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Paul Martin Neurath (1911 - 2001)

von Anna Spitta

Der Soziologe und Statistiker Paul Martin Neurath wurde am 12.9.1911 in Wien als Sohn des Sozialwissenschaftlers und Philosophen Otto Neurath und der Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Anna Schapire-Neurath geboren.
Nach der Matura begann Neurath das Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien, das er 1937 mit dem Doktorat abschloss.
Im Jahr 1938 wurde Neurath verhaftet, als politischer Gefangener mit dem ersten Österreichertransport in das KZ Dachau gebracht und wenige Monate später nach Buchenwald verlegt. Nachdem 1939 seine Entlassung erwirkt werden konnte, emigrierte Neurath nach Schweden und 1941 weiter in die USA.
Noch im selben Jahr begann Neurath an der Columbia University in New York unter anderem bei Paul F. Lazarsfeld Soziologie und Statistik zu studieren. Bereits 1943 konnte Neurath nach Absolvierung aller erforderlichen Kurse seine Dissertation verteidigen. Das Doktoratsdiplom erhielt er aus formalen Gründen erst 1951.
Gleichzeitig zu seinen Studien war Paul Neurath als Mitarbeiter des von Lazarsfeld gegründeten Office of Radio Research, dem nachmaligen Bureau of Applied Social Research, sowie als Assistent seines Statistikprofessors W. S. Robinson tätig.
Nachdem Neurath die Universität beendet und anschließend als Statistiklehrer an der School of Business, City College of New York, gearbeitet hatte, unterrichtete er von 1946 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1977 am Queens College der City University of New York Soziologie und Statistik, eine zumindest in der Anfangszeit noch kaum übliche Kombination.
Die Forschungstätigkeit Paul M. Neuraths umfasst unter anderem Mathematische Statistik, Methoden, Techniken und Organisation der sozialwissenschaftlichen Forschung, Geschichte der Demographie, Weltprobleme, Regionale Umweltprobleme, Prognosemodelle, Bevölkerungspolitik und Demographie.
Zu seiner Lehrtätigkeit zählten auch Fulbright-Professuren am Tata-Institute of Social Science in Bombay (1955-1957), an der Universität Köln (1959-1960) sowie an der Universität Wien (1978-1979). Hier hatte Neurath bereits 1961 auf Einladung des Wiener Soziologieprofessors Leopold Rosenmayr begonnen, zunächst als Gast- und später als Honorarprofessor Statistik speziell für Soziologen zu unterrichten.
1980 begann Paul M. Neurath mithilfe des Wissenschaftsministeriums das Paul F. Lazarsfeld Archiv am Institut für Soziologie aufzubauen, dessen Leiter er bis zu seinem Tod in New York am 3.9.2001 blieb.

Neurath, der als Mittler statistischer Methoden zwischen den USA und Europa gelten kann, verfasste ein Lehrbuch der Statistik in deutscher Sprache sowie zahlreiche weitere Beiträge auf diesem Gebiet. Dadurch trug Neurath wesentlich zur Verbreitung quantitativer Methoden in den Sozialwissenschaften im deutschsprachigen Raum bei. Neuraths Bedeutung für die Entwicklung der Empirischen Sozialwissenschaften (in Österreich) liegt nicht zuletzt in seiner langjährigen Lehrtätigkeit, die sowohl Institutionen als auch zahlreiche StudentInnen beeinflusste, sowie in seinem Engagement für das Paul F. Lazarsfeld Archiv.

Literatur:
http://www.onb.ac.at/ariadne/vfb/bio_schapire.htm
Monika Kronberger, Paul Martin Neurath zwischen New York und Wien (Diplom-Arbeit, Wien 2008).
Paul Neurath, Wissenschaftliche Emigration und Remigration. In: Friedrich Stadler (Hg.), Vertriebene Vernunft I. Emigration und Exil österreichischer Wissenschaft 1939-1940 (Wien/München: Jugend und Volk 1987) 513-537.

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