Partizipatives Forschen - eine Herausforderung?

Symbolgrafik Citizen Science. © Adobe

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Partizipatives Forschen - eine Herausforderung?

Mittwoch, 23. September 2026, 9:00 Uhr, Aula am Campus der Universität Wien, Hof 1.11

Die Koordinationsstelle für Wissenschaftskommunikation und Citizen Science der Universitätsbibliothek Wien stellt sich mit einem Programm an Vorträgen und einem Workshop vor.

Anmeldung

Aus organisatorischen Gründen bitten wir um Anmeldung bis zum 10.09.2026!


Programm: Vorträge

9:00 | Andreas Brandtner Begrüßung

9:15-9:30 | Susanne Blumesberger: Die Koordinationsstelle Wissenschaftskommunikation und Citizen Science an der UB Wien. Ein- und Ausblicke

Details zu Vortrag und Sprecherin

Die Koordinationsstelle für Wissenschaftskommunikation und Citizen Science wurde 2025 im Rahmen der Abteilung Forschungs- und Publikationsservices an der UB Wien etabliert, um partizipative Forschung bestmöglichst unterstützen zu können.

Susanne Blumesberger, promovierte Kommunikationswissenschafterin und Germanistin, ist seit 2007 an der UB Wien tätig, leitete bis Mai 2025 die Abteilung Repositorienmanagement PHAIDRA-Services und ab Juni 2025 die Koordinationsstelle Wissenschaftskommunikation und Citizen Science. https://orcid.org/0000-0001-9018-623X 

9:30-10:00 | Thomas Wallnig: Citizen Science in den Digital Humanities. Erfahrungen & Anforderungen

Details zu Vortrag und Sprecher

Citizen Science ist eine wichtige Dimension der digitalen Geisteswissenschaften. Seit bald zwei Jahrzehnten bemühen sich Projekte wie Transcribe Bentham und Monasterium um die strukturierte Einbeziehung Interessierter außerhalb der unmittelbaren akademischen Welt in den Prozess der Datenakquise. So haben sich jüngere Projekte etwa mit der gemeinschaftlichen Katasterannotation oder der Datenerfassung aus historischen Briefeditionen befasst.

Der Beitrag reflektiert auf der Basis dieser und vergleichbarer Projekte - und gestützt auf einschlägige Forschungsliteratur - die unterschiedlichen Rollenverteilungen, die zwischen den "akademischen Forschenden" und der "breiteren Öffentlichkeit" konzeptionalisiert werden können. Zur Debatte stehen dabei sowohl die Frage nach dem sozialen Kapital, das unentgeltliche Arbeit attraktiv macht, als auch jene nach Qualitätskontrolle und offenen Problemfeldern, etwa Datenschutz oder ideologische Vereinnahmung, die es zu berücksichtigen gilt.

Abgeleitet wird daraus schließlich eine Skizze der Anforderungen, die Projekte an der Uni Wien haben könnten, wenn sie eine Citizen-Science-Komponente in Erwägung ziehen.

Thomas Wallnig ist Frühneuzeit-Historiker und koordiniert als Senior Scientist digitale Forschungsangelegenheiten an der Universität Wien. Seit 2024 bekleidet er dort zudem das Amt des Vizedekans für (digitale) Infrastruktur an der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät. Er habilitierte sich im Fach Neuere Geschichte und lehrte zuletzt im Masterstudium Digital Humanities. Im Oktober 2026 wird er eine Assistenzprofessur für Digitale Editorik und computergestützte Methoden der Neueren Geschichte antreten.

10:00-10:30 | Jörg Matthes: Citizen Social Science: Potenziale, Herausforderungen und Grenzen partizipativer Forschung

Details zu Vortrag und Sprecher

Citizen Science gewinnt auch in den Sozialwissenschaften zunehmend an Bedeutung. Im Rahmen von Citizen Social Science werden Bürger nicht nur in die Datenerhebung einbezogen, sondern können an unterschiedlichen Phasen des Forschungsprozesses mitwirken, von der Entwicklung der Forschungsfrage bis hin zur Analyse und Interpretation der Daten. Dies bringt jedoch zugleich erhebliche methodische und praktische Herausforderungen mit sich. Der Vortrag gibt einen Überblick über zentrale Potenziale und Herausforderungen von Citizen Social Science und diskutiert, unter welchen Bedingungen partizipative Forschung wissenschaftlich belastbare Erkenntnisse hervorbringen kann.

Jörg Matthes ist Professor für Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien. Seine Forschung beschäftigt sich mit digitalen Medienwirkungen, politische Kommunikation, Werbeforschung und Methoden. Er ist Fellow der International Communication Association und leitet derzeit einen ERC Advanced Grant zum Thema digitalen Hass.

10:30-11:00 | Kaffeepause

11:00-11:30 | Barbara Göbl: Design- und spielbasierte Ansätze für partizipatives Lernen und Forschen

Details zu Vortrag und Sprecherin

Teilhabeprozesse gewinnen in Bildungspolitik und -forschung an Bedeutung, besonders im Kontext der zunehmenden Digitalisierung. Damit Teilhabe nicht nur eine Forderung am Papier bleibt, brauchen junge Lernende einen lebensweltnahen Einstieg. Digitale Spiele und Technologien bieten hier eine spannende Möglichkeit. Sie machen die unterschiedlichen Kompetenzen von jungen Menschen, Forschenden und Lehrenden sichtbar und erleichtern Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Beispielhaft dafür untersucht das Sparkling-Science-Projekt „Digital Game-Base/D Learning“ durch spielerische, kollaborative Mediengestaltung gemeinsam mit Lehramtsstudierenden und Schüler*innen, wie digitale Spiele den Unterricht bereichern können.

Barbara Göbl lehrt und forscht am Zentrum für Lehrer*innenbildung und an der Fakultät für Informatik der Universität Wien. Ihre Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle von Digital Literacy, Informatikdidaktik und Lehrer*innen-Professionalisierung, mit Fokus auf partizipative, design- und spielbasierte Lernprozesse. Besonders interessiert sie sich dabei für die Potenziale und Herausforderungen beim Lernen mit und über emergente (Bildungs-)Technologien wie generative künstliche Intelligenz und digitale Fabrikation.

11:30-12:00 | Didone Frigerio: Citizen Science in Forschung und Bildung: Welchen Mehrwert bringen Bürgerwissenschaften für die Verhaltensbiologie?

Details zu Vortrag und Sprecherin

Wir präsentieren Ergebnisse und diskutieren den Mehrwert eines verhaltensbiologischen Citizen-Science-Projekts, an dem Freiwillige - darunter auch Schulklassen - aktiv als Bürgerwissenschaftlerinnen und Bürgerwissenschaftler mitgewirkt haben. Die Teilnehmenden beobachteten einzelne Individuen einer freilebenden Graugansschar und ordneten deren soziale Bindungen zu. Neben der Gewinnung valider Daten für die wissenschaftliche Forschung lag ein zentraler Schwerpunkt auf der Evaluation des Projekts im Kontext der naturwissenschaftlichen Bildung (Science Education). Unsere Ergebnisse gliedern sich in vier Kernbereiche:

  1. Datenqualität: Validität der von Citizen Scientists erhobenen Daten;
  2. Faktisches Lernen: Wissenszuwachs über das Sozialverhalten von Vögeln;
  3. Konzeptionelles Lernen: Wissenstransfer auf neue Kontexte sowie die Entwicklung von Vorstellungen der Kinder zum Konzept „Freundschaft“;
  4. Selbstregulation: Kontrolle impulsiven Verhaltens im Beobachtungskontext.
Abschließend diskutieren wir die gewonnenen Erkenntnisse sowie das Potenzial ähnlicher Ansätze für zukünftige interdisziplinäre Forschungsprojekte.

Privatdozentin Dr. Didone Grigerio ist Verhaltensbiologin mit Fokus auf die Wechselwirkungen zwischen sozialem Kontext und Physiologie bei gruppenlebenden Vögeln. Sie nutzt Citizen Science als Forschungsinstrument. Ihre akademische Ausbildung erfolgte an der Universität Mailand und der Universität Wien (PhD Verhaltensendokrinologie; Postdoc Verhaltensbiologie). Sie bringt ausgezeichnete langjährige Erfahrung in wissenschaftlicher Bildungsarbeit und Bürger*innenbeteiligung in Forschungsprozessen mit, die Teil ihrer Habil waren. Seit September 2026 leitet sie das Open Science Center der Universität Wien im Cumberland Wildpark in OÖ.

12:00-13:00 | Mittagspause

13:00-13:10 | Tobias Reckling: Drittmittelförderungen für Citizen Science: Möglichkeiten und Unterstützungsangebote

Details zum Sprecher

Tobias Reckling leitet an der Universität Wien den Bereich Wissensaustausch, Technologietransfer & Nationale Förderungen. Das Team unterstützt Aktivitäten in den Bereichen Innovation & Impact durch ein vielfältiges Serviceangebot. Dazu gehören u.a. die Unterstützung bei der Verwertung neuer Forschungsergebnisse und von Kooperationen mit Partnern aus Wirtschaft und Gesellschaft ebenso wie Entrepreneurship-Support.

13:10-13:20 | Gerit Oberraufner: Citizen Science - aus der Perspektive des FWF

Details zu Vortrag und Sprecherin

Vertrauen in die Wissenschaft aufzubauen, zählt zu den zentralen Aufgaben des österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF). Mit dem Programm Top Citizen Science schafft der FWF die Möglichkeit, Bürger:innen, die ihre Expertise, Zeit und ihr Engagement einbringen möchten, aktiv in FWF-geförderte Forschungsprojekte einzubinden. Diese Beteiligung erweitert die Forschungsperspektiven und trägt zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen bei. Gleichzeitig erhalten Bürger:innen einen unmittelbaren Einblick in wissenschaftliche Arbeitsweisen und Forschungsprozesse.

Der FWF fördert seit 2015 Projekte, die den Citizen-Science-Ansatz umsetzen. Eine Besonderheit des Programms besteht darin, dass ein bereits laufendes FWF-Projekt als Basisprojekt dienen muss und durch die Einbindung von Bürger:innen zusätzliche wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen werden. Im Mittelpunkt stehen Ergebnisse, die ohne die aktive Beteiligung von Bürger:innen nicht erzielt werden könnten.

Die eingereichten Anträge werden von internationalen Expert:innen im Bereich Citizen Science begutachtet. Dabei bewerten sie die Projekte anhand etablierter Citizen-Science-Qualitätskriterien. Auf Grundlage dieser schriftlichen Gutachten entscheidet das FWF-Kuratorium über die Förderung.

Gerit Oberraufner: Nach dem Biologiestudium und einem längeren Forschungsaufenthalt in Brasilien war ich in der IT-Branche tätig. Seit 2003 bin ich beim FWF, zunächst als administrative Projektbetreuerin in der Fachabteilung Biologie und Medizin, seit 2005 als operative Programmbetreuerin in die Abteilung Strategie Nationale Programme. 2016 übernahm ich das Programm-Management für das Programm Top Citizen Science. Aktuell bin ich zudem für privat finanzierte Ausschreibungen (Stiftungen) und das Wissenschaftskommunikationsprogramm zuständig.

13:20-13:30 | Petra Siegele: Sparkling Science 2.0 - Wissenschaft gemeinsam gestalten

Details zu Vortrag und Sprecherin

Wie gelingt es, Wissenschaft und Schule auf Augenhöhe miteinander zu verbinden? Im Rahmen von Sparkling Science 2.0 werden Schüler:innen und gegebenenfalls weitere Citizen Scientists zu aktiven Partner:innen in Forschungsprojekten und bringen ihre Perspektiven, Fragen und Ideen in den wissenschaftlichen Prozess ein.

Der Vortrag gibt einen Einblick in die Besonderheiten des Citizen-Science-Förderprogramms und informiert über den soeben gestarteten 3. Call: Wer kann sich beteiligen? Was gilt es bei der Antragstellung zu beachten? Und wo findet man im Fall der Fälle noch motivierte Partnerschulen?

Petra Siegele ist seit Herbst 2008 im Spannungsfeld Wissenschaft, Schule und Gesellschaft beim OeAD, der Agentur für Bildung und Internationalisierung, tätig. Dort ist sie u.a. verantwortlich für die Koordination des Forschungsförderprogrammes „Sparkling Science“ (2007 bis 2019) bzw. „Sparkling Science 2.0“ (seit 2021) und dem Programm zur Förderung von „Kinder- und Jugenduniversitäten“. Seit 2015 leitet sie auch das vom Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung (BMFWF) eingerichtete Zentrum für Citizen Science, das mit seinen zahlreichen Young-Science-Maßnahmen einen besonderen Schwerpunkt auf die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Schule legt. sparklingscience.at youngscience.at zentrumfuercitizenscience.at 


Programm: Workshop

14:00-18:00 | WORKSHOP mit Marion Poetz: Crowd and Citizen Science - Strategic Choices for Research Productivity and Societal Impact

Crowds of citizens and other societal stakeholders are increasingly involved in scientific research across disciplines. Yet important questions remain: How and when do crowd and citizen science (CS) approaches contribute to research productivity, research impact, and scientific careers? And what role will such approaches play in a research landscape increasingly shaped by artificial intelligence? In this mini-workshop, we will build a practical foundation for making informed decisions about whether, when, and how to involve crowds in research projects. We will also discuss how the productivity and impact effects of CS can be evaluated. Drawing on recent research and on the open-access book How and When to Involve Crowds in Scientific Research (www.sciencewithcrowds.org), we will discuss strategic choices around crowd involvement and apply selected tools to analyze concrete project cases. The workshop will provide participants with a basis for assessing the relevance and applicability of CS approaches to their own research projects. These foundations also help with more detailed project designs that can be developed in subsequent deep-dive sessions.

Marion Poetz is Associate Professor at the Department of Strategy and Innovation at Copenhagen Business School and Chair of the Association for Advancing Science and Innovation. Her research investigates linkages between science, innovation, and societal impact, with a focus on studying how and under what conditions open and collaborative knowledge production shapes productivity and broader societal outcomes.

Henry Sauermann is Professor of Strategy and Team Global Chair for Disruptive Innovation at ESMT Berlin. His research investigates human capital in science, innovation, and entrepreneurship, with a focus on how scientists’ motives, incentives, and career choices shape research, innovation, and broader societal outcomes.


Zu Citizen Science

Partzipatives Forschen gewinnt in der Wissenschaft immer mehr an Bedeutung, da es viele Vorteile mit sich bringt, Wissen von außen in die eigene Forschung einfließen zu lassen. Unterschiedliche Perspektiven erweitern das Blickfeld und erhöhen die Qualität der Forschung. Gleichzeitig bedeutet diese Methode auch einen zusätzlichen Zeit- und Ressourcenaufwand für Forschende. Bibliotheken können durch ihre Infrastruktur, aber auch durch ihre Erfahrungen in der Forschungsunterstützung dabei helfen, Citizen-Science-Projekte von Beginn bis zum Ende gut durchzuführen.

Die Veranstaltung soll anhand Beispielen aus der Forschungspraxis zeigen, welche Herausforderungen aber auch vor allem welche Vorteile es bringt, externe Personen zu Mitforschenden zu machen. Fördergeber stellen die Rahmenbedingungen vor und Kolleg*innen aus dem administrativen Bereich zeigen, wo Forschende Unterstützung finden.

Eingeladen sind vor allem Forschende der Universität Wien, die sich bereits mit Citizen Science beschäftigen oder ein partizipatives Projekt planen und sich mit anderen vernetzen wollen, aber auch alle, die mehr über diese Forschungsmethode erfahren möchten.

Universität Wien