© Universität Wien / Barbara Mair

Zukunftskonzept der Universitätsbibliothek Wien 2020

Die Universitätsbibliothek Wien nimmt ihre Rolle als Informationskompetenzzentrum innerhalb der Universität wahr und unterstützt die Universität Wien als aktive Partnerin von Forschung, Lehre und Studium durch benutzerorientierten und effektiven Zugang zu ihren hochwertigen Bibliotheksressourcen. Sie entwickelt Dienste und Services, die den Lehr- und Forschungsprozess optimal unterstützen und den Forschungsoutput möglichst gut sichtbar machen.


Zielsetzung 2020

Die Universitätsbibliothek Wien trägt in den Jahren bis 2020 den Veränderungen im Bibliothekswesen und in den relevanten Informationstechnologien Rechnung und setzt die Transformation zur hybriden Bibliothek durch konsequenten Ausbau des digitalen Angebots und ihrer Services fort. Durch verstärkte Zusammenarbeit wird der spezialisierte Informationsbedarf von Forschenden optimal gedeckt und die unter dem Schlagwort Science 2.0 subsumierten Entwicklungen im Wissenschaftsbereich von neuartigen, partizipativen und kollaborativen Technologien in Forschungs- und Publikationsprozessen – wie wissenschaftsspezifische Social Network Sites (SNS) und Open Science – aktiv unterstützt. Lehrende wie Studierende werden durch Vermittlung von Informationskompetenz in der Erreichung ihrer Ziele bestärkt. Im Folgenden werden Ziele anhand einzelner Strategiefelder definiert.


Kooperationen

Durch die Verstärkung bereits existierender und den Aufbau neuer Kooperationen sollen die Modernisierung der Universitätsbibliothek und ihrer Services vorangetrieben werden und gemeinsam Lösungen für Probleme erarbeitet werden. Im internationalen Rahmen geschieht dies durch die Teilnahme an EU-Projekten und der Kooperation mit internationalen Forschungseinrichtungen. Auf nationaler Ebene werden Kooperationen durch Umsetzung des Projektes eInfrastructures Austria verstärkt.

Innerhalb der Universität Wien werden Kooperationen durch Umsetzung von Projekten und Etablierung permanenter Zusammenarbeit mit Bereichen der Lehre und Forschung sowie anderen Dienstleistungseinrichtungen ausgebaut. Im Bereich Aggregation, Sammlung und Erhaltung von Forschungsdaten strebt die Universitätsbibliothek die Rolle eines Kompetenzzentrums für Informationsvermittlung und Datenmanagement an, um die universitäre Gemeinschaft bei der Bewältigung der Handhabung von Forschungsdaten zu unterstützen.


Physische Bibliothek

Die Bibliothek ist als moderne Informationsinfrastruktureinrichtung Lern- und Arbeitsort für Studierende, Lehrende und Forschende und kommt durch die technische Ausstattung den Bedürfnissen der BenützerInnen entgegen. Die Standortkonsolidierung wird unter Berücksichtigung fachlich Sinn stiftender Aspekte weiter verfolgt. Durch flankierende Maßnahmen wie der verstärkten Zusammenarbeit mit den Instituten und Departments wird gewährleistet, dass Dezentrale Bibliotheken ihrer Rolle als Orte der hochspezialisierten, fachspezifischen Informationsvermittlung weiterhin gerecht werden.

Bei der Planung werden bibliothekarische Benützungsbereiche im universitären Kontext eines Student Space verstanden und entsprechend gestaltet. In der Hauptbibliothek wird das weit über die Grenzen der Universität wahrgenommene historische Ambiente bewahrt und durch umsichtige Adaption der Räumlichkeiten zugleich die Modernisierung der angebotenen Dienstleistungen ermöglicht. Im Sinne der optimalen Raumbewirtschaftung wird weiterhin auf die Verwirklichung der Errichtung einer Depotbibliothek für Zeitschriften und selten genutzte Bestände hingearbeitet.

Insbesondere bei neuen Standorten, aber sukzessive auch bei bestehenden, wird die Implementierung neuer Technologien, wie z.B. RFID und NFC (Near Field Communication), vorangetrieben.


Analoge und digitale Bibliothek

Die Bestandspflege erfolgt nach qualitätssichernden Kriterien. Basierend auf gesamtösterreichischen Archivierungsvereinbarungen und dem kontinuierlichen Ankauf von elektronischen Backfiles wird eine optimale Stellraumbewirtschaftung betrieben. Bücher werden weiterhin analog zur Verfügung gestellt, wenn dies der Studien- und Lehrbetrieb, die Forschung oder die Pflege des kulturellen Erbes erfordern. In den Magazinen werden weitgehend unikal vorhandene Printbestände aufbewahrt. Die Universitätsbibliothek Wien beteiligt sich aktiv an der Mitgestaltung von neuen Formen der Literatur- bzw. Content-Erwerbung (v.a. Datenbanken) in Zusammenarbeit mit anderen wissenschaftlichen Institutionen und Verlagen.

Die auf den deutschsprachigen Raum beschränkten Regelwerke zur formalen und inhaltlichen Erschließung sowie für die Normdateien werden, wo möglich, sukzessive durch internationale Regelwerke abgelöst. Im Bereich Datenformate werden ausschließlich internationale Standards eingesetzt. In der inhaltlichen Erschließung wird sowohl die internationale Zusammenarbeit mit Bibliotheksverbünden und Nationalbibliotheken, als auch der internationale Datenaustausch intensiviert. IT-gestützte Arbeitstechnologien, Linked Open Data, Semantic Web und neue, an Social Media orientierte Ansätze in den Suchtechnologien werden in die Konzeption eingebunden.

Die Universitätsbibliothek kommt ihrer Rolle als historische Bibliothek mit exzeptionellen Beständen aus der Österreichischen Monarchie und der (mittel-)europäischen Wissenschaftsgeschichte durch deren optimale Pflege und Erhalt nach und stellt sukzessive diesen Bestand durch Digitalisierung einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung. Die Geschichte der eigenen Bestände sowie der Sammlungen der Universität wird im Sinn einer NS-Provenienzforschung kontinuierlich aufgearbeitet und NS-Raubgut konsequent restituiert.

Durch Einführung eines neuen Bibliothekssystems wird die Modernisierung der IT-Infrastruktur und der Lizenzenverwaltung elektronischer Ressourcen vorangetrieben.


Services für Forschung und Lehre

Die Bibliothek stellt innerhalb der Universität das Kompetenzzentrum für die Vermittlung von für die Wissenschaft relevanten Informationen dar. Die forschungsunterstützenden Services der Universitätsbibliothek entlasten die Forschenden der Universität bei der Dokumentation, Verbreitung und Archivierung ihrer Forschungsergebnisse. Die dazu verwendeten technischen Systeme bilden eine konsistente und kompatible Infrastruktur und werden laufend gemäß internationalen Standards angepasst. Darüber hinaus unterstützt die Universitätsbibliothek das Zugänglichmachen und Archivieren von Lehrmaterialien.

Die Universitätsbibliothek engagiert sich in den kommenden Jahren intensiv im Bereich Forschungsdatenmanagement durch Aufbau von Kompetenz bei der Erfassung, Sammlung, Langzeitarchivierung, Veröffentlichung und Visualisierung von Forschungsdaten. Darüber hinaus wird die digitale Interoperabilität forciert, um den Austausch von wissenschaftlichen Forschungsergebnissen zu erleichtern. Bereits bestehende Services werden dazu weiter ausgebaut und optimiert.


Innovationen

Die Universitätsbibliothek wird inner- und außerhalb der Universität Wien als Trägerin innovativer Entwicklungen wahrgenommen. Durch kontinuierliche Beobachtung des Informationsmarktes sowie von Trends im technischen und gesellschaftlichen Umfeld nimmt sie laufend Anregungen zur Weiterentwicklung auf. Durch proaktives und flexibles Handeln werden neue Services entwickelt und bestehende optimiert. Dort, wo sie innovative Entwicklungen identifiziert, positioniert sie sich auf Grund ihrer Kompetenzen als Early Adopter. Die institutionellen Voraussetzungen für nachhaltiges Innovationsmanagement wie Benennung strategischer Ziele, effektives Projektmanagement sowie Prozess- und Produktmanagement werden weiter optimiert und durch Öffnung des Innovationsproesses für BibliotheksbenützerInnen Open Innovation forciert.

Die Bibliothek und ihre MitarbeiterInnen leben eine offene, kundenorientierte Innovationskultur, die den Prinzipien der Nachhaltigkeit in wirtschaftlicher, ökologischer und sozialer Dimension verpflichtet ist.


Teaching Library

2020 wird die Universitätsbibliothek als zentrale Vermittlerin von Informationskompetenz an der Universität Wien wahrgenommen. Die Universitätsbibliothek setzt die Expertise ihrer MitarbeiterInnen dafür ein, dass Informationskompetenz als Schlüsselqualifikation der modernen Informationsgesellschaft und als ein entscheidender Faktor für den Erfolg in Studium, Forschung und Beruf in die forschungsgeleitete Lehre integriert wird.

Durch die Integration von Informationskompetenz in die Curricula von Studiengängen wird ihrer Bedeutung für die Wissenschaft Rechnung getragen. Die Umsetzung erfolgt durch interaktive Online-Tutorials in der Universitäts-Lernplattform Moodle als eigenständige multimediale Lerneinheiten.


Learning Library

Das Personal der Universitätsbibliothek kommt seiner Verantwortung als Träger und Vermittler der Informationskompetenz im Rahmen der täglichen Arbeit mit Studierenden und Informationssuchenden nach. Durch ständige Fort- und Weiterbildung passt es sich der rasanten Dynamik des Informationsmarkts an. Die Organisationskultur zeichnet sich durch Kooperations- und Konfliktlösungsfähigkeit, wechselseitiges Vertrauen und Teamgeist, Unterstützung neuer Ideen, Belohnung von Engagement, konstruktive Fehlerkultur und transparente interne Kommunikation aus.


Universitätsarchiv

Das Archiv der Universität Wien setzt sich für die Erhaltung, Erschließung und Bereitstellung der historischen Überlieferung der Universität Wien ein und steht mit allen aktenführenden Universitätseinrichtungen auf Basis der Archivierungsrichtlinie der Universität Wien in Beziehung.

Das Archiv beteiligt sich gleichzeitig an der inhaltlichen Aufarbeitung der Universitätsgeschichte, bietet mit einer eigenen Schriftenreihe eine Plattform zur Veröffentlichung einschlägiger Ergebnisse und kooperiert mit der universitäts- und wissenschaftsgeschichtlichen Forschung bei der Abhaltung von Fachveranstaltungen.

2020 soll das Archiv sowohl im Bereich der analogen als auch der digitalen Archivalien das zentrale Gedächtnis der Universität Wien darstellen. Dies wird durch Digitalisierung ausgewählter analoger Altbestände zum Zweck der besseren Verfügbarkeit und der Bestandssicherung sowie durch die Mitwirkung bei der Erarbeitung eines Katalogs von Maßnahmen und Auswahlkriterien zur Archivierung digitaler Verwaltungsakten an der Universität Wien erreicht. Darüber hinaus wird durch Fortführung des Arbeitsschwerpunktes Erschließung von Archivalien im Online-Archivinformationssystem der Universität Wien die Zugänglichkeit zu historischen Beständen für Lehre, Forschung und die interessierte Öffentlichkeit erleichtert.


Koordinierungsstelle Universitätssammlungen

Als Schnittstelle aller dezentral untergebrachten wissenschaftlichen Objektsammlungen verwaltet die Koordinierungsstelle die Gesamtübersicht über die Sammlungen, initiiert und setzt bestandserhaltende Maßnahmen um, leistet Hilfestellung bei sämtlichen Agenden des Sammlungsmanagements und hält regelmäßige Treffen ab, um die Vernetzung der SammlungsmitarbeiterInnen untereinander und mit VertreterInnen anderer (außer-) universitärer Institutionen voranzutreiben.

Als strategisches Ziel bis 2020 soll die Nutzbarkeit und Nutzung der Sammlungen in Lehre und Forschung deutlich und messbar erhöht werden. Die Umsetzung dieser Vorgabe erfolgt durch die Sicherung des Bestandes durch Optimierung der Lagerungs- und Aufbewahrungsbedingungen, Restaurierung und Digitalisierung sowie der Implementierung der Sammlungsordnung.

Darüber hinaus erfolgt in den kommenden Jahren die Prüfung von langfristigen Planungen zur Zusammenlegung mehrerer Sammlungen als Core Facilities, um Ressourcen optimal einzusetzen und fächer- und standortübergreifende Nutzung zu verbessern.