Sammlung Nachlässe im Archiv des Instituts für Astrophysik

Die Sammlung der Nachlässe des Instituts für Astrophysik dokumentiert einen großen Teil der Geschichte der Wiener Astronomie. Die ältesten Archivbestände reichen ins 18. Jahrhundert zurück. Zu den für die Forschung wesentlichen Ereignissen dieser Zeit zählen die (sehr seltenen) Durchgänge der Venus vor der Sonne. Einen solchen Venusdurchgang beobachtete der erste Direktor der Wiener Universitätssternwarte, Maximilian Hell, 1769 im nordnorwegischen Vardø. Hells Expeditionstagebücher sind die ältesten handschriftlichen Dokumente unserer Sammlung.

Dem Beginn des 19. Jahrhunderts ist der zweitälteste Nachlass – jener von Tobias Bürg – einzuordnen. Bürg war kurze Zeit Direktor der Sternwarte, bis er von Johann Joseph von Littrow abgelöst wurde. Im Nachlass Bürg finden wir Dokumente und Briefe, die diese Epoche der astronomischen Forschung sehr gut charakterisieren. Bedeutend in diesem Schriftverkehr ist unter anderem der Briefwechsel zwischen Johann Joseph von Littrow und Tobias Bürg. An diesen Briefen zeigt sich, wie sich eine Freundschaft zwischen zwei verwandten Geistern durch Neid und verschiedene Auffassungen entzweit.

Johann Joseph von Littrow hinterließ der Sternwarte nicht allein den oben erwähnten Briefwechsel. Ein bislang unveröffentlichtes Manuskript zur Geschichte der Astronomie ist seine bedeutendste Hinterlassenschaft. Ergänzt wird dieses Manuskript durch eine Sammlung von über 600 Kurzbiographien, die nicht von Littrow alleine verfasst wurden, sondern unter Beteiligung von Rudolf Wolf und anderen Studenten oder Mitarbeitern. Eine Edition von Littrows „Geschichte der Astronomie“ ist für die nächste Zeit geplant.

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Der nächste bedeutende Nachlass ist jener von Hans Hörbiger, der zusammen mit Philipp Fauth der Urheber der Glacialkosmogonie (auch „Welteislehre“) war. Hörbigers verzweifelter Versuch, dem Professor und Direktor der Sternwarte, Edmund Weiss, seine Theorien näherzubringen, schlägt sich in zahlreichen Briefen und vor allem in einer über 200 Seiten langen Abhandlung der Theorie. Heute weiß man allerdings, dass die Theorien Hörbigers jeder Grundlage entbehren.

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Auch aus der Zeit des 2. Weltkrieges haben sich Dokumente erhalten, so zum Beispiel Schriftstücke des damaligen Sternwarte-Direktors Bruno Thüring, der Einsteins Relativitätstheorie in Frage stellte.

Die wichtigsten Teile der Nachlässe des Institutes für Astronomie werden derzeit im Rahmen eines Projektes der Universitätsbibliothek Wien digitalisiert, transkribiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

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