OELBAUER, Daniel: "... regt ein gutes Beispiel zur Nachahmung an." Zur Geschichte der Wiener Schulmuseen bis 1945. Elektronischer Text, Stand: 01/2019 als PDF, Quelle: Website des Wiener Schulmuseums .

Plan der "Jugendhalle"

Text: Wolfgang Kainrath; Plan unten: Jubiläums-Ausstellung Wien – Situtationsplan. Beilage zu: Officieller Katalog / Jubiläums-Ausstellung Wien 1898, Wien: Verl. der Ausstellungs-Commission 1898. Die Jugendhalle ist ganz im Nordwesten zu sehen.