Medaille zum 100-jährigen Jubiläum der Entdeckung der Röntgenstrahlen

Medaille zum 100-jährigen Jubiläum der Entdeckung der Röntgenstrahlen

Medaille, Wilhelm Conrad Röntgen, 100 Jahre Entdeckung der Röntgenstrahlen (1995)
Künstler: Peter Götz Güttler (*1939)
Vorderseite: Brustbild Wilhelm Conrad Röntgens, rechts die Darstellung einer Röntgen-Röhre mit davon ausgehenden Strahlen.
★ 1845 †1923 / WILHELM C. RÖNTGEN
Rückseite: Mann, hinter einem Röntgenschirm stehend, auf dem sein Brustkorb und die Wirbelsäule zu sehen sind.
1895 / RÖNTGENSTRAHLEN / ENTD. / ERSTER NOBELPREIS / FÜR PHYSIK 1901
Maße: 100 x 104 mm
Gewicht: 436,86 g
Silber
Inv.-Nr.: 24.242 (Zugang 2018)
Aus der Numismatischen Sammlung


Am 8. November 2020 jährt sich die Entdeckung der Röntgenstrahlung zum 125. Mal: Im Jahr 1895 machte der Physiker Wilhelm Conrad Röntgen (1845—1923) bei Experimenten im Physikalischen Institut der Universität Würzburg eine erstaunliche Beobachtung. Die Entdeckung der, wie er sie nannte, X-Strahlen war ein glücklicher Zufall, ohne den die moderne medizinische Diagnostik heute kaum vorstellbar wäre. Viele weitere Bereiche, wie etwa die Erforschung der Radioaktivität, wurden durch die Arbeiten Röntgens und die Entdeckung der heute nach ihm benannten Röntgenstrahlen maßgeblich beeinflusst.

Wilhelm Conrad Röntgen  kam 1845 als einziges Kind von Friedrich Conrad Röntgen, Kaufmann und Tuchhändler, und dessen Frau Charlotte Constanze (geb. Frowein) in Lennep (heute ein Stadtteil Remscheids) zur Welt. Die ersten Jahre nach der Geburt des Sohnes verbrachte die Familie in Lennep, bevor sie 1848 in die Niederlande zog. In Utrecht besuchte der jugendliche Röntgen die Technische Schule, von der er allerdings vorzeitig verwiesen wurde. Den Abschluss holte er nie nach. Dies sorgte kurzzeitig für Schwierigkeiten zu Beginn seines universitären Werdegangs, doch im Jahr 1865 konnte er schließlich als Gasthörer an der Universität Utrecht einige naturwissenschaftliche Fächer belegen. Ende desselben Jahres begann er sein Studium der Maschinenbaukunde in Zürich, wo er auch August Kundt  (1839—1894) kennenlernte, bei dem er Physik studierte und das Studium mit seiner Promotion 1869 abschloss. Dank Kundt führte Röntgens Weg 1870 auch nach Würzburg, wo er 1888 eine Stelle als ordentlicher Professor der Universität antrat und nur wenige Jahre später die Röntgenstrahlung entdecken sollte. Zunächst behielt Röntgen seine Beobachtungen für sich, teilte seine Erkenntnisse lediglich mit seiner Frau Anna. Doch Anfang Jänner 1896 machte er seine Entdeckung öffentlich, und am 5. Jänner berichtete "Die Presse" von den neuartigen Strahlen bereits als "große Sensation". Im Jahr 1901 wurde Röntgen bei der ersten Verleihung der Nobelpreise überhaupt für seine Entdeckung mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet.

Die Medaille zeigt das frontale Brustbild Wilhelm Conrad Röntgens mit Blick nach links und eine Röntgen-Röhre rechts neben ihm. Links sind senkrecht eingetieft der Name und die Lebensdaten Röntgens zu lesen: ★ 1845 †1923 / WILHELM C. RÖNTGEN. Auf der Rückseite ist ein Mann hinter einem Röntgenschirm abgebildet, sein Brustkorb und die Wirbelsäule werden durchleuchtet und sind auf dem Schirm zu sehen. Links und rechts der Darstellung wird auf die Entdeckung der Röntgenstrahlen und die Verleihung des Nobelpreises für Physik hingewiesen: 1895 / RÖNTGENSTRAHLEN / ENTD. / ERSTER NOBELPREIS / FÜR PHYSIK 1901.

Der deutsche Medailleur und Architekt Peter Götz Güttler  fertigte die Medaille im Jahr 1995 anlässlich des 100. Jahrestages der Entdeckung der Röntgenstrahlen. Güttler, geboren am 8. Juni 1939 in Greifswald, studierte von 1961 bis 1967 Architektur in Dresden und widmete sich bereits ab 1956 nebenberuflich der Malerei, Grafik und Plastik. Seit der Mitte der 1980er Jahre steht die Medaille  im Mittelpunkt seines künstlerischen Schaffens. Die hier gezeigte "Röntgen-Medaille" wurde nur in geringer Auflage hergestellt. Lediglich zehn Exemplare wurden aus Weißmetall angefertigt und ein einziges, nämlich das vorgestellte Objekt des Monats, aus Silber. Das Material wird durch die Punzierung AG 925 am unteren Rand der Medaille ersichtlich. Dabei steht AG für Silber (lat. Argentum) und die Zahl 925 für den Feingehalt (925/1000 Silber).

Die Medaille ist Teil einer Sammlung, die 2018 ans Institut für Numismatik und Geldgeschichte der Universität Wien gelangte. Die Radiologie Melk  hat im Namen von Dr.in Astrid Niedermayer den Ankauf ermöglicht. Alle 43 Objekte stehen in Bezug zu Wilhelm C. Röntgen. Viele der gesammelten Medaillen wurden im Jahr 1995 anlässlich des 100. Jahrestages der Entdeckung der Röntgenstrahlen gefertigt.

Im selben Jahr wurde auch Wilhelm C. Röntgens 150. Geburtstag gefeiert, was viele Künstler dazu inspirierte, ihm und seiner Entdeckung ein Werk zu widmen. Plaketten und Teilnehmer-Abzeichen verschiedenster Radiologenkongresse in Deutschland, Großbritannien, Italien und Polen zählen ebenso wie ein 10 DM-Stück und 1 Crown der Isle of Man, deren Münzbilder die Entdeckung der Röntgenstrahlen thematisieren, zum Bestand dieser vielfältigen Sammlung.

Seit 2013 wird die Sammlung des Instituts für Numismatik und Geldgeschichte im Rahmen einer Studienassistenz-Stelle sowie im Rahmen von Praktika schrittweise digitalisiert. Sobald die Bearbeitung der "Röntgen-Medaillen" abgeschlossen ist, werden auch diese online verfügbar sein. Aktuell können bereits über 1.700 numismatische Objekte in unserer Online-Datenbank  angesehen werden.

Quellen:

BEIER, Walter: Wilhelm Conrad Röntgen, 2. Aufl., Leipzig 1995. Exemplare im Bestand der UB Wien


BÖSING, Bernhard: Medicina in Nummis. In: Geldgeschichtliche Nachrichten 31, Heft 174, S. 196–197, Frankfurt a. M. 1996. Zeitschrift im Bestand der UB Wien, dieser Beitrag separat im Bestand der UB Wien

Die Kunstmedaille der Gegenwart in Deutschland 1993–1995, Mit Nachträgen seit 1988, Band 4, Deutsche Gesellschaft für Medaillenkunst in Verbindung mit den Staatlichen Museen zu Berlin, Münzkabinett, Berlin 1996, S. 107–113. Exemplar im Bestand der UB Wien

Eine sensationelle Entdeckung, in: "Die Presse", Wien, 5. Jänner 1896. Diese Ausgabe als PDF, dort S. 1-2.

GÜTTLER, Peter Götz [Verf.]; STEGUWEIT, Wolfgang [Hg.]; GRUND, Rainer [Hg.]: Güttler-Medaillen: Gegossene Sichten und Welten, Medaillen 1971–2011, Deutsche Gesellschaft für Medaillenkunst, Münzkabinett Dresden, Dresden 2012. Exemplar im Bestand der UB Wien

SCHARF, Rainer: Ausgezeichnete Physik, Der Nobelpreis und die Geschichte einer Wissenschaft, Regensburg 2012. Exemplare im Bestand der UB Wien

SCHÖNER, Erich; RÜCKER, Claudia: Radiologia in Nummis, Wilhelm Conrad Röntgen und Radiologie auf Medaillen, Würzburg 1998. Exemplar im Bestand der UB Wien

Text und Foto: Agnes Aspetsberger