Zoologische Wandtafel: Elektrische Organe der Fische

Zoologische Wandtafel: Elektrische Organe der Fische

Lehrtafel: "Vertebrata - Pisces - Organa electrica", um 1880
von Rudolf Leuckart (1822–1898)
Kolorierte Lithographie
Papier auf Leinwand, Holz
Maße: 140 x 104 cm
Aus der Wandtafelsammlung des Departments für Theoretische Biologie


Diese für den zoologischen Lehrbetrieb hergestellte Wandtafel wurde inhaltlich und grafisch von dem deutschen Zoologen und Tiefseeforscher Carl Chun (1852–1914) zusammengestellt. Es handelt sich dabei um die Tafel N°1 der Serie II zur Biologie der Wirbeltiere im Verlag von Theodor Fischer & Co, Cassel und Berlin. Gezeigt werden speziell die sogenannten Elektrischen Organe der Fische (Organa electrica) von Zitterrochen, Zitteraal, Zitterwels, Nilhecht (Mormyrus) und Nagelrochen (Raja clavata).

Elektrische Organe sind bei verschiedenen Gruppen innerhalb der Wirbeltiere (Vertebrata) ausgebildet, wobei es sich in diesem Falle um jene Organe handelt, die durch aktive physiologische Leistung elektrische Spannungen produzieren können und dem Beuteerwerb und der Verteidigung, aber auch der räumlichen Orientierung und Kommunikation im Wasserkörper dienen. Dabei können je nach Höhe der erreichbaren Spannung stark (max. 800V) und schwach elektrische (max. 1-4V) Fische unterschieden werden. Das elektrische Organ selbst ist aus kleinen Einheiten (Elektroplax) aufgebaut, die in Serie miteinander verschaltet und evolutionär aus Muskelzellen hervorgegangen sind. Anatomische Präparate, so wie in den Abbildungen 1, 2 und 3 dargestellt, befinden sich an der Zoologischen Sammlung der Universität Wien.

Die Tafel ist Teil einer umfangreichen Produktionsserie, die ursprünglich durch den deutschen Zoologen Rudolf Leuckart (1822–1898) begründet worden war. Nach seiner Promotion 1842 in Medizin an der Georg-August-Universität Göttingen und seiner viel beachteten Habilitation über ein neues System der wirbellosen Tiere, wurde Leuckart 1850 als ordentlicher Professor für Zoologie nach Gießen berufen. Sein Werk zeichnet sich besonders durch die intensiven (auch experimentellen) Studien über die Lebenszyklen menschlicher Parasiten (Trichinen, Leberegel, Bandwürmer etc.) aus. Durch diese Pionierarbeit zählt er gemeinsam mit Rudolf Virchow (1821–1902) zu den Begründern der Parasitologie und Proponenten der Einführung der allgemeinen Fleischbeschau.

Carl Chun promovierte 1875 bei Rudolf Leuckart in Medizin und arbeitete ab 1878 als Privatdozent an der Universität Leipzig. Weitere Stationen als Ordinarius waren die Universitäten Königsberg und Breslau, wobei er sich wissenschaftlich ausschließlich mit marin-zoologischen Fragen beschäftigte. - Er wird schließlich 1898 Initiator und Leiter der ersten deutschen Tiefsee-Expedition (Valvidia-Expedition) und zugleich ordentlicher Professor für Zoologie in Leipzig. Seine wissenschaftliche Biografie macht ihn dadurch zu einem der bedeutendsten Experten für Meeresbiologie seiner Zeit.

Text: Mag. Daniel Siderits, Foto: Foto Leutner