Passiflora spp.
Pflanzenfamilie: Passionsblumengewächse (Passifloraceae)
Aus dem Botanischen Garten der Universität Wien
Standort: Tropenhaus
Im Tropenhaus des Botanischen Gartens reifen gerade Maracujas. Unter diesem Namen kennt man hierzulande die Früchte verschiedener Passiflora-Arten. Ein Großteil der mehr als 500 Passionsblumen-Arten wachsen im tropischen und subtropischen Südamerika. Viele davon sind Kletterpflanzen, die sich an Bäumen zum Sonnenlicht emporranken. Einige Arten wachsen allerdings auch als Kleinbäume. Essbare Früchte besitzen sowohl wildwachsende Passiflora-Arten als auch eigens dafür kultivierte Vertreter. Unreife Früchte sind in der Regel grün, mit der Fruchtreife verfärben sie sich gelb, orange oder tiefrot. Die Früchte werden roh verzehrt oder zu Saft verarbeitet.
Nicht nur die Früchte sind bei Menschen begehrt, auch die großen, farbenprächtigen Blüten sorgen für Aufmerksamkeit. Der Name „Passionsblume“ bezieht sich auf die Passion Christi, sollen doch die Blütenorgane auf die blutige Dornenkrone (bunter Nektarienkranz), die fünf Wunden Christi (Staubblätter) und die drei Kreuznägel (Griffel) verweisen. Unabhängig von dieser religiösen Interpretation sind die Blüten ob ihrer Attraktivität als Zierpflanzen beliebt. Mittlerweile gibt es viele Züchtungen auch für mitteleuropäische Gärten. Meist sind die tropischen Gewächse allerdings nicht winterhart – sie vertragen keinen Frost.
Bemerkenswert sind auch die Blätter vieler Passionsblumen. Sie enthalten in der Regel giftige Glykoside und Alkaloide, die als Abwehrstoffe gegen Insekten dienen. Diverse Schmetterlingsraupen haben sich dennoch auf den Verzehr von Passionsblumenblätter spezialisiert, etwa die Gruppe der Helikonius-Falter (auch als Passionsblumen-Falter bekannt). Die Falter legen die Eier bevorzugt auf den Blättern von Passionsblumen ab. Allerdings nur, wenn dort noch keine anderen Gelege vorhanden sind. Schlüpft die erste Schmetterlingsraupe aus dem Ei, frisst sie nämlich in der Regel die anderen Eier auf, bevor sie beginnt, das Blatt zu verspeisen.
Im Laufe der Evolution sind nun immer wieder Passiflora-Arten mit einer Blattmusterung aus hellen Noppen entstanden, die das Vorhandensein von Eiern vortäuschen. Somit legen weniger Falter ihre Eier auf diesen Blättern ab. Darüber hinaus ändern viele Passiflora-Arten auch ihre Blattform, wodurch sie für Falter schwerer auffindbar werden. Diese Anpassungen haben im Zuge eines evolutionären Wettrennens zwischen Pflanzen und Faltern zu einer unglaublich großen Vielfalt an Blattformen bei den Passionsblumengewächsen geführt, ebenso wie die Falter, die neue Anpassungen entwickelt haben, um die Abwehr- und Täuschungsmechanismen der Passionsblumen zu umgehen.
Text: David Bröderbauer | Fotos: Zsuzsanna Buda (oben) und (c) Botanischer Garten (unten)