Die FB Philosophie und Psychologie lädt zur Präsentation des Buches "Epicurus’ Human Beings: Beyond Person and Self" von Solmeng-Jonas Hirschi.
Programm
Begrüßung
Sonja Fiala | Leiterin der Fachbibliothek Philosohpie und Psychologie, Universitätsbibliothek Wien
Einleitende Worte
George Karamanolis | Institut für Philosophie, Universität Wien
Präsentation des Buches
Solmeng-Jonas Hirschi | Institut für Philosophie, Universität Wien
Die Veranstaltung findet in deutscher Sprache statt.
Im Anschluss laden wir zu Brot und Wein.
Zum Buch
Epikurs philosophisches Projekt beruht wesentlich auf seiner ethischen Wirksamkeit. Besonders seine Briefe und Lehrsätze sollten daher nicht als bloße Beschreibungen einer Doktrin und Lebensweise verstanden werden. Sie veranschaulichen vielmehr selbst eine Praxis der (Selbst-)Sorge und sind so verfasst und konzipiert, dass sie auf ihre Leserinnen und Leser wirken sollen. Durch Lesen und Memorieren soll die Fähigkeit des Einzelnen gefördert werden, einen Zustand der ataraxia, also der Seelenruhe, zu erreichen und aufrechtzuerhalten. Epikur ausschließlich als „theoretischen Philosophen“ zu lesen, hieße daher, seine Absichten zu verkennen. In diesem Buch plädiert Solmeng-Jonas Hirschi für eine konsequentere Lesart, die diese praktische Dimension von Epikurs Philosophie ernst nimmt. Er rückt Lehre und Anwendung näher zusammen, indem er diejenigen in den Blick nimmt, an die Epikurs Philosophie sich richtet und die sie praktizieren sollen: den Menschen.
Das Hauptkorpus der Studie bilden die drei Briefe und die Lehrsätze Epikurs, die bei Diogenes Laertius überliefert sind. Jedes Kapitel ist einem dieser Texte gewidmet und in zwei Hauptabschnitte gegliedert. Im ersten Abschnitt erschließen eng geführte Lektüren und philosophisch ausgerichtete Textinterpretationen heuristisch Epikurs Auffassung davon, was menschliche Wesen sind und tun. Im zweiten Abschnitt ergänzt eine Analyse der (Personal-)Deixis diese philosophische Untersuchung aus textzentrierter Perspektive. Ein abschließender Anhang wendet dieselbe Methodik auf den Brief an die Mutter an, der in der monumentalen Inschrift des Diogenes von Oinoanda überliefert ist. Zusammengenommen zeichnen diese Analysen ein Bild des Menschen, wie er in Epikurs Kurzschriften philosophisch dargestellt und angesprochen wird.
In den Kapiteln zum Brief an Pythokles und zu den Kuriai Doxai (den Lehrsätzen) wird zudem dem unumgänglichen Problem ihrer Echtheit besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Die Berücksichtigung von Entstehungskontext, Struktur und Funktion erweist sich dabei nicht nur für das Verständnis dieser beiden Texte als entscheidend, sondern vor allem auch für die Rückschlüsse, die sich daraus auf ihre intendierte und tatsächliche Verwendung ziehen lassen.
Diese philologisch-philosophische Studie liefert wichtige Einsichten in die Pragmatik von Epikurs Schriften, insbesondere in ihren Gebrauch, ihr Format und ihre Funktionsweise im Bestreben, Seelenruhe zu erlangen und zu bewahren.
- Solmeng-Jonas Hirschi
Epicurus’ Human Beings: Beyond Person and Self
Oxford Classical Monographs. Februar 2026.
Link zum Buch bei Oxford Academic
Zum Autor
Solmeng-Jonas Hirschi studierte an der Universität Bern (BA, 2015) und an der Universität Oxford (MSt, 2016) wo er 2021 auch promovierte (DPhil). Derzeit ist er als Postdoktorand (Research Associate) an der Universität Wien tätig. Zuvor hatte er Postdoc-Stellen und Forschungsaufenthalte an der Freien Universität Berlin als Chronoi Fellow (2023-2024), am Istituto Svizzero in Rom (2022-2023), an der Université Laval in Québec (2022) sowie an der Universität Freiburg (Schweiz) (2021-2023) inne.

