Zeichnung von Franz Wickhoff

Zeichnung von Franz Wickhoff

Zeichnung zur Diskussion um das Museum von Otto Wagner auf dem Karlsplatz in Wien
Franz Wickhoff (1853–1909)
Feder und Bleistift
Maße: 13 x 33,8 cm
Aus dem Archiv des Instituts für Kunstgeschichte der Universität Wien
Nachlass Franz Wickhoff, Karton 8


Der 170. Geburtstag des Kunsthistorikers Franz Wickhoff (1853–1909) und die Fertigstellung des Erweiterungsbaus des heutigen Wien Museums auf dem Karlsplatz bieten die Gelegenheit, auf einige Zeichnungen im Archiv des Instituts für Kunstgeschichte hinzuweisen: Wickhoff war einer der Gründerväter der sogenannten „Wiener Schule der Kunstgeschichte“ und wurde am 7. Mai 1853 in Steyr geboren. Sein Vater, der Eisengroßhändler Franz Wickhoff sen., war auch Mitglied des österreichischen Reichsrates. Franz Wickhoff jun. studierte bei Rudolf Eitelberger von Edelberg (1817–1885) sowie bei Moriz Thausing (1838–1884) und absolvierte die Ausbildung am Institut für österreichische Geschichtsforschung. 1880 promovierte er mit der Dissertation „Eine Zeichnung Dürers nach der Antike". 1879–95 wirkte er als Kustos der Textilsammlung am Österreichischen Museum für Kunst und Industrie (heute MAK), 1885 wurde er zum außerordentlichen Professor und 1891 zum Ordinarius für Kunstgeschichte an der Universität Wien ernannt. Ebenso wie seine Lehrer, war Wickhoff bemüht, die Kunstgeschichte auf eine wissenschaftliche Grundlage zu stellen, wobei er sich auf die von Giovanni Morelli (1816–1891) entwickelte sogenannte "Morrellische Methode" berufen hat, die er zur vergleichenden Stilanalyse weiterentwickelte. Themen seiner Forschungen bildeten die Kunst der italienischen Renaissance und die frühchristliche Buchmalerei. Nach längerer Krankheit starb Franz Wickhoff am 6. April 1909 in Venedig.

Der frühe Tod dieses Ordinarius bildete vermutlich den Anlass für die Gründung einer Nachlass-Sammlung innerhalb des Archivs des Instituts für Kunstgeschichte. Wickhoffs Bestand umfasst neben Zeichnungen auch Familienfotos sowie persönlich Dokumente. Der wissenschaftliche Nachlass enthält einige bemerkenswerte Dokumente zur Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Kunst. So engagierte sich Wickhoff für die Deckengemälde von Gustav Klimt (1862–1918) im Festsaal der Universität Wien. Ebenfalls im Wickhoff-Nachlass befindlich – aber vielleicht schon von seinem Schüler und Nachfolger Max Dvořák (1874–1921) – stammen einige Zeichnungen zur Diskussion um die Entwürfe für das geplante "Kaiser-Franz-Josef-Stadtmuseum" auf dem Wiener Karlsplatz.

Im Zuge der Errichtung der Stadtbahn und der Überbauung des Wienflusses ergab sich die Notwendigkeit einer Neugestaltung des Platzes vor der Karlskirche, der u.a. auch den Bau eines Museums für die im Rathaus aufbewahrten Sammlungen der Stadt Wien beinhalten sollte. Ab 1889 legten mehrere Architekten, darunter Friedrich Schachner (1841–1907), Otto Wagner (1841–1918) und Max Fabiani (1865–1962) Entwürfe dafür vor. Plante Schachner Kolonaden wie vor dem Petersdom in Rom, war Otto Wagner zunächst ebenfalls bestrebt, symmetrische Nachbargebäude „mit der Kirche zu einem richtig vereinigten Gesamtbilde“ (Wagner) zu verbinden. Mit der Idee zur Errichtung eines Museums links neben der Karlskirche bekam die Diskussion eine neue Dynamik. Der Architekt hat daraufhin im Jahr 1900 sein „Agitationsprojekt“ für ein Stadtmuseum am Karlsplatz vorgestellt. 1901 wurde ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben und 1902 ein Auswahlwettbewerb, bei dem das historistische Projekt von Friedrich Schachner prämiert wurde. Daraufhin wurden die beiden Projekte in der kulturinteressierten Öffentlichkeit kontrovers diskutiert und unterstützt. Als eine Petition der Fürstin Pauline Metternich (1836–1921) 6.000 Unterstützungsunterschriften vorwiegend einflussreicher Persönlichkeiten erhielt, trat auch Bürgermeister Karl Lueger (1844–1910) für die Schmelz als Bauplatz des neuen Museums ein.

Am 5. Juli 1909 berichtete die „Reichspost“ von einer Stellungnahme des „Aktionskomitee des Vereines zum Schutze und zur Erhaltung der Kunstdenkmäler Wiens und Niederösterreichs“ an den Bürgermeister, in der dieser neuerlich aufgefordert wurde, das Projekt aufzuschieben. Die Unterzeichner, darunter der Schriftsteller und Kunstmäzen Graf Karl Lanckoronski (1848–1933) und der Kunsthistoriker Max Dvořák, kritisierten die Absicht, „auf dem Karlsplatze ein Monumentalgebäude in unmittelbarer Nähe der Karlskirche zu errichten und einen der wichtigsten Ausblicke auf den Bau zu verstellen“, im Interesse des zu schützenden Denkmals, „das zu den bedeutendsten Wiens gehört“.

Der Streit um den Standort des Museumbaus neben der Karlskirche betraf aber nicht nur die allgemeine Rolle des Denkmalschutzes und das Verhältnis von traditionellen bzw. modernen Neubauten im Ensemble. In den vermutlich von Wickhoff oder Dvořák selbst angefertigten Zeichnungen ging es um die von Architekten und Kunsthistorikern kontrovers diskutierte Fragestellung, ob der barocke Sakralbau von Johann Bernhard Fischer von Erlach (1656–1723) hauptsächlich auf eine Ansicht der symbolisch aufgeladenen sowie auf die Hofburg ausgerichteten Hauptfassade konzipiert worden sei und daher von symmetrisch gestalteten Neubauten flankiert werden sollte, oder ob das Gotteshaus als bewusst frei stehender und von allen Seiten sichtbarer Kubus errichtet wurde und deshalb von Nachbargebäuden möglichst frei gehalten werden müsse. Während der zweite Ordinarius für Kunstgeschichte an der Universität Wien, Josef Stzrygowski (1862–1941), kritisierte, dass Wagners Bau sich auf dem Karlsplatz nicht richtig entfalten könnte, warf Dvořák dem Projekt vor, mit dem Gotteshaus zu „konkurrieren“ und es in ein „disharmonisches Verhältnis“ zu bringen. Andere Entwürfe hat der Ordinarius abgelehnt, weil diese die Karlskirche zum „Mittelrisalit“ einer Gebäudeflucht degradieren und Fischer von Erlachs charakteristische Seitenansicht missachten würden.

Am 30. September 1921 wurde vom Wiener Gemeinderat beschlossen, den Bau des Wiener Stadtmuseums auf der Schmelz nicht zu realisieren und die Sammlungen aus Kostengründen vorerst weiterhin im Wiener Rathaus zu belassen. Erst im Jahr 1953 erfolgte der Beschluss, auf dem ursprünglich vorgesehenen Standort am Karlsplatz einen Neubau zu errichten. Der Bau wurde von dem Architekten Oswald Haerdtl (1899–1959) entworfen, der Grundstein 1954 gelegt. Am 23. April 1959 fand die Eröffnung des neuen Gebäudes des "Historischen Museums der Stadt Wien" statt, das seit 2020 renoviert wird und im Dezember 2023 wiedereröffnet werden soll.

Literatur:

HAIKO, Peter: Otto Wagner und das Kaiser Franz Josef-Stadtmuseum. Das Scheitern der Moderne in Wien. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Historischen Museum der Stadt Wien 16. Juni – 28. August 1988. Wien 1988. Exemplar im Bestand der UB Wien

Zeichnung von Franz Wickhoff

Text: Dr. Friedrich Polleroß | Fotos: Institut für Kunstgeschichte