Bau-Journal der k.k. Universitätssternwarte Wien

Bau-Journal der k.k. Universitätssternwarte Wien

Bau-Journal der k.k. Universitätssternwarte Wien, 1874–78
Umschlag mit Baumwollstoff bespannter Karton, Papier, Tinte
108 Seiten
Maße: H 32 x B 26,5 cm
Vorl. Signatur: Astr.-BWST_Baujournal
Aus dem Archiv und der Nachlass-Sammlung des Instituts für Astrophysik


In den Jahren 1874–78 entstand auf der sogenannten "Türkenschanze", in der damals noch selbstständigen Gemeinde Währing, die neue Universitätssternwarte zu Wien. Das Gebäude mit einer Länge von 101 Meter und einer Breite von 73 Meter ist noch heute das größte geschlossene Sternwartegebäude der Welt. Als Vorlage für den repräsentativen Bau diente die ebenfalls kreuzförmig errichtete von Karl Friedrich Schinkel (1781–1841) entworfene Neue Sternwarte zu Berlin. Im Archiv des Instituts für Astrophysik sind fast die gesamten den Bau betreffenden Unterlagen erhalten geblieben. Darunter befindet sich auch das Bau-Journal, welches die wöchentlichen Fortschritte der Baustelle dokumentiert. Verantwortlich für die korrekte Dokumentation des Buches waren der ausführende Baumeister Ferdinand Oberwimmer (1836–1895) und Ministerialingenieur Eduard Jantsch (Lebensdaten unbekannt).

Die erste Sternwarte der Universität Wien befand sich an Stelle der heutigen Akademie der Wissenschaften im ersten Wiener Gemeindebezirk. Erschütterungen und Luftverschmutzung machten genaue astronomische Forschungen fast unmöglich. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts beschrieb der damalige Sternwartedirektor Joseph Johann von Littrow (1781–1840) den Zustand des vorhandenen astronomischen Turmes in seiner Publikation „Die Sternwarte der k.k. Universität in Wien“ aus dem Jahr 1828 für Beobachtungen und wissenschaftliche Arbeit als völlig ungeeignet. Doch erst seinem Sohn, Carl Ludwig von Littrow (1811–1877) sollte es gelingen, das Vorhaben einer neuen Sternwarte in die Tat umzusetzen. Da die neue Sternwarte nicht nur wissenschaftlichen, sondern auch repräsentativen Zwecken dienen sollte, wurde die Planung des Gebäudes den Theater- und Konzerthaus-Architekten Ferdinand Fellner (1847–1916) und Hermann Helmer (1849–1919) übertragen.

Im Juni 1874 konnte mit der Ausführung des Baus begonnen werden. Das Bau-Journal beginnt mit dem ersten Eintrag am 8. Juni 1874. Unter diesem Datum ist zu lesen: „Am 8. Juni fand eine kommissionelle Begehung des Bauplatzes statt und wurde hierbei bestimmt, zur genauen Orientierung der Sternwarte vier Steine auf hydraulischem Grundmauerwerk zu errichten, und zwar 5 Klaftern von den Endpunkten des Gebäudes entfernt, mit der Oberkante 2´.6´´ über dem natürlichen Terrain."

Am 19. Juli 1874 fand in Gegenwart der am Bau beteiligten Personen die Grundsteinlegung an der südlichen Kuppelmauer statt. Gegen Ende Dezember des Jahres 1874 mussten die Bauarbeiten wetterbedingt eingestellt werden und konnten erst am 19. April 1875 wiederaufgenommen werden. Oberwimmer und Jantsch notieren in ihrem Bericht: „Nach einem langen, strengen und schneereichen Winter wurden die Bauarbeiten am Montag, den 19. April wieder begonnen.“

Ferdinand Oberwimmer und Eduard Jantsch gewähren uns Woche für Woche Einblick in das Geschehen auf der Baustelle. Erwähnenswert sind auch Eintragungen über die am Bau Beschäftigten Personen. So lesen wir in der Woche vom 17.-22. April 1876: "Alle hiezu nöthigen Arbeithen wurden in Regie ausgeführt und zwar standen in Verwendung 3 Maurer und 2 Weiber je 1 Tag." Im Zuge der Renovierung des Sternwarte-Gebäudes im Laufe der letzten Jahre konnten die Unterlagen bereits wertvolle Hilfestellungen und Informationen zur Sanierung der großen Kuppel leisten. Zur Zeit werden die Unterlagen zum Bau der „Neuen Sternwarte auf der Türkenschanze“ digitalisiert und erschlossen.

Literatur & Quellen:

JANTSCH, Eduard: Hof- und Staats-Handbuch der Österreichisch-Ungarischen Monarchie: für das Jahr 1881 nach amtlichen Quellen zusammengestellt.
LITTROW, Joseph Johann: Die Sternwarte Der K. K. Universität In Wien, Wien 1828.
Die Helmer und Fellner-Story: die vergessenen Stars des europäischen Theaterbaus. Fernsehmitschnitt, ORF2, 01.11.2007. FB-Astronomie, AV-75.

Bau-Journal der k.k. Universitätssternwarte Wien

Text: Günter Bräuhofer | Scans: Archiv des Instituts für Astrophysik