Archivbox aus der „Separatasammlung Strzygowski“ mit der historischen Signaturengruppe: Alter.Orient.Ägypten
Darin zuoberst:
Schmitz, Alfred Ludwig: Die Welt der ägyptischen Einsiedler und Mönche. Auf Grund der archäologischen Befunde.
Rom, Freiburg, Wien: Herder [1929]. Sonderdruck aus: Römische Quartalschrift, 3–4 (1929).
Signatur neu: S2641/Ägypten
Aus der Fachbibliothek Kunstgeschichte
In der Fachbibliothek Kunstgeschichte der UB Wien werden derzeit Sonderdrucke (Separata) und Archivalien des Wiener Kunsthistorikers Josef Strzygowski (1862–1941) katalogisiert und ausgewertet, um sie für die Forschung zugänglich zu machen. Sonderdrucke dienten im prädigitalen Zeitalter der Verbreitung eigener Forschungsergebnisse. Da sie häufig noch vor der Zeitschrift oder dem Sammelband selbst erschienen, fungierten sie als schnelles Kommunikationsmittel zwischen Autor*innen und ihren Adressat*innen. Die Anzahl der Sonderdrucke, die die Autor*innen erhielten, variierte stark in Raum und Zeit. Allerdings ist belegt, dass Autor*innen diese wiederholt nachträglich bei den Verlagen bestellten (vgl. Fyfe 2018). Ungefähr 1.500 Sonderdrucke sowie etwa 500 Monografien und Zeitschriften bilden den Teilnachlass, mit dem sich ein Team im Rahmen des FWF-Projekts Persica Centropa: Cosmopolitan Artefacts and Artifices in the Age of Crises, 1900–1950 unter der Leitung von Dr. Yuka Kadoi beschäftigt.
Josef Strzygowski, 1862 im heutigen Polen geboren, galt zu seinen Lebzeiten als umstrittener Kunsthistoriker, der für seine unkonventionellen Ansichten zu den Ursprüngen der europäischen Kunst bekannt war. Anstatt diese in Rom zu verorten, richtete er den Blick auf den Nahen Osten und setzte seine Forschungen schließlich in Armenien fort (vgl. Zaloscer 2004, S. 285). Seine produktivste Schaffensphase fiel in die Zeit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. So war er von 1892 bis 1909 der erste Ordinarius des Instituts für Kunstgeschichte der Universität Graz und wurde dann an die Universität Wien berufen, wo er einen der beiden Lehrstühle für Kunstgeschichte übernahm. Aufgrund persönlicher und beruflicher Spannungen zwischen seinem Lehrstuhl und dem mit dem Institut für Österreichische Geschichtsforschung verbundenen Lehrstuhl verlegte Strzygowski 1913 seinen an einen anderen Standort und benannte ihn in "I. Kunsthistorisches Institut" um. In den späten 1920er- und 1930er-Jahren näherte sich Strzygowski zunehmend dem sogenannten „Nordmythos“ und schließlich der nationalsozialistischen Ideologie an, wie die Kunsthistorikerin und seine ehemalige Studentin Hilde Zaloscer hervorhob. Strzygowski starb 1941 in Wien (Plontke-Lüning 2010, S. 434).
Über die Provenienz des Nachlasses ist wenig bekannt. Der Strzygowski-Experte und ehemalige Archivar des Instituts für Kunstgeschichte an der Universität Wien, Friedrich Polleroß, schreibt, dass dieser Teilnachlass 1951 an die Institutsbibliothek gelangte (vgl. Polleroß 2021, S. 14). Was zwischen diesem Jahr und der Wiederentdeckung des Materials im Jahr 2020 geschah, lässt sich nur teilweise rekonstruieren. Um diese Rekonstruktion zu ermöglichen, wird die textuelle und extratextuelle Beschaffenheit des Materials untersucht. Jedes Stück des Nachlasses enthält eine Inventarnummer, die bei „S–2000“ beginnt und mit „S–4262“ endet. Dies zeigt, dass das Material nach der Übernahme durch das Institut bereits durchgesehen und klassifiziert wurde. Das wird durch die Signaturen bestätigt, die jedem Separatum zugewiesen wurde. Dies erfolgte nach den damaligen Klassifikationsregeln: Je nach Themenbereich oder geografischer Einteilung erhielten die Sonderdrucke Signaturen wie „Nordische Länder“, „Religion“ oder „Altertum“.
Die ausgewählte Archivbox enthält eine Auswahl an Sonderdrucken mit den Signaturen „Alter Orient Ägypten“ bzw. „Ägypten“. Die Drucke werden nun in säurefreien Archivboxen aufbewahrt, die ehemals festgelegte Signaturenordnung ist wieder hergestellt. Neben der Box liegt eine Postkarte, die mit Strzygowskis Universitätsadresse in Graz beschriftet ist. Sie ist auf den 11.2.1898 datiert. Absender ist der klassische Archäologe Franz Studniczka (1860–1929), mit dem Strzygowski in regem Austausch stand. Studniczka schickte Strzygowski noch im selben Jahr den Sonderdruck seiner Antrittsvorlesung als Professor an der Universität Leipzig mit dem Titel „Die Siegesgoettin: Entwurf der Geschichte einer antiken Idealgestalt; akademische Antrittsrede gehalten am 16. Januar 1898 im Skioptikon-Hoersaal der Universität Leipzig in erweiterter Bearbeitung“, die sich ebenfalls im Teil-Nachlass befindet.
FYFE, Aileen: „Did authors get offprints?”. In: A History of Scientific Journals. Lessons from the history of Royal Scientific journal publishing, 1665–2015 (2018). Online verfügbar
PLONTKE-LÜNING, Annegret: „Strzygowski, Josef d. J. (1862–1941)“. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950, Band 13, Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 2010, S. 434–435. Online verfügbar
POLLEROß, Friedrich: Josef Strzygowski: Seine Teil-Nachlässe sowie seine Schüler und Schülerinnen zwischen Zionismus und Nationalsozialismus. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Vergleichende Kunstforschung in Wien. 73/3 (2021), S. 1–22. Online verfügbar
STUDNICZKA, Franz: Die Siegesgoettin. Entwurf der Geschichte einer antiken Idealgestalt; akademische Antrittsrede gehalten am 16. Januar 1898 im Skioptikon-Hoersaal der Universität Leipzig in erweiterter Bearbeitung. Leipzig: B. G. Teubner 1898. Online verfügbar
ZALOSCER, Hilde: Kunstgeschichte und Nationalsozialismus. In: Stadler, Friedrich (Hrsg.): Kontinuität und Bruch 1938 – 1945 – 1955. Beiträge zur österreichischen Kultur und Wissenschaftsgeschichte, Münster: LitVerlag Unv. Neuaufl. 2004, S. 283–299. Exemplare im Bestand der UB Wien
Ex Libris Strzygowski. Die Bestände der Bibliothek Strzygowskis an der FB Kunstgeschichte
Persica Centropa: Cosmopolitan Artefacts and Artifices in the Age of Crises, 1900–1950
Text und Fotografie: Anton Matejicka