Digitalisate

Hier finden Sie das E-Book des Monats aus dem digitalisierten Altbestand der FB Botanik, der über Phaidra zugänglich ist. Texte von Mag. Matthias Svojtka.




Eugen von Halácsy wurde am 11. November 1842 in Wien geboren, als sich seine Eltern, der Güterdirektor des Grafen Zichy-Vásonykeő Josef von Halácsy (1791-1854) und seine Gattin Anna Maria, geb. Stadler (1800-1880) gerade zufällig in der Stadt aufhielten. Nach Besuch des Gymnasiums in Székesfehérvár studierte Halácsy Medizin an der Universität Wien und promovierte hier 1865 zum Dr. med. Ab 1867 als praktischer Arzt in Wien tätig, war er auch als Hausarzt der Botaniker-Familie Kerner von Marilaun beschäftigt und übernahm 1896 den Posten eines Chefarztes der Allgemeinen Arbeiter-Unfallversicherungsgesellschaft in Wien. Im Juni 1867 hatte er Maria Fischer von Jerstadt (geb. Wien, 29.01.1846) geheiratet, eine der beiden gemeinsamen Töchter war die Wiener Komponistin und Geigerin Irma von Halácsy (1880-1953). Eugen von Halácsy bereiste Griechenland drei Mal in den Jahren 1888, 1893 und 1911, wobei er eifrig selbst Pflanzen sammelte. Daneben brachte er als Mitglied des Wiener Botanischen Tauschvereins auch auf Tauschbasis ein insgesamt riesiges Herbarium zustande, schon 1894 soll es 100.000 Bögen umfasst haben. Später bestand dieses Privatherbarium aus zwei Teilen, dem „Herbarium graecum“ (als Spezialherbarium des damaligen Griechenlands), und dem „Herbarium europaeum“ (für Pflanzen aus allen anderen europäischen Gebieten). Sein Hauptwerk, der hier im ersten Band präsentierte „Conspectus florae Graecae“ erschien 1901-1912 in drei Bänden und zwei Supplementen. Der digitalisierte und auf Phaidra präsentierte Satz ist insofern bemerkenswert, als er das „Handexemplar meines vielgeliebten unvergesslichen Mannes“ darstellt, wie Maria von Halácsy auf der Haupttitelseite notiert. Zudem enthalten die Bände als Marginalien Zahlen, die als Schlüssel zum „Herbarium graecum“ dienen, das im Herbarium der Universität Wien gesondert aufgestellt verwahrt wird. Auch das „Herbarium europaeum“ befindet sich heute im Besitz der Universität Wien, es wurde 1923 um den Inflationsbetrag von 1 Million Kronen von der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft erworben. Eugen von Halácsy starb am 16. Dezember 1913 in Wien VII, Döblergasse 1 an einer Erkrankung des Herzmuskels, am 18. Dezember wurde sein Leichnam zur Einäscherung nach Dresden überführt. Seine Gattin Maria starb am 1. Mai 1931 in Mauer bei Wien (Stafleu & Cowan 2272).

Georg August Pritzel, am 2. September 1815 in Carolath (Siedlisko, Polen) geboren, studierte Theologie und Botanik in Breslau und legte 1841 seine Dissertation „Anemonarum revisio“ vor, die seine einzige botanische Publikation bleiben sollte. Ab 1851 als Hilfsarbeiter in der königlichen Bibliothek in Berlin tätig, wurde er hier später zum Kustos befördert und fungierte auch als Archivar der Königlich-Preußischen Akademie der Wissenschaften. An einer Rückenmarkserkrankung zunehmend leidend, starb Pritzel am 14. Juni 1874 in Hornheim bei Kiel. Sein Lebenswerk bildet der ab 1851 erschienene „Thesaurus literaturae botanicae“, eine Fachbibliographie zur botanischen Literatur vom Altertum bis zum 19. Jahrhundert. Soweit der Bereich der Fakten, den wir nun zunehmend verlassen werden. 1845 vermählte sich der Zoologe und Geologe Ernst Gustav Zaddach (1817-1881) mit Johanna Isenbart, der Tochter eines in englischen Diensten stehenden Offiziers und Nichte des Professors für Botanik in Königsberg Ernst Heinrich Meyer (1791-1858). Zu diesem Anlass verfasste Pritzel sein hier vorgestelltes „Specimen bibliographiae botanicae“, eine scherzhaft-verfälschte botanische Bibliographie und zugleich bibliophile Rarität erster Klasse, nur neun Exemplare wurden im Freundeskreis verteilt. Der Witz liegt allerdings sehr versteckt im Detail, so wird beispielsweise die „Enumeratio plantarum horti Berolinensis continens destructionem omnium vegetabilium in horto dicto cultorum“ von Karl Ludwig Willdenow (1765-1812) zitiert, wörtlich: Aufzählung der Pflanzen des botanischen Gartens Berlin, enthaltend die Zerstörung aller im genannten Garten kultivierten Pflanzen. Interessant ist auch die Frage, ob das Werk tatsächlich in Wien bei Carl Gerold (1783-1854) gedruckt wurde, oder ob das Impressum ebenfalls fingiert ist. Die Fachbereichsbibliothek Botanik jedenfalls verdankt ihr Exemplar dem extrem bibliophilen Wiener Botanik-Professor Stephan Ladislaus Endlicher (1804-1849), der schon 1841 seine Privatbibliothek der Universität Wien vermacht hatte und international über beste Kontakte verfügte (Pritzel 7345).

Über den deutschen Botaniker und Chemiker in Lissabon Gabriel Grisley ist biographisch praktisch nichts bekannt. Nach eigenen Angaben brachte er fast 30 Jahre bei der botanischen Durchforschung Portugals zu. In Xabregas, einem Stadtteil Lissabons, gründete er in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts mit Unterstützung des Königshauses einen botanischen Garten und ein Herbarium. Diverse Medizinalpflanzen konnten so jederzeit lebend, oder anhand von konservierten Exemplaren studiert werden. Schon 1656 hatte Grisley ein Buch zur Medizin und Botanik veröffentlicht, 1661 folgte dann die hier präsentierte Erstausgabe des „Viridarium lusitanum“, einer namentlichen Auflistung aller damals bekannten portugiesischen Pflanzen. Historisch bedeutend und bibliophil ein „liber rarissimus“, ist ihr botanischer Wert allerdings beschränkt, da es sich um eine reine Liste prä-Linnéischer Namen ohne weitere Beschreibung der Pflanzenarten handelt. 1749 erschien in Verona eine weitere Auflage des Werkes, die portugiesische Ausgabe von 1789, besorgt durch Domenico Vandelli (1735-1816), enthielt dann zusätzlich die Linnéischen Namen (Pritzel 3602).

Carl Julius von Fritzsche wurde im sächsischen Neustadt am 29. Oktober 1808 als Sohn des Arztes Christian Ferdinand Fritzsche geboren und absolvierte eine pharmazeutische Ausbildung bei seinem Onkel Friedrich Adolph Struve (1781-1840). 1830 wurde Fritzsche Assistent im Laboratorium des Chemikers Eilhard Mitscherlich (1794-1863) und immatrikulierte 1831 an der Philosophischen Fakultät der Universität Berlin. Hier promovierte er am 10. August 1833 mit der hier präsentierten Schrift „De plantarum polline“ (Über den Pflanzenpollen) zum Dr. phil. Noch 1833 nahm Fritzsche das Angebot seines Onkels Struve an, in St. Petersburg die Leitung einer neu gegründeten Anstalt zur Herstellung künstlicher Mineralwässer zu übernehmen, und übersiedelte nach Russland. Am 24. August 1838 wählte ihn die Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg zum Adjunkten für Chemie, was eine zusätzliche fixe Bezahlung und deutliche Reputation bedeutete. 1870 verlieh man Fritzsche den russischen erblichen Adel. Von seinen 81 wissenschaftlichen Publikationen sind nur fünf botanischen Inhalts, die anderen behandeln rein chemische Themen. Für die Geschichte der Pollenkunde ist Fritzsche von wesentlicher Bedeutung, er erkannte den prinzipiellen Aufbau der Pollenwand und prägte die Begriffe „Exine“, „Intine“ und „Zwischenkörper“. Er starb am 20. Juni 1871 in Dresden (Pritzel 3127).

Daniel Matthias Niemecsky wurde am 13. Februar 1762 in Neustadt bei Saar (Nové Město na Moravě, Tschechien) als Sohn des Schulrektors Daniel Niemecsky geboren und widmete sich bis 1785 philosophischen Studien in Prag. Dann folgte ein Medizinstudium in Wien, wo er am 6. Dezember 1788 zum Dr. med. promovierte und 1793 als wirkliches Mitglied in die medizinische Fakultät aufgenommen wurde. Niemecsky wurde nun einer der gesuchtesten Ärzte der Monarchie, 1796 erhielt er von der Niederösterreichischen Landesregierung die Genehmigung, eine Pflanzenkur-Anstalt für arme Leute zu errichten, die sich bald großen Zulaufes erfreute. 1810 errichtete er in Brünn dann eine ähnliche Anstalt. Niemecsky arbeitete an Reformen des Medizinalwesens allgemein, an neuen Wegen der Medikamentenbeschaffung und der Pharmazie. Er experimentierte erfolgreich mit dem medizinischen Einsatz von Obst und Gemüsesorten. In der hier vorgestellten Schrift „Einleitung in die Pflanzenkur, nebst neuer Eintheilung des Pflanzenreichs“ lobte er den Frühling als die gesündeste Jahreszeit und pries die Verabreichung von frischen Frühlingskräutern gegen eine beeindruckende Zahl von Krankheiten und Wehwehchen. Daniel Niemecsky starb am 16. Juli 1824 in Brünn (Pritzel 6700).


Leopold Trattinick (auch: Trattinnick) wurde am 26. Mai 1764 in Klosterneuburg als Sohn des Grundbuchhalters des Stiftes Klosterneuburg Franz Leopold Trattinick (gest. 1795) geboren und studierte zunächst Rechtswissenschaften in Wien, wandte sich aber bald seiner Lieblingsdisziplin, der Botanik, zu. Über das Elternhaus vermögend, konnte er lange Zeit ohne definitiven Beruf seinen wissenschaftlichen Neigungen nachkommen. Er legte eine bedeutende Bibliothek und wertvolle Herbarien an. Die Herausgabe botanischer Publikationen erfolgte oft im Eigenverlag und auf eigene Kosten. 1806 erhielt Trattinick vom niederösterreichischen ständischen Kollegium den Titel eines „Landschaftsphytographen“, von 1808 bis 1835 wirkte er dann als Kustos an den vereinigten k. k. Naturalien-Cabineten (dem Vorgänger des heutigen Naturhistorischen Museums) in Wien. Neben fachbotanischen Arbeiten publizierte Trattinnick auch einige mehr populäre, ästhetisch-philosophische Schriften, zu denen auch die hier präsentierte, insgesamt seltene „Schule der blühenden Natur“ gehört. „Der Einfluß der physischen Welt auf die moralische, dieß geheimnisvolle Ineinanderwirken des Sinnlichen und Außersinnlichen gibt dem Naturstudium, wenn man es zu höheren Gesichtspunkten erhebt, einen eigenen, noch zu wenig gekannten Reiz“ hatte Alexander von Humboldt (1769-1859) in seinen „Ansichten der Natur“ geschrieben. Von solchen Gedanken geleitet verfasste wohl auch der 79jährige Trattinick sein Büchlein. Er starb sechs Jahre später am 14. Jänner 1849 in Wien.

Karl Friedrich von Sternheim wurde am 5. August 1818 in Schäßburg (Sighișoara, Rumänien) als ältester Sohn des Schäßburger Bürgermeisters Karl von Sternheim geboren. Er zeigte früh Interesse an den Naturwissenschaften und studierte folglich in Wien Medizin. 1846 promovierte er hier zum Doktor der Medizin und Chirurgie und erwarb das Diplom als Magister der Augenheilkunde und Geburtshilfe. Seine Dissertation mit dem etwas sperrigen lateinischen Originaltitel „Dissertatio inauguralis botanica exhibens floram succinctam M. Transsylvaniae Principatus, ex perscrutationibus Recentissimorum secundum genera plantarum cel. Dom. Prof. Endlicher in familias naturales redactam“ erschien in deutscher Sprache, die hier präsentierte Buchhandelsausgabe führte dann auch einen deutschen Titel. Sternheim wollte mit der Arbeit die Vegetation Siebenbürgens im Allgemeinen darstellen, dabei aber besonders seltene und bemerkenswerte Arten hervorheben und ergänzen, was seit dem Erscheinen der letzten Landesflora, der „Enumeratio stirpium magno Transsilvaniae principatui“ (1816) von Johann Christian Gottlob Baumgarten (1756-1843), an Pflanzenarten neu entdeckt worden war. Nach Abschluss seiner Studien reiste Sternheim durch Deutschland und ließ sich nach seiner Rückkehr als praktischer Arzt in Schäßburg nieder. Hier starb er in jungen Jahren am 24. Jänner 1850 an einer Infektion mit Spitalstyphus, die er sich bei unentgeltlichem ärztlichen Beistand von Kranken und Verwundeten zugezogen hatte (Pritzel 8960).


Paul Maria Partsch wurde am 11. Juni 1791 als Sohn des k.k. Lotto-Direktions-Sekretärs Josef Partsch geboren und studierte zunächst ab 1810 Rechtswissenschaften an der Universität Wien, wandte sich aber bald vermehrt den Naturwissenschaften zu und betrieb ab 1814 sowohl juridische und landwirtschaftliche, als auch botanische und mineralogische Studien in Stift Göttweig. Von 1816 bis 1824 wirkte Partsch als Volontär am k. k. Naturalien-Cabinet in Wien, 1824 erhielt er hier eine Stelle als Aufseher und wurde 1835 zum Kustos des k. k. Hof-Mineralien-Cabinets ernannt. Schon 1827 hatte er die Sammlung des Kabinetts nach dem naturhistorischen Mineral-System und unter Aufsicht des Friederich Mohs (1773-1839) neu geordnet und darüber 1828 eine übersichtliche Darstellung unter dem Titel „Das kaiserlich-königliche Hof-Mineralien-Cabinet in Wien“ im Verlag von J. G. Heubner publiziert. Nach der Ernennung zum Kustos begann Partsch mit einer kompletten Neuaufstellung der Sammlung, die nun auch Objekte des ehemaligen Brasilianischen Museums integrierte und 1842 vollendet werden konnte. 1843 erschien dann die hier präsentierte Übersicht zur Sammlung, die sich aus acht Teilsammlungen zusammensetzte: Neben der großen Mineraliensammlung im engeren Sinne („oryctognostische Sammlung“) fand sich eine Kristallmodell-Sammlung, eine terminologische Sammlung („Kennzeichen-Sammlung“), eine Sammlung von Mineralien und „Felsarten“ von technischem Interesse, eine allgemeine geologisch-paläontologische Sammlung, eine spezielle geologisch-paläontologische Sammlung von Niederösterreich, eine „Petrefacten-Sammlung“ (Fossilien im engeren Sinn) und schließlich die berühmte Meteoriten-Sammlung. Paul Partsch starb ledig am 3. Oktober 1856 in der Hofburg an „Gehirnlähmung“.


Josef Leopold Ferstl Edler von Förstenau wurde am 21. August 1820 in Wien als Sohn des Polizei-Oberkommissars Leopold Ferstl (1780-1867) und der Anna Ferstl (geb. Hofmeister) geboren und studierte Medizin in Wien. Dabei offenbar stark auf die Geowissenschaften konzentriert, promovierte er 1845 mit der Dissertation „De montibus circa Nikolsburg sitis“ zum Dr. med. Die hier präsentierte Buchhandelsausgabe der Dissertation mit deutscher Titelfassung „Geognostische Betrachtung der Nikolsburger Berge“ enthält die früheste Beschreibung der fossilen Fauna aus dem Ober-Jura Kalkstein der niederösterreichischen Klippenberge um Ernstbrunn. Ferstl war nun zunächst als praktischer Arzt in Wien tätig und zählte hier zum Freundeskreis des berühmten Geologen Franz Ritter von Hauer (1822-1899). Später war er zeitweise als Badearzt im mährischen Bad Luhatschowitz (Luhačovice, Tschechien) beschäftigt und betätigte sich dann in Wien als niedergelassener Erzeuger chemisch-pharmazeutischer Produkte. In dieser Sparte auch als Experimentator und Erfinder tätig, wurde ihm u.a. ein Privileg auf ein Verfahren „Schafwolle auf trockenem Wege zu entfetten und zu entschweißen“, sowie ein weiteres auf ein spezielles Verfahren der Gußstahl-Fabrikation eingeräumt. Josef Ferstl von Förstenau starb ledig am 22. Juni 1883 in seiner Wohnung in Wien III, Dißlergasse 10 an Bauchfellentzündung.


Giovanni Antonio Scopoli wurde am 13. Juni 1723 im damals noch zur Grafschaft Tirol gehörenden Cavalese (heute: Provinz Trient, Italien) als Sohn eines Juristen und Kriegskommissars geboren. Ein Medizinstudium an der Universität Innsbruck schloss er 1743 nach Vorlage der Schrift „Dissertatio de diaeta Litteratorum“ ab und praktizierte in Folge als Arzt in Cavalese, Trient und Venedig. Nebenbei widmete er sich intensiv dem Studium der Pflanzen und Insekten in seiner Tiroler Heimat. 1753 unterzog sich Scopoli bei Gerard van Swieten (1700-1772) an der Universität Wien der Physikatsprüfung, und promovierte am 26. März 1754 mit der wenig bekannten, hier vorgestellten Arbeit „Methodus plantarum“. Er teilte darin im Stile der künstlichen Systematik des Carl von Linné die Pflanzen nach Merkmalen der fertilen Blütenteile ein. Insgesamt ist die Schrift als eine der frühesten medizinisch-botanischen Dissertationen an der Universität Wien bemerkenswert. 1749 war die Lehrkanzel für Botanik und Chemie errichtet worden, ab 1754 begann man unter Robert-François Laugier (1722-1793) mit der Gestaltung des botanischen Gartens am Rennweg. Scopoli wirkte dann nach positiv abgelegter Prüfung 1754-1767 als Arzt in Idria (Krain, heute Slowenien), 1767-1776 als Professor für Mineralogie und Metallurgie in Schemnitz (Banská Štiavnica, Slowakei) und ab 1776 schließlich als Professor für Botanik und Chemie an der Universität Pavia. Hier starb Scopoli am 8. Mai 1788 (Pritzel 8552, Stafleu & Cowan 11545).


Heinrich Christian Funck wurde am 22. November 1771 in Wunsiedel (Fichtelgebirge, D.) geboren und machte eine Apothekerlehre in Regensburg, wo er durch den berühmten Botaniker David Heinrich Hoppe (1760-1846) mit Moosen vertraut gemacht wurde. Bevor Funck im Jahr 1803 die elterliche Apotheke in Gefrees (Oberfranken, D.) übernahm, war er in Salzburg, Erlangen und Jena ansässig. An allen Aufenthaltsorten bestand Funcks wesentlichste Arbeit im Sammeln von kryptogamen Pflanzen. 1801 begann er das Exsikkaten-Werk „Kryptogamische Gewächse, besonders des Fichtelgebirg’s“, das mit begleitendem Text bis 1838 in 42 Heften (mit insgesamt 825 Pflanzenarten) erschien. 1820 brachte er das hier präsentierte Werk „Deutschlands Moose“ heraus, ein - wie im Untertitel zu lesen ist - „Taschenherbarium zum Gebrauch auf botanischen Excursionen“. Bemerkenswert daran ist die Kombination von einem gedruckten Buch (VI, 70 S.) mit einem Exsikkaten-Werk, also herbarisierten, auf Papierkärtchen aufgezogenen Original-Pflanzen. Der Exsikkaten-Teil, hier als „Deutschlands Laub-Moose“ bezeichnet, soll laut Literatur 60 kleine Bögen mit 422 eingeklebten Moosen enthalten, umfasst aber sowohl im vorliegenden Exemplar, wie auch in jenem der Bibliothek am Botanischen Garten und Botanischen Museum der Freien Universität Berlin (dort als „Synopsis der bis jetzt bekannten deutschen Moose“ bezeichnet), nur 58 Blatt. Die serielle Anfertigung eines solchen Original-Herbars war „wahrlich ein mühsames Unternehmen“, wie Funck im November 1820 an Christian Gottfried Nees von Esenbeck (1776-1858) schreibt. Zeitgenössisch war das Werk eines der ganz wenigen Bücher zur Moos-Bestimmung. Einen Ruf als Professor für Botanik an die Universität Berlin lehnte Funck ab, weil er sich nicht entschließen konnte, das Fichtelgebirge zu verlassen. Er starb am 14. April 1839 in Gefrees (Pritzel 3157, Stafleu & Cowan 1918)


Michael von Kunitsch ist heute in erster Linie als Pädagoge und Verfasser topographischer Schriften bekannt. Am 25. September 1765 in Bán, Komitat Trencsén (Bánovce nad Bebravou, Slowakei) geboren, war er zunächst als Aktuar bei der Grundvermessung und Steuerregulierung in Nitra tätig, entdeckte dann aber seine Liebe zur Pädagogik und zum Unterrichtswesen. Kunitsch regulierte und organisierte in Fortsetzung der von Erzherzogin Maria Theresia begonnenen Verbesserungen des Schulwesens zunächst ab 1790 die Kreismusterschule in Bruck an der Mur, 1794 dann die Schule in Graz-Geidorf und zuletzt ab 1797 die k. k. Musternormalschule in Graz. Aus gesundheitlichen Gründen musste er jedoch die Leitung der Schule bald zurücklegen, er starb am 9. April 1835 in Karlstadt (Karlovac, Kroatien). Kunitsch ist allerdings auch als Biograph zu würdigen: Neben den „Biographien merkwürdiger Männer der österreichischen Monarchie“ (6 Bändchen, 1805-1812) verfasste er die umfangreichen Biographien des Physikers Leopold Gottlieb Biwald (1731-1805) und des Naturwissenschaftlers Franz Xaver von Wulfen (1728-1805). Die hier präsentierte, relativ seltene Wulfen-Biographie erschien 1810 in der Buchhandlung des Andreas Gaßler in Wien, sie ist Graf Sigismund von Hohenwart (1745-1825) gewidmet. Hohenwart war 1809-1825 Bischof von Linz, daneben auch ein eifriger Naturforscher und Naturaliensammler. Nach dem Tod seines Freundes Franz Xaver von Wulfen gingen dessen naturwissenschaftliche Sammlungen auf ihn über, heute befinden sich die Wulfen-Hohenwartschen Sammlungen am Joanneum in Graz.


Stephan Ladislaus Endlicher wurde am 24. Juni 1804 in Preßburg (Bratislava, Slowakei) als Sohn des Stadtarztes Ignaz Endlicher (1763-1838) und der Juliana Janisch (geb. 1772) geboren und am 25. Juni im Martinsdom getauft. 1823 trat er in das erzbischöfliche Seminar in Wien ein und widmete sich theologischen Studien. Quasi „nebenbei“ interessierte sich Endlicher auch für griechische und römische Klassiker, die chinesische Sprache und für Botanik. Er entwickelte sich zu einem Universalgenie von unglaublicher Produktivität. 1828 an der k. k. Hofbibliothek angestellt, wechselte er 1836 als Kustos an das Hofnaturalien-Kabinett und wurde am 25. Dezember 1839 als Nachfolger von Joseph Franz von Jacquin (1766-1839) zum Professor für Botanik und Direktor des Botanischen Gartens der Universität Wien ernannt. Am 5. April 1831 hatte er in Wien Isidora Cäcilie Müller von Nitterdorf (1810-1864) geheiratet. Endlicher erwarb die Bibliothek Jacquins um 3500 Gulden Conventionsmünze zunächst für seine Privatsammlung, schenkte dann allerdings seine gesamte Büchersammlung im Wert von 36.000 fl. CM der Bibliothek des Botanischen Museums, der heutigen Fachbereichsbibliothek Botanik. Interessanterweise befand sich die hier präsentierte kleine Schrift aus 1838 nicht unter diesen Büchern. Sie konnte im Jahr 2007 antiquarisch zur Ergänzung des Bestandes nachgekauft werden. Endlicher hält darin den Pollen für das weibliche Prinzip und postuliert, zusammen mit einigen anderen „Pollinisten“, wie Johann Horkel (1769-1846) und Matthias Jacob Schleiden (1804-1881), dass der Pflanzenembryo nicht im befruchteten Ei, sondern im Endbereich des Pollenschlauchs entstehe und von außen her in die Samenanlage eingeschleust werde. Dies wurde rund 10 Jahre später wiederlegt, bildet aber dennoch ein interessantes Kapitel in der Erkenntnisgeschichte der Entwicklungsbiologie der Pflanzen. Stephan Endlicher starb am 28. März 1849 im Alter von nur 44 Jahren in Landstraße 638, dem heutigen Rennweg 14, an „Gehirnlähmung“ (Pritzel 2698, Stafleu & Cowan 1680).


Arnold Dodel wurde am 16. Oktober 1843 in Affeltrangen (Kanton Thurgau, Schweiz) als Sohn des Bauern Johann Jacob Dodel und der Katharina Kreher geboren. Zunächst als Lehrer tätig, studierte er ab 1864 Naturwissenschaften an der Universität Genf, dem Polytechnikum in Zürich und an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. 1869 in Freiburg im Breisgau zum Dr. phil. promoviert, habilitierte er 1870 in Zürich zum Privatdozenten der Botanik. 1880 an der Universität Zürich zunächst zum außerordentlichen Professor ernannt, wirkte er dann von 1883 bis 1903 als ordentlicher Professor für spezielle und allgemeine Botanik. Am 15. September 1875 heiratete Arnold Dodel in Wien die um 13 Jahre jüngere Anna Maria Elisabeth (Carolina) Port (geb. am 14.05.1856 in Schweighofen bei Ludwigshafen am Rhein). Die Ehe blieb zwar kinderlos und wurde 1890 geschieden, ist jedoch für die Botanik und botanische Fachdidaktik von großer Relevanz: Zwischen 1878 und 1883 gaben Arnold und Carolina Dodel-Port (letztere als Illustratorin) in Lieferungen den „Anatomisch-physiologischen Atlas der Botanik“, bestehend aus 42 farblithographierten großformatigen Tafeln und dem hier präsentierten wissenschaftlich-erläuternden Text heraus. Die überragende Ästhetik der Tafeln wurde bereits zum Zeitpunkt des Erscheinens sehr gelobt, das Werk bildete in Folge lange einen Eckpfeiler des botanischen Unterrichts an Hoch- und Mittelschulen. Arnold Dodel-Port starb am 11. April 1908 in Zürich, über das weitere Lebensschicksal seiner geschiedenen Frau Carolina liegen derzeit keine Informationen vor.


Carl Magnus Hackenberger wurde am 29. Jänner 1816 in Prag als Sohn des bürgerlichen Büchsenmachers Anton Hackenberger geboren. Nach einem Pharmazie-Studium an der königlich ungarischen Universität in Pest erlangte er 1841 den Titel eines Magisters der Pharmazie. In seiner hier präsentierten akademischen Abschlussarbeit beschäftigte er sich einerseits mit Pflanzensäuren, wie u.a. der Oxalsäure, der Weinsäure und der Bernsteinsäure, andererseits aber auch mit Pflanzenbasen, die er in giftige und ungiftige Alkaloide einteilte. Nun zunächst als Apotheker in Rakonitz (Rakovník, Tschechien) tätig, unterrichtete Hackenberger später auch Chemie, Technologie und Naturgeschichte an der vom Prämonstratenser-Kloster Strahov in Prag geführten Ober-Realschule in Rakonitz. Naturwissenschaftlich vielfach interessiert, war er korrespondierendes Mitglied des naturhistorischen Vereins „Lotos“ in Prag und ab 1855 Korrespondent der Geologischen Reichsanstalt in Wien. Ab 1866 als Lehrer für Chemie und Naturgeschichte an der Oberrealschule in Böhmisch Leipa (Česká Lípa, Tschechien) tätig, verfasste er hier noch die interessanten Programm-Aufsätze „Naturhistorische Skizzen über die Pilze“ und „Die Zuckerrübe“. 1871 legte er schließlich ein „Lehrbuch der Haushaltungs-Kunde“ mit allerlei nützlichen Hinweisen vor. Hackenberger starb am 29. März 1884 in Böhmisch Leipa. Am Begräbnis des wegen seiner Herzensgüte allseits beliebten Mannes nahmen die gesamte Stadtvertretung, der vollzählige Lehrkörper der Realschule, viele Schüler und der Gesang- und Bogenschützenverein teil.


Franz Andreas Bauer wurde am 14. März 1758 im niederösterreichischen Feldsberg, heute Valtice (Tschechien), als Sohn des Galerieinspektors Lucas Baur geboren. Schon in jungen Jahren zusammen mit seinen Brüdern an botanischer Illustration interessiert, ging Bauer 1781 an die Akademie der bildenden Künste in Wien und war danach für den Botaniker Nikolaus Joseph von Jacquin (1727-1817) als Pflanzenillustrator tätig. 1788 reiste er mit dessen Sohn Joseph Franz von Jacquin (1766-1839) über Prag, Dresden, Berlin und Leiden nach London, wo er sich schließlich ab 1790 niederließ und in Folge für Sir Joseph Banks (1743-1820) als Illustrator tätig war. Von Banks, dem Präsidenten der Royal Society, mit einer hohen Leibrente ausgestattet, ließ sich Bauer in Kew bei London nieder und erschuf dort eine große Menge von Pflanzen-Aquarellen, von denen nur ein sehr kleiner Teil publiziert wurde. Die hier gezeigten „Illustrations of orchidaceous plants“ (Umschlagtitel: The genera and species of orchideous plants”) erschienen zwischen 1830 und 1838 in Lieferungen und beinhalten 35 meisterhafte, teilweise handkolorierte Illustrationen von Franz Bauer, den einleitenden Text verfasste der prominente englische Botaniker und „Vater der modernen Orchideenkunde“ John Lindley (1799-1865). Das Exemplar trägt am Umschlag die handschriftliche Widmung Bauers an Joseph Franz von Jacquin und ist noch wegen eines weiteren Details bemerkenswert: Bauer kennzeichnete einige Stellen des Einleitungstextes von Lindley mit den Bemerkungen „non sense“, „absurd!“ und „Trash“ (Seite XIII). Offenbar bestand zwischen Bauer und der Familie Jacquin immer noch ein gewisses Vertrauensverhältnis, das eine solche offene Kritik am Text zuließ. Franz Bauer starb am 11. Dezember 1840 in Kew (Pritzel 496, Stafleu & Cowan 365)


Mit 1545 als Gründungsjahr gilt der Botanische Garten in Padua als die weltweit älteste Institution dieser Art, die sich auch heute noch an ihrem ursprünglichen Ort befindet. 1997 wurde der Garten in die UNESCO Welterbe-Liste aufgenommen. Ein erstes Pflanzenverzeichnis des Gartens wurde schon 1642-1644 von Johannes Vesling (1598-1649) unter dem Titel „Catalogus plantarum horti gymnasii patavini“ herausgegeben. Der hier präsentierte Pflanzenkatalog erschien zwar erst 1812, zeigt aber eine Besonderheit solcher Pflanzen- und Samenverzeichnisse, wie sie weltweit von Botanischen Gärten verstärkt ab dem Ende des 18. Jahrhunderts herausgegeben wurden, besonders gut: Auf Seite 10 findet sich in einer umfangreichen Fußnote die wissenschaftlich gültige Beschreibung einer neuen Brillenschötchen-Art (Biscutella lucida). Die Pflanze stammte aus den Gebirgen nahe Bassano del Grappa und Vicenza in Venetien und wurde um 1810 im botanischen Garten Padua in Kultur genommen. Von dort erhielt der Turiner Botaniker Giovanni Battista Balbis (1765-1831) auch einige Pflanzen, die er teilweise herbarisiert weiter an Augustin-Pyrame de Candolle (1778-1841) in Montpellier sandte. De Candolle beschrieb nun die Art Biscutella lucida gültig im Jahr 1811 in einer Pariser Zeitschrift, mithin nur ein Jahr vor Giuseppe Antonio Bonato (1753-1836). Priorität als wissenschaftlicher Autor hat somit de Candolle, Bonato ging mit seiner Beschreibung quasi leer aus. Der vorliegende Katalog bildet aber ein schönes Beispiel sowohl für die internationale Vernetzung der Botanischen Gärten und Botaniker, wie auch für die Wichtigkeit von Gartenkatalogen für die systematische Botanik allgemein.


Andreas Pleniger (auch: Pleninger, Plenninger) wurde am 1. Dezember 1814 im böhmischen Kolinetz (Kolinec, Tschechien) als Sohn des Papierfabrikanten Antonín Pleniger und der Josepha Pleniger (geb. Wirrer) geboren. Er studierte Medizin in Wien und promovierte am 10. Juni 1841 zum Dr. med. Seine hier vorgestellte Dissertation, betreut von Stephan Ladislaus Endlicher (1804-1849) und dem obersten Justizpräsidenten Ludwig Taaffe (1791-1855) gewidmet, behandelte das damals noch relativ junge Forschungsgebiet der Pflanzenphysiologie. In der recht philosophischen Vorrede heißt es: „So kennt die Natur kein Sterben, keinen Tod, wo alles Leben aufhört; sie kennt aber auch kein Geborenwerden, wo das Leben erst beginnt; denn Sterben und Geborenwerden sind nur Wechsel der Formen, unter welchen das Leben, das Eine und Ewige auftritt“. Dies erinnert stark an das berühmte Goethe-Wort „Und so lang du das nicht hast, dieses: Stirb und werde! Bist Du nur ein trüber Gast auf der dunklen Erde“. In drei Kapiteln behandelte Pleniger dann die Elementarorgane der Pflanzen (im Sinne einer Pflanzenanatomie) und wie diese den pflanzlichen Organismus aufbauen, sowie die Ernährung der Pflanzen. Beruflich wandte er sich dann wieder der Medizin zu: Zunächst Operateur und ordinierender Sekundararzt im allgemeinen Krankenhaus, avancierte er später zum Hausarzt der k. k. Theresianischen Akademie in Wien. Mit zahlreichen Publikationen machte er sich vor allem um die wissenschaftliche Hydrotherapie verdient. Am 2. Mai 1860 heiratete Andreas Pleniger im Stephansdom Antonia Johanna Lipp (geb. 1839). Bereits sechs Jahre später verschied seine junge Frau an Lungenlähmung, er selbst starb im hohen Alter von 82 Jahren am 4. Dezember 1896 in seiner Wohnung am Heumarkt Nr. 23 in Wien (Pritzel 7205).


Karl Bartholomäus Heller wurde am 20. November 1824 in Mislibořitz (Myslibořice, Mähren) als Sohn von Johann Georg Heller (1791-1861) geboren. Sein Vater war zu dieser Zeit Obergärtner einer „Pflanzenschule“ beim Schloss des Grafen Taaffe, 1825 erhielt er aufgrund seines ausgezeichneten Rufes als Gärtner die Leitung der Gärten des Carl Alexander Freiherrn von Hügel (1796-1870) in Hietzing bei Wien. Später wurde er zum leitenden Gärtner der 1837 gegründeten k. k. Gartenbaugesellschaft ernannt. Seit Kindertagen naturwissenschaftlich interessiert, zählte Karl Bartholomäus schon früh zu den besten Entomologen Wiens und beschäftigte sich intensiv mit dem Studium von Reiseliteratur. Im August 1845 wurde er als offizieller „Reisender der k. k. Wiener Gartenbau-Gesellschaft“ nach Mittelamerika entsandt und erreichte Veracruz am 6. November 1845. Nach umfangreichen Erforschungen des Landesinneren dehnte Heller seinen Aktionsradius zunächst bis Yucatán, dann bis zu den südlichen mexikanischen Bundesstaaten Chiapas und Tabasco aus. Am 4. September 1848 kehrte er mit 50 Kisten botanischer und zoologischer Objekte (enthaltend etwa 6.000 lebende und 10.000 getrocknete Pflanzen, 2.000 Conchylien und viele hundert Insekten, Fische, Amphibien, Vögel und Säugetiere) nach Wien zurück. Hellers weitere Karriere verlief dann eher unspektakulär: Im Frühjahr 1851 als Supplent der Naturgeschichte am akademischen Gymnasium in Graz angestellt, wurde er nach abgelegter Lehramtsprüfung 1853 zum wirklichen Gymnasial-Professor ernannt und unterrichtete 1856-1858 am Gymnasium in Olmütz, 1858 bis 1880 dann am Wiener Theresianum. Heller starb am 14. Dezember 1880 in Wien. Sein Hauptwerk bilden zweifelsohne die 1853 in Leipzig publizierten „Reisen in Mexiko in den Jahren 1845-1848“, jedoch ist auch die hier präsentierte Programm-Schrift des Grazer Akademischen Gymnasiums über die Halbinsel Yucatán von großem historischen und naturwissenschaftlichen Interesse.


Über Louis Charrel ist biographisch nur relativ wenig bekannt. Geboren am 7. Juli 1839 in Belcaire (Département Aude, Frankreich) wirkte er zunächst als Lehrer am Lycée Saint-Charles in Marseille, 1874 wurde er zum Professor der Mathematik und Physik am Galatasaray-Gymnasium, einer Eliteschule in Istanbul, berufen. 1873 hatte er mit „Études philologiques sur la langue Turque“ ein sprachwissenschaftliches Werk vorgelegt, ferner wirkte er als Journalist und Herausgeber des „Levant Herald“ und betrieb botanische Studien. Ähnlich wie der Wiener Karl Eduard Hammerschmidt (1801-1874), später Abdullah Bey, nahm auch Charrel einen türkischen Namen an und nannte sich Abd-Ur Rahman Nadji. Im Gebiet des damals osmanischen Thessaloniki (heute Griechenland) hielt er sich längere Zeit auf und erforschte die Pflanzenvorkommen der Region. 1892 resultierte aus diesen Beobachtungen das heute äußerste seltene, hier vorgestellte Büchlein „Empire ottoman géographie botanique“. Charrel listete darin die im Bereich von Thessaloniki beobachteten Pflanzen auf, und beschrieb mit Hilfe von Theodor von Heldreich (1822-1902) und Eugen von Halácsy (1842-1913) auch einige neue Arten (wie beispielsweise Thalictrum crossaeum, Delphinium macedonicum und Digitalis nadji). Im Alter nach Frankreich zurückgekehrt, erforschte Charrel hier die Flora des Départements Var, publizierte 1912 dazu eine „Flore de la Provence centrale (Bouches-du-Rhône, Var, Vaucluse)“ und gründete 1915 die „Société de botanique, géologique et entomologique du Var et de la Corse“, der er bis zu seinem Tod als Präsident vorstand. Louis Charrel starb am 15. Oktober 1924 in Toulon (Département Var, Frankreich).


Franz Unger, am 30. November 1800 auf Gut Amthofen bei Schloßberg in Steiermark geboren, hatte Medizin studiert, und von 1835 bis 1849 Botanik und Zoologie am Joanneum in Graz unterrichtet. 1849 war er zum Professor für Botanik (Pflanzenanatomie und Pflanzenphysiologie) an der Universität Wien berufen worden. Schon 1841 bis 1847 war sein paläobotanisches Hauptwerk, die „Chloris protogaea“ erschienen. 1850 nun schickte sich Unger an, der Welt ein Bild von der Vorwelt zu machen. Zusammen mit dem Grazer Künstler Joseph Kuwasseg (1799-1859) erschuf er 14 Lithografien (im Format 45 x 31 cm) und den hier präsentierten erläuternden Textband von 40 Seiten zur „Urwelt in ihren verschiedenen Bildungsperioden“. Ausgegeben wurde das Werk, unterstützt von der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien, am 18. Dezember 1850. Diese stark paläobotanisch geprägten Rekonstruktionsversuche vorweltlicher Landschaften bilden, zusammen mit zwei „Guckkastenbildern“ von Leander Russ (1809-1864) für Kaiser Ferdinand I. von Österreich aus dem Jahr 1842, die ältesten österreichischen Darstellungen der Urwelt. Auch international erlangten sie rasch große Berühmtheit und wurden für populäre Bücher, wie Bernhard Cottas „Geologische Bilder“ (1852) und Rudolf Ludwigs „Das Buch der Geologie oder die Wunder der Erdrinde und der Urwelt“ (1855), kopiert. Der Projektionskünstler Paul Hoffmann (1829-1888) fertigte sogar eine Serie von Laternbildern an und tourte mit geologischen Vorstellungen durch Europa (Pritzel 9617, Stafleu & Cowan 15606).


„Unter allen Gärten Böhmens ist bestimmt der des Herrn Anton Freiherrn von Hochberg zu Hlubosch befindliche botanische Garten der reichhaltigste und an botanischen Schätzen der merkwürdigste“, schreibt Johann Emanuel Pohl (1782-1834), der sich später als Teilnehmer der österreichischen Brasilien-Expedition noch einen Namen machen wird, 1812 im Vorwort zu dem hier präsentierten Werk. Bereits 1808 hatte Pohl ein „Verzeichniss der im Garten des Freyherrn von Hochberg zu Hlubosch in Böhmen befindlichen Pflanzen“ im Umfang von 82 Seiten vorgelegt. Offenbar konnte der Hochberg-Garten hinsichtlich des Umfangs und der Exotik des Pflanzenbestandes leicht mit dem ab 1775 angelegten botanischen Garten der Universität Prag und dem – ebenfalls wissenschaftlich geführten – Garten des Josef Emanuel Graf Canal von Malabaila (1745-1826) mithalten. Ein wenig merkwürdig ist allerdings auch der Werdegang und das Schicksal dieser Anlage: In den 1770iger Jahren schlossen die Grafen von Hochberg und Hennersdorf die Güter Hlubosch und Pitschin zu einer Herrschaft Hlubosch (Hluboš, 7km nördlich von Příbram, Tschechien) zusammen, gestalteten das Schloss um und legten einen barocken Park mit Gewächshaus und Wasserspielen an. 1806 gründete Anton Freiherr Hochberg von Hennersdorf (geb. in Hluboš am 18.06.1762; gest. am 24.06.1831 in Wien) dann den eigentlichen botanischen Garten mit einem Gewächshaus und einem Treibhaus. Letzteres zeichnete sich besonders durch einen etwa 7 Meter hohen und 8 Meter breiten Felsen aus, von dessen Gipfel ein Wasserfall in ein Bassin mit Wasserpflanzen herabstürzte. An der Seitenwand des Felsen war das Idealbild eines Bergwerkes zu sehen, durch einen Schacht und Stollen gelangte man in das angrenzende Ananashaus. Die Anlage war offenbar derart berühmt, dass ihr Kaiser Franz I. am 4. Juli 1810 einen persönlichen Besuch abstattete. Die Exotik hatte allerdings auch ihren Preis, der bald nicht mehr zu stemmen war: Anton von Hochberg ließ (mit kaiserlicher Bewilligung) die gesamte hochverschuldete Herrschaft Hlubosch am 30. November 1816 in einer Lotterie ausspielen. Das große Los zog ein Wiener Hofsattler, der sie umgehend an Otto Victor I. von Schönburg-Waldenburg (1785-1859) verkaufte. Ab dann verlieren sich auch die Nachrichten über den botanischen Garten (Pritzel 7230, Stafleu & Cowan 8102).


August Karl Joseph Corda, am 22. Oktober 1809 im böhmischen Reichenberg (Liberec, Tschechien) geboren, betätigte sich zunächst als Handlungslehrling, entdeckte aber zunehmend seine Liebe zu den Naturwissenschaften. Besonders interessierten ihn mikroskopische Studien an kryptogamen Pflanzen und Pilzen. Im Alter von knapp 20 Jahren legte er seine ersten naturwissenschaftlichen Abhandlungen vor: Einerseits einen „Versuch einer analytischen Naturkunde“, andererseits die hier präsentierten „Genera Hepaticarum, die Gattungen der Lebermoose“. Das Publikationsmedium, in dem diese beiden Arbeiten erschienen, verdient wegen seiner ganz außerordentlichen Seltenheit eine eigene kurze Betrachtung: Am 6. Jänner 1819 hatte Philipp Maximilian Opiz (1787-1858) in Böhmen die weltweit erste botanische Tauschanstalt gegründet. Ziel der Unternehmung war es, gut determinierte und herbarisierte Pflanzen aus verschiedenen geographischen Regionen in mehrfachen Exemplaren in Umlauf zu bringen, damit alle Mitglieder der Tauschanstalt, die gleichzeitig auch Mitarbeiter und Zulieferer waren, ein möglichst vollständiges und geographisch weit gestreutes Herbarium zustande bringen konnten. Begleitend dazu erschienen ab 1823 gedruckte Pflanzenverzeichnisse unter dem Titel „Naturalientausch“. Mit der Zeit enthielt der Naturalientausch auch immer mehr botanische Erstbeschreibungen und längere wissenschaftliche Artikel. Die Nummer 12 dieses Periodikums, eine bibliophile und wissenschaftliche Rarität ersten Ranges, erschien von 1828 bis 1830 (Titelseite von 1828) mit dem besonderen Titel „Beiträge zur Naturgeschichte, als Fortsetzung des Naturalientausches“ in Kommission bei Carl Wilhelm Enders in Prag, im Umfang von 16 Druckbögen in Oktav (S. 547-722). Hier publizierte der junge Corda auch seine beiden ersten wissenschaftlichen Arbeiten. Die Abhandlung über die Lebermoose, nach dem Vorwort mit September 1829 zu datieren, wird hier in Form eines Sonderabdruckes (S. 643-655) gezeigt. Sie hat heute immer noch wissenschaftliche Gültigkeit und wird entsprechend in einschlägigen Arbeiten zitiert (Pritzel 1867, Stafleu & Cowan 1221).


Philipp Franz Balthasar von Siebold wurde am 17. Februar 1796 in Würzburg als Sohn einer damals schon bemerkenswerten Familie geboren: Sein Großvater Carl Caspar von Siebold (1736-1807) gilt als Begründer der modernen Chirurgie, sein leider früh verstorbener Vater Johann Georg von Siebold (1767-1798) war der erste Physiologe Würzburgs. Die naturwissenschaftlich-medizinische Familientradition sollte in Philipp Franz eine überaus würdige Fortsetzung erfahren. Nach der Promotion zum Doktor der Medizin 1820 wirkte er kurzzeitig als praktischer Arzt, wurde jedoch schon 1822 als Stabsarzt der Niederlande in die ostindischen Kolonien geschickt. Von dort aus konnte sich Siebold von 1823 bis 1830 im damals isolierten Japan aufhalten, das offiziell nur von Niederländern als einzigen Vertretern des Westens betreten werden durfte. Auch später, von 1859 bis 1862, hielt er sich in Japan auf und wurde damit zu einem der wichtigsten Zeugen der späten Edo-Zeit. Siebold gilt als Begründer der internationalen Japan-Forschung, sein ältester Sohn Alexander (1846-1911) sollte einer der Mitbegründer des Roten Kreuzes in Japan werden, der jüngere Sohn Heinrich (1852-1908) gilt als Wegbereiter der neuzeitlichen Archäologie in Japan. Die hier vorgestellte „Flora japonica“ erschien in zwei Bänden (insgesamt 30 Teile) zwischen 1835 und 1870, in Zusammenarbeit mit Joseph Gerhard Zuccarini (1797-1848) und Friedrich Anton Miquel (1811-1871). Mit insgesamt 150 Abbildungstafeln ist auch sie ein imposanter Meilenstein der Wissenschaften Japans (Pritzel 8674, Stafleu & Cowan 11949).


Carl Albert Hugo Fischer wurde am 12. April 1865 als Sohn eines Konditors geboren, erhielt zunächst Privatunterricht und wechselte 1875 an das Gymnasium zu St. Maria Magdalena in Breslau. Nach Ablegung der Reifeprüfung 1883 studierte er zunächst drei Semester Naturwissenschaften an der Universität Breslau, dann vier Semester in Halle an der Saale und ab 1886 wieder in Breslau. Hier promovierte er im Juli 1890 zum Dr. phil. Zunächst am Botanischen Institut der Universität Tübingen als Assistent tätig, wechselte er 1896 in gleicher Stellung an die Universität Heidelberg und habilitierte sich 1899 in Bonn als Privatdozent für Botanik. 1905 bis 1911 als Vorsteher der bakteriologischen Abteilung der agrikulturchemischen Versuchsstation in Berlin tätig, befasste sich Fischer auch später mit Fragen der Bakteriologie und Kohlensäuredüngung von Pflanzen. Er starb am 18. Oktober 1939 in Achim (Landkreis Verden). In seiner hier präsentierten Dissertation aus dem Jahr 1890 untersuchte Fischer systematisch den Pollen von 2214 Pflanzenarten und widmete sich einerseits der Bildung der Pollenwand, andererseits der Frage, inwieweit miteinander verwandte Pflanzen-Sippen auch hinsichtlich der Pollen-Struktur übereinstimmen. Die Arbeit ist auch heute noch von grundlegender Bedeutung für die Palynologie (Stafleu & Cowan 34626).


Friedrich Ludwig List wurde 1779 in Großengottern (Thüringen, Deutschland) geboren und besuchte 1794-1799 die lateinische Schule des Waisenhauses in Halle. In weiterer Folge studierte er in Halle Theologie und Philologie und unterrichtete 1802 bis 1811 als Oberlehrer an der lateinischen Schule. Im September 1811 zum Lehrer an der Königlichen Provinzial-Schule in Tilsit (damals ostpreußisch, heute das russische Sowetsk an der Grenze zu Litauen) ernannt, unterrichtete er hier bis zu seiner Pensionierung im April 1843. List war an dieser Schule, dem späteren Gymnasium Tilsit, der einzige Religionslehrer und erteilte den „Religionsunterricht in allen Klassen mit Wärme und Innigkeit“. Daneben unterrichtete er auch alte Sprachen, Zeichnen und Malen, sowie Naturgeschichte (Mineralogie, Zoologie und Botanik). Persönlich besonders an der Botanik interessiert, brachte er es in diesem Fach zu einiger Bedeutung. Im hier präsentierten Werk, verlegt vom Gymnasium Tilsit im Jahr 1828, gab List eine „Blütenlese“ einiger für die Flora von Litauen damals neuer Pflanzenarten. Als Programmschrift des Gymnasiums für das Schuljahr 1835/36 verfasste er später eine ähnliche Arbeit und besprach darin auch verschiedene kritische Weiden-Arten aus der Umgebung von Tilsit (Pritzel 5542, Stafleu & Cowan 4872 partim).


Der hier vorgestellte zweite Band über zeitgenössisch seltene oder wenig bekannte Pflanzenarten erschien erst 1844, mithin fünf Jahre nach dem Tod des im Titel genannten Autors Joseph Franz von Jacquin (1766-1839). Dieser war von 1797 bis 1839 Professor für Botanik an der Universität Wien gewesen und hatte den Botanischen Garten als dritter Direktor seit der Gründung 1754 geleitet. Der erste Band des großformatigen Werks war bereits 1811-1816 in zehn Lieferungen erschienen, die Herausgabe des zweiten Bandes besorgte dann Jacquins Tochter Isabella von Jacquin (1794-1857) gemeinsam mit dem jungen Botaniker Eduard Fenzl (1808-1879). Auch Isabella von Jacquin war mit der Biologie vertraut und im Feld der Wiener Naturwissenschaften gut vernetzt: Am 6. April 1794 in der Wiener Innenstadt (Bäckerstraße No. 792) geboren, hatte sie am 10. September 1810 Karl Franz Anton Ritter von Schreibers (1775-1852), seit 1806 Leiter der Vereinigten k. k. Naturalien-Cabinete in Wien, geheiratet. Sie starb am 26. Juli 1857 in Hietzing bei Wien. Eduard Fenzl wiederum wurde 1849 als Nachfolger von Stephan Endlicher (1804-1849) Professor für Botanik in Wien. So bildet der hier präsentierte Band auch ein treffendes Beispiel für naturwissenschaftliche Netzwerke im biedermeierlichen Wien (Pritzel 4355, Stafleu & Cowan 3236).


Johann Michael Zeyher wurde am 26. November 1770 in Oberzenn (Mittelfranken, Deutschland) als Sohn eines Hofgärtners geboren und schlug ebenfalls die Gärtnerlaufbahn ein. Zunächst als Volontär beim Hofgärtner Johann Michael Schweyckert (1754-1806) in Karlsruhe tätig, vermittelte man ihm später eine Gärtnerstelle in Basel. Hier heiratete er eine Tochter des Basler Stadtgärtners und avancierte zum Hofgärtner im Palais von Markgraf Karl Friedrich von Baden (1728-1811). 1804 schließlich ernannte Karl Friedrich, mittlerweile Kurfürst des Heiligen Römischen Reiches, Zeyher als Nachfolger von Friedrich Ludwig Sckell (1750-1823) zum Hofgärtner in Schwetzingen (Baden-Württemberg, Deutschland). Schon 1806 zum Gartendirektor ernannt, legte Zeyher 1819 das hier präsentierte, 207 Seiten umfassende Pflanzenverzeichnis des Gartens vor. Fachwissenschaftlich sind einige eingerückte Diagnosen neuer Arten interessant, wie es auch in vielen Samenkatalogen gehandhabt wurde. Zeyher, 1825 zum Ritter des Ordens vom Zähringer Löwen und 1826 zum Großherzoglichen Geheimen Hofrat ernannt, starb am 23. April 1843 in Schwetzingen (Pritzel 10486, Stafleu & Cowan 18663).


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