Polarplanimeter

Polarplanimeter

Planimeter von Gottlieb Coradi (Zürich, um 1910)
Seriennummer: 21365
Maße: 31 x 24,6 x 3,8 cm
Inventarnummer: 4-2
Aus der Historischen Sammlung der Fachbereichsbibliothek Wirtschaftswissenschaften und Mathematik


In der Historischen Sammlung Mathematik befinden sich drei sogenannte Polar-Planimeter, die dazu dienen, folgende Frage zu lösen: Wie läßt sich der Flächeninhalt beispielsweise eines Sees oder einer Stadt berechnen? Regelmäßige Flächen wie die von Kreisen, Rechtecken, Dreiecken, etc. lassen sich einfach berechnen, sind in der Praxis aber eher die Ausnahme. Bei der Bestimmung von Flächeninhalten mit unregelmäßigen Außenkanten hilft das Planimeter und wird auch heute immer noch dafür eingesetzt. Es ist zwischen seinen beiden Armen beweglich. Am Ende des Polarmes sitzt der Pol, ein Gewicht, welches das Planimeter auf der Unterlage fixiert. Am Ende des anderen Armes sitzt der Fahrstift, mit dem man am Rand der zu messenden Fläche entlangfährt. Durch die Bewegung des Fahrstifts fährt das Messrad über die Unterlage und treibt das Messwerk an. Hat man mit dem Fahrstift den Rand der Fläche komplett abgenommen, lässt sich am Messwerk der Flächenwert ablesen.

Das Polarplanimeter wurde 1854 von dem Schweizer Mathematiker und Physiker Jakob Amsler-Laffon  (1823–1912) erfunden und kurz darauf – ganz unabhängig – auch von dem österreichischen Montanisten Albert Miller Ritter von Hauenfels  (1818–1897). Wichtige Hersteller waren in Folge die Firma Amsler in Schaffhausen, aber auch die Firmen G. Coradi in Zürich und A. Ott in Kempten. In der Historischen Sammlung Mathematik befinden sich Polarplanimeter der Firmen G. Coradi und A. Ott. Das dritte Instrument stammt von Dennert & Pape.

Die Historische Sammlung Mathematik umfasst insgesamt 79 Objekte, die vom ehemaligen Leiter der Fachbereichsbibliothek Mathematik, Statistik und Informatik, Dr. Hans-Dominik Schwabl (tätig von 01.08.1993 – 30.11 2013) gesammelt wurden. Unter den Objekten befinden sich zahlreiche mathematische Modelle und Demonstrationsobjekte, die für den Unterricht gedacht waren. Erweitert wurde die Sammlung um fünf Rechenmaschinen sowie zahlreiche Mess- und Zeichengeräte. Über die Jahre wuchs die Sammlung weiter an, verkleinerte sich aber auch wieder, da Objekte abgegeben oder verschenkt wurden.

Die nun verbliebenen 79 Objekte der Historischen Sammlung Mathematik wurden 2020 im Zuge des Universitätslehrganges "Library and Information Studies" an der Österreichischen Nationalbibliothek von den Autorinnen dieses Textes aufgearbeitet und erschlossen. Dabei wurden sie sechs Objektgruppen zugeordnet (Rechengeräte, Rechenmaschinen, Zeichengeräte, Messgeräte, mathematische Modelle und Varia), mit Inventarnummern versehen und im Depotraum der Fachbereichsbibliothek in Archivboxen eingelagert. Für weiterführende Recherchen, und um die Benützbarkeit der Sammlung zu vereinfachen, liegt vor Ort ein Ordner mit Datenblättern zu jedem Objekt auf.

Kern des Projektes war die digitale Erfassung der Bestände und die Erstellung eines Konzepts zur bestmöglichen Lagerung im Depotraum der Fachbereichsbibliothek Wirtschaftswissenschaften und Mathematik. Alle Sammlungsobjekte wurden digitalisiert und in das Langzeitrepositorium PHAIDRA eingespielt, wo sie nun online zugänglich  und recherchierbar sind. Dieses Objekt des Monats  ist ebenfalls darunter zu finden.

Polarplanimeter

Text und Fotos: Martina Frankl, Angelika Grass und Stephanie Loidl