Helm unbekannter Herkunft

Helm unbekannter Herkunft

Helm, Herkunft und Sammler unbekannt
Metall
Maße: L: 31,5 cm, B: 23,5 cm, H: 13 cm
Gewicht: 1,22 kg
Inv.-Nr.: Inc. 206
Aus der Ethnographischen Sammlung des Instituts für Kultur- und Sozialanthropologie


Manche Objekte machen es einem nicht leicht. Sie sind Teil einer Sammlung, sind präsent, haben vielleicht auch eine Art „Aura“ oder Strahlkraft, wirken möglicherweise auch mehr „da“ als andere auffällige, außergewöhnliche Objekte. Und doch sperren sie sich. Erzählen ihre Geschichte nicht oder öffnen sich nur schwer für andere Geschichten. Es gibt „Luft nach oben“ für diese Objekte. So ein Objekt ist „Incerta 206“ – ein Metallhelm, der Teil unserer Ethnographischen Sammlung des Instituts für Kultur- und Sozialanthropologie geworden ist. Er ist ein unbekanntes Objekt, Bestandteil unserer „Incerta“-Abteilung, die nur Fälle wie diese beinhaltet. Da liegt er in seinem Fach in einem der Depots, im fünfzehnten Regal, im sechsten Fachboden von oben. Wer hat ihn gesammelt? Wer hat ihn in unsere Sammlung gebracht? Und warum? Was war das Ziel dabei?

Schwer ist er: 1,2 kg. Hat er einem Menschen auf den Kopf gedrückt oder war er nur Schmuck? Wie musste sich ein Helm dieser Machart bei einem Marsch oder einem Kampf angefühlt haben? Hat er wirklich geschützt oder wurde er nur zu offiziellen Anlässen getragen? Wenn er schützen sollte: Gegen was oder gegen wen? Ist er ein Unikat oder ein Massenfabrikat? Es sind viele Fragen, die sich stellen. Er ist 31,5 cm lang und 23,5 cm breit. Konnte er damit einen durchschnittlichen Männer- oder Frauenkopf schmücken? Für durchschnittliche Frauen bräuchte er also einen Umfang von 54–56 cm, für Männer von 58–60 cm. Helfen diese Informationen? Ein wenig.

Man kann so ein Objekt auch weiter typologisieren und kategorisieren: Kopfgrößen vergleichen, das Metall oder etwaige Bruchstellen analysieren, die Helmform untersuchen etc. Erste Fragen lassen sich vielleicht schon beantworten. In diesem Fall eher kaum. Die Ergebnisse waren bisher wenig ergiebig. Mit Hilfe von Findbüchern, Sammlungs- bzw. Personalakten und anderen Hilfsmitteln kann man sich bemühen, den Sammlungszeitraum einzugrenzen. Wenn man Glück hat, findet man dadurch einiges über den Sammlungskontext heraus. Man kommt dem Objekt und seiner Geschichte näher. Und dann? Vielleicht erst mal nichts. Wie in diesem Fall. Der Kontext hat bisher kaum Informationen geliefert. Vielleicht finden wir nach einiger Zeit jedoch mehr heraus, wenn wir die Objekte aus dem gleichen Verzeichniszeitraum untersuchen und mehr über diese erfahren. Es sind oft kleine Schritte, wie bei diesem Helm.

Viele Informationen über den Helm bleiben wahrscheinlich lange Zeit im Dunkeln, verbleiben mit „Luft nach oben“. Und doch gibt es Fragen, die nach und nach genauer beantwortet werden können: Die Zusammengehörigkeit zu anderen Objekten oder Sammlungsteilen, die erste Eintragung in ein Findbuch oder einen Akt. Akten über Besuche am Institut oder den MitarbeiterInnenstand, besondere Ereignisse. Vielleicht erschließen sich so nach und nach auch die Ziele der möglichen SammlerInnen. Das ist ein Anfang und ein Ausgangspunkt für weitere Recherchen. Mit Glück und Geduld kommen weitere Ergebnisse. „Incerta 206“ wird möglicherweise nie alle seine Geheimnisse preisgeben. Irgendwann schließlich ist es möglich, das Objekt „Incerta 206“ ein weiteres Stück weit, zum Sprechen zu bringen. Irgendwann wird es hoffentlich seine Geschichte erzählen – und damit auch über die Menschen dahinter.

Nachtrag: Soeben sind neue Spuren aufgetaucht. Es gibt Parallelen zu Helmen aus der japanischen Momoyama-Periode"  (bis ca. 1600). Ob diese Spuren zum Ziel führen? Einen Schritt sind wir in unserer Spurensuche und einer möglichen Lösung jedenfalls nähergekommen.

Ausstellungshinweis:

Der Helm ist neben weiteren Objekten aus den Sammlungen der Universität Wien als Leihgabe in der diesjährigen Ausstellung auf der Schallaburg zu sehen. Der Titel der Ausstellung lautet "Sehnsucht Ferne. Aufbruch in neue Welten".
Ab 3. Mai wird die Ausstellung wieder geöffnet sein; Ausstellungsende ist der 7. November 2021.

Literatur:

SEHNSUCHT FERNE – Aufbruch in neue Welten. Schallaburg Kulturbetriebsges.m.b.H., Schallaburg 2021. Ausstellungskatalog zur gleichnamigen Ausstellung auf der Schallaburg 20. März – 7. November 2021.

EBERHARD, Igor: Geheimnis. Ein Helm mit Luft nach oben. In: SEHNSUCHT FERNE – Aufbruch in neue Welten. Hrsg. v. Schallaburg Kulturbetriebsges.m.b.H., Schallaburg 2021, S. 124f.

Helm unbekannter Herkunft

Text: Mag. Dr. Igor Eberhard, Foto: Christoph Fuchs, Ausstellungsfoto: Robert Pichler