In folgenden Fällen wurde von der DLE-Leitung oder vom zuständigen Bundesministerium auf eine Rückgabe entschieden und die Restitution befindet sich in Vorbereitung:
An der Hauptbibliothek der Universität Wien wurden je ein Buch mit dem Eigentumsvermerk von Franz Adler (1908–1983) bzw. „Franz + Leta Adler“ aufgefunden. Beide Exemplare enthalten auch den Stempel „Sammlung Tanzenberg“ und sind so der staatlichen Zuweisung aus dem Bestand der sogenannten „herrenlosen“ Bücher von 1951 zuzuordnen. Franz Adler (1908–1983) promovierte 1933 an der Universität Wien zum Dr. jur. und hatte danach eine Rechtsanwaltskanzlei in der Rathausstraße 17. Am 11. März 1938 flüchtete er in die Tschechoslowakei und emigrierte danach in die USA, deren Staatsbürgerschaft er 1944 annahm. Im Mai 1943 heiratete er Leta L. McKinley (1920–1957), mit der er die beiden Kinder James E. und Debora Linn aufzog. 1953 promovierte er an der University of Wisconsin erneut, indem er einen Ph. D. in Soziologie erwarb. 1959 wurde er als Professor für Soziologie an die University of California berufen. Er verstarb 1983 in Los Angeles. Wie das Buch mit dem Vermerk „Franz + Leta Adler“ seinen Weg nach Wien gefunden hat, ist nicht mehr rekonstruierbar. Durch den Stempel „Sammlung Tanzenberg“ ist die Einstufung als Raubgut aber naheliegend. In beiden Fällen wurde die Rückgabe an die rechtmäßigen Erben sowie die Eintragung in die Kunstdatenbank beschlossen.
Betreffende Exemplare in u:search: AC08139371 und AC15183069
Eintrag in der Kunstdatenbank des Nationalfonds
Provenienzhinweis:
© UB Wien
Auf der Fachbibliothek Judaistik wurde ein Buch mit dem Stempel „Wolf Krautstück“ aufgefunden. Wolf Krautstück/Kootstück wurde am 10. März 1868 in Sboriw (Zborów, heutige Ukraine) geboren und war mit der am 17. April 1873 in Pomorjany (Pomorzany, heutige Ukraine) geborene Taube Krautstück/Kootstück née Wonscha verheiratet. Das Ehepaar lebte zur Untermiete in 1170 Wien, Nattergasse 16/2. Am 1. Juli 1938 füllte der Fleischaufseher der Israelitischen Kultusgemeinde Wien den Fragebogen der „Zentralstelle für jüdische Auswanderung“ aus, da er mit seiner Frau nach Nordamerika oder Palästina auswandern wollte. 1939 wurde er durch die Gestapo Wien in „Schutzhaft“ genommen und am 2. Oktober 1939 in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert. Dort erhielt er die Häftlingsnummer 7130 und starb am 21. November 1939. Taube Krautstück musste in eine „Sammelwohnung“ in die Schiffamtsgasse 18 in den 2. Bezirk ziehen und wurde von dort in das Ghetto Riga deportiert, wo sie den Holocaust nicht überlebte. Die Universität Wien hat die Rückgabe des Buches an die rechtmäßigen Erb*innen beschlossen.
Betroffenes Exemplar in u:search
Eintrag in der Kunstdatenbank des Nationalfonds
Literaturhinweis: Markus Stumpf: „Aus einer liquidierten jüdischen Buchhandlung“. Provenienzforschung an der Universitätsbibliothek Wien – Kontinuitäten und Brüche. In: Buch- und Provenienzforschung. Festschrift für Murray G. Hall zum 60. Geburtstag. Hg. von Gerhard Renner, Wendelin Schmidt-Dengler und Christian Gastgeber. Wien: Praesens 2009, S. 171–186.
Im Zuge der Provenienzforschung wurde an der FB Europäische Ethnologie ein Werk, das zwischen 1940 und 1945 an die Bibliothek des 1939 gegründeten „Instituts für germanisch-deutsche Volkskunde der Universität Wien“ (IGDV) kam, mit der Widmung: „Frl. Grete Bellak freundschaftlichst zugeeignet. Wien, 10.I.24. Dr. Hanns Wyldeck“ aufgefunden. Die in der Widmung genannten Personen sind jedoch nicht eindeutig zuordenbar und auch der Weg des Buches in die damalige Institutsbibliothek ist nicht weiter rekonstruierbar.
Betroffenes Exemplar in u:search
Eintrag in der Kunstdatenbank des Nationalfonds
Provenienzhinweis:
© UB Wien
Im Zuge der Provenienzforschung wurden an mehreren Bibliotheken der Universität Wien Druckschriftenwerke aus dem Bestand der Privatbibliothek des Psycholog*innenpaares Karl (1879–1963) und Charlotte Bühler (1893–1974) aufgefunden. In Folge des „Anschlusses“ Österreichs an NS-Deutschland wir Karl Bühler seiner akademischen Ämter enthoben und wurde für mehrere Wochen in Schutzhaft genommen. Die Gründe hierfür können nicht restlos geklärt werden – es erscheint naheliegend, dass es sich um eine akademische Intrige handelt. Nach seiner Freilassung flüchtet das Paar in die USA, wo sie ihre wissenschaftliche Arbeit fortsetzen. Nach Ende des Kriegs bestehen höchstens halbherzige Versuche das Paar nach Österreich zurückzuholen. Die Buchbestände der Bühlers sind durch Ankauf nach Auflösung des Haushalts in den Besitz der Fachbereichsbibliothek des psychologischen Instituts gekommen. Einerseits wurden „fachfremde“ Werke an andere Fachbereichsbibliotheken weitergegeben, sowie andererseits in Antiquariaten erstanden. Auch wenn ein Großteil des bühler´schen Bibliothek rechtmäßig in den Bestand der jeweiligen Bibliotheken gekommen ist, wird aufgrund der Repressionserfahrungen für eine Restitution argumentiert.
[Ausblenden]An der Fachbereichsbibliothek Judaistik der Universität Wien findet sich ein Buch, das von der Bibliothek des Orientalischen Instituts als Geschenk übernommen worden war. Dort war es als „Geschenk“ der Gestapo Wien im Jahr 1943 inventarisiert worden. Im Buch selbst findet sich kein Hinweis auf Vorbesitzer. Aufgrund des Einbringers GESTAPO wurde seitens der Universität Wien entschieden das Buch zu restituieren.
Betroffenes Exemplar in u:search
Eintrag in der Kunstdatenbank des Nationalfonds
Literaturhinweis: Markus Stumpf: Ergebnisse der Provenienzforschung an der Fachbibliothek Judaistik der Universität Wien. In: Bruno Bauer, Christina Köstner-Pemsel, Markus Stumpf (Hg.): NS-Provenienzforschung an österreichischen Bibliotheken. Anspruch und Wirklichkeit. Graz-Feldkirch: W. Neugebauer 2011 (= Schriften der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare 10), S. 155–188, hier S. 178. URL: https://uscholar.univie.ac.at/detail/o:291814¸ http://eprints.rclis.org/17781/.
[Ausblenden]Auf der Fachbibliothek Judaistik wurde ein Buch mit dem Stempel „Wolf Krautstück“ aufgefunden. Wolf Krautstück/Kootstück wurde am 10. März 1868 in Sboriw (Zborów, heutige Ukraine) geboren und war mit der am 17. April 1873 in Pomorjany (Pomorzany, heutige Ukraine) geborene Taube Krautstück/Kootstück née Wonscha verheiratet. Das Ehepaar lebte zur Untermiete in 1170 Wien, Nattergasse 16/2. Am 1. Juli 1938 füllte der Fleischaufseher der Israelitischen Kultusgemeinde Wien den Fragebogen der „Zentralstelle für jüdische Auswanderung“ aus, da er mit seiner Frau nach Nordamerika oder Palästina auswandern wollte. 1939 wurde er durch die Gestapo Wien in „Schutzhaft“ genommen und am 2. Oktober 1939 in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert. Dort erhielt er die Häftlingsnummer 7130 und starb am 21. November 1939. Taube Krautstück musste in eine „Sammelwohnung“ in die Schiffamtsgasse 18 in den 2. Bezirk ziehen und wurde von dort in das Ghetto Riga deportiert, wo sie den Holocaust nicht überlebte. Die Universität Wien hat die Rückgabe des Buches an die rechtmäßigen Erb*innen beschlossen.
Betroffenes Exemplar in u:search
Eintrag in der Kunstdatenbank des Nationalfonds
Literaturhinweis: Markus Stumpf: Ergebnisse der Provenienzforschung an der Fachbibliothek Judaistik der Universität Wien. In: Bruno Bauer, Christina Köstner-Pemsel, Markus Stumpf (Hg.): NS-Provenienzforschung an österreichischen Bibliotheken. Anspruch und Wirklichkeit. Graz-Feldkirch: W. Neugebauer 2011 (= Schriften der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare 10), S. 155–188, hier S. 181–182. URL: https://uscholar.univie.ac.at/detail/o:291814¸ http://eprints.rclis.org/17781/.
Provenienzhinweis:
© UB Wien
An der Hauptbibliothek der UB Wien wurde ein Buch mit dem Exlibris Georg Landauer aufgefunden. Der in Wien geborene Dr. Georg Landauer (1863–1943) entstammte einer assimilierten jüdischen Bürgerfamilie. Sein Lebensunterhalt scheint durch Erbschaften und Bankgeschäfte abgesichert gewesen zu sein. 1913 verlegte er seinen Wohnsitz von Wien in die so genannte Landauer Villa in Bad Ischl. Im Jahr 1920 konvertierte er zum Katholizismus. Nach dem „Anschluss“ wurde die „Arisierung“ seines Besitzes in die Wege geleitet. Landauer selbst konnte im November 1938 nach England ausreisen, wo er 1943 starb. Die Villa wurde 1948 an Georg Landauers Sohn Adolf zurückgestellt. Auch Georg Landauers Privatbibliothek fiel dem Raubzug der Nationalsozialisten zum Opfer. Seine Büchersammlung dürfte einen Umfang von mehreren tausend Bänden gehabt haben, einen großen Teil davon verleibte sich die Linzer Studienbibliothek ein. Im Dezember 1948 brachte Adolf Landauer bei der Rückstellungskommission des Landesgerichts Linz einen Antrag auf Rückstellung der Bücher seines Vaters ein. 1949 urteilte diese Kommission, dass die geforderten Bücher zu restituieren seien. Der Antrag bezog sich auf zwei Kisten mit Büchern, wie viele und welche Bücher Adolf Landauer tatsächlich in Empfang genommen hat, ist offen. An der Universitätsbibliothek Wien wurde ein Buch Georg Landauers aus der sogenannten „Sammlung Tanzenberg“ aufgefunden. Wie das Buch in die Büchersortierungsstelle gekommen ist, ist dabei unklar, jedoch ist es eindeutig als Raubgut einzustufen. Die Universität Wien entschied auf Rückgabe des Buches an die Erb:innen nach Georg Landauer.
Betroffenes Exemplar in u:search
Provenienzhinweis:
© UB Wien
Der in der heutigen Ukraine geborene Buchhändler Jakob Persky betrieb in der Mechitaristengasse 4 in Wien eine russische Buchhandlung und Leihbibliothek. Diese wurde am 26. April 1938 von der Gestapo versiegelt und etwa 4.000 Bände beschlagnahmt. Nach den fehlgeschlagenen Versuchen der Universität Wien im Jahr 1939 den Bestand für das Seminar für slawische Philologie zu gewinnen, kamen später über den Umweg der Nationalbibliothek dennoch zwei Werke als Geschenk an die Seminarbibliothek. Diese beiden beschlagnahmten Exemplare wurden zur Rückgabe freigegeben. Vier weitere von der Hauptbibliothek erworbene Bücher der Buchhandlung Persky konnten als legale Erwerbungen vor 1938 identifiziert werden.
Betroffene Exemplare in u:search:
https://ubdata.univie.ac.at/AC06390259 https://ubdata.univie.ac.at/AC06390258 https://ubdata.univie.ac.at/AC08255156Einträge in der Kunstdatenbank des Nationalfonds:
https://www.kunstdatenbank.at/detailansicht-objekt/9577 https://www.kunstdatenbank.at/detailansicht-objekt/9017 https://www.kunstdatenbank.at/detailansicht-objekt/9018Provenienzhinweis:
© UB Wien
An der Fachbereichsbibliothek Europäische Ethnologie der Universität Wien wurde ein Buch mit einer Widmung von Antonín Beer an einen „Dr. HW Pollak“ aufgefunden, das in der NS-Zeit erworben, aber erst bei Wiedererrichtung des Instituts für Volkskunde und der Bibliothek einsigniert wurde. Hans Wolfgang Pollak (1885, Wien–1976, Perth/Australien), Philologe, Gymnasiallehrer und Universitätsprofessor war der Sohn des Wiener jüdischen Ehepaars Moriz und Marie Pollak. Nach seiner Promotion im Jahr 1908 war Hans Pollak mit dem Aufbau des Phonogrammarchivs der Österreichischen Akademie der Wissenschaften betraut. 1910 führte ihn ein Forschungsauftrag zu Dialektaufnahmen nach Schweden. In der Folge war er zwischen 1916–1938 Lektor an der Universität Lund, zudem unterrichtete er zeitweise an Schulen in Lund und ab 1934 an Gymnasien in Wien. In seinen sprachwissenschaftlichen Forschungen beschäftigte sich Pollak unter anderem mit dem „Gotischen“. Dies ist wohl auch der Grund seiner Kontakte zu Antonín Beer (1881–1950), der an der Universität Brünn die Professur für germanische Linguistik innehatte. Pollak war zwar bereits während seines Studiums 1907 zum Katholizismus konvertiert und ehelichte in der Votivkirche seine erste Frau Ella Johanna Löwith (1855–1944). Aus dieser Ehe, entstammt auch sein einziger Sohn Oskar (1911– vor 1976), der während des 2. Weltkrieges in England interniert war. Um 1920 ließ sich das Ehepaar scheiden, Ella überlebte schließlich den Holocaust nicht. Auf Grund Pollaks jüdischer Herkunft erfolgte aus rassistischen Gründen 1938 die Entlassung aus dem Schuldienst. In den 1920 Jahren heiratete Pollak die Australierin Margaret Hamilton Weigall (1891–1979), Tochter eines Höchstrichters, weswegen er im April 1939 nach Sidney (Australien), auswandern konnte, wo er 1944 eingebürgert wurde. Da Hans Wolfgang Pollak ein Opfer des NS-Regimes war und ein legaler Erwerb des Buches nicht belegbar ist, wurde von der Universitätsbibliothek Wien entschieden, die Rückgabe der Druckschrift an die Erb:innen nach Hans Wolfgang Pollak einzuleiten.
Betroffenes Exemplar in u:search
Provenienzhinweis:
© UB Wien
An der Hauptbibliothek der Universität Wien wurden sechs Bücher und an der Fachbereichsbibliothek Kunstgeschichte ein Buch jeweils mit dem Provenienz- bzw. Buchhandlungsvermerk „Karl Reck. Buchhandlung, Wien, VII., Neubaugasse 29“ aufgefunden. Karl Reck (1892–1946) betrieb seit 1922 eine Buchhandlung (samt Antiquariat) in der Neubaugasse. Im Zuge einer „Amtshandlung gegen einen Juden Namens Riendl“ wurde Reck am 12. August 1941 festgenommen, seine Buchhandlung wurde ihm am selben Tag entzogen. Angeklagt wegen des Vorwurfs der Hortung von Textilien und Lebensmittel, die bei der Durchsuchung seiner Buchhandlung gefunden wurden, sowie dem Vertrieb von verbotener Literatur wurde er im April 1942 wegen „Verbrechen gegen die Kriegswirtschaftsordnung“ zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt. Reck hatte Johann Max Rindl, der bei ihm bereits seit 1933 in der Buchhandlung angestellt gewesen war, entgegen den gesetzlichen Bestimmungen weiter beschäftigt. Reck wurde im April 1943 aus der Haft entlassen, im November 1946 meldete er als Geschädigter die Buchhandlung in der Neubaugasse 29 als ihm entzogenes Vermögen an. Noch im Jahr 1946 verstarb Reck allerdings. Die an der Fachbereichsbibliothek Kunstgeschichte aufgefundene Druckschrift enthält außerdem den Vermerk „Rosenberg-Spende“. Die Umstände des Eingangs des Bücherkonvoluts „Rosenberg Spende“ sind noch ungeklärt. Die sechs Bände in der Hauptbibliothek tragen neben dem Etikett der Buchhandlung Karl Reck auch den Stempel „Sammlung Tanzenberg“, der einen eindeutigen Hinweis auf Raubgut darstellt. Die Restitution an die rechtmäßigen Erb*innen ist vorgesehen. Da die Suche nach den Erb*innen bisher nicht abgeschlossen werden konnte, erfolgte ein Eintrag aller sieben Bände in die Kunstdatenbank des Nationalfonds in der Hoffnung auf weitere Hinweise.
[Ausblenden]Es wurden 15 Druckschriftenbände der Schwestern Elise (1865–1943) und Helene (1861-1942) Richter im Besitz von drei Fachbibliotheken gefunden worden. Elise Richter ist eine der ersten Frauen, die an der Universität Wien promovierten; die erste, die sich habilitierte. Ihre Schwester Helene bildet sich Großteils autodidaktisch durch Vorlesungen an der Universität Wien und durch Europa- sowie Afrikareisen. Im Sommer 1942 müssen sie ihre Privatbibliothek aus Geldnot teilweise verkaufen. So gehen rund 3.000 Bände an die Universitäts- und Stadtbibliothek Köln. Kurz darauf werden Elise und Helene in ein jüdisches Altersheim gebracht. Danach folgt die Deportation in das Ghetto Theresienstadt. Aus Perspektive der NS-Provenienzforschung sind alle Bände mit einer Ausnahme, die bereits während der Monarchie in den Besitz der Fachbereichsbibliothek Romanistik kam, zu restituieren.
[Ausblenden]An der Hauptbibliothek der Universitätsbibliothek (UB) Wien wurde im Buch „Verliebte Geschichten“ der Autograph „Grete Wantuch“ aufgefunden. Das Buch kam über die Büchersortierungsstelle als sogenannte „Sammlung Tanzenberg“ in den Bestand der UB Wien. Der Autograph lässt sich auf Margarethe (Grete) Wantuch (1895–1942) zurückführen. Über das Leben von Grete Wantuch sind nur wenige Informationen zu finden. Die Tochter eines Wiener Gerichtsadvokaten war zwischen 1912 und 1913 Schülerin der Kunstschule für Frauen und Mädchen. Aufgrund ihrer jüdischen Herkunft war sie 1938 gezwungen eine Vermögensanmeldung abzugeben. Sie wurde am 15. Mai 1942 in das Transit-Ghetto Izbica, Polen (einer Durchgangsstation in die Vernichtungslager Bełżec und Sobibor), deportiert. Mehr als 4.000 österreichische Jüdinnen und Juden wurden nach Izbica deportiert, von denen niemand überlebte. Die Universität Wien hat auf Rückgabe des Werkes nach den Erb*innen Grete Wantuchs entschieden.
Betroffenes Exemplar in u:search
Es wurden drei Bücher mit dem Stempel des Wissenschaftlichen Clubs im Bestand verschiedener Fachbereichsbibliotheken gefunden. Immerhin von zweien kann der Erwerbsweg nachvollzogen werden. Der Erwerbsweg von Zweien kann dabei jedenfalls anekdotisch nachvollzogen werden. So wurde das Werk im Besitz der Fachbibliothek Philosophie für RM 1,80.- erworben. Die geschichtswissenschaftliche Bibliothek hat es durch Schenkung erhalten. Der Wissenschaftliche Club wurde 1876 als Verein zur Erörterung wissenschaftlicher Fragen und zur Feier des Fortschritts gegründet. Er bestand bis zu seiner Auflösung 1938, wobei jegliche Druckwerke in den Antiquariatshandel gekommen sind. Es wird empfohlen die Bücher zu restituieren. Falls keine Rechtsnachfolger*innen ermittelt werden, könnten die Bücher dem Nationalfonds der Republik Österreich übergeben werden.
[Ausblenden]Hélène Betty Louise Caroline de Zuylen de Nyevelt de Haar, geborene Baronin de Rothschild (1863–1947), war eine französische Aristokratin, Motorsportunternehmerin und Literatin aus jüdischem Hause. Als Tochter der wohlhabenden Rothschild-Familie brach sie mit Traditionen, indem sie 1887 den katholischen niederländischen Baron Étienne van Zuylen van Nyevelt de Haar heiratete und ein außergewöhnliches Leben führte. Während der deutschen Besatzung Frankreichs 1940 geriet sie als Mitglied der Rothschild-Familie ins Visier des NS-Regimes. Ihr Besitz, darunter die wertvolle Bibliothek, wurde vom Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg (ERR) beschlagnahmt und nach Berlin transportiert. Nach dem Krieg wurde die Bibliothek in Tanzenberg entdeckt und ein Großteil zwischen 1946–1947 an Hélène bzw. ihre Erb*innen restituiert. Eine Druckschrift gelangte in den 1950er Jahren treuhänderisch über die Büchersortierungsstelle an die Universitätsbibliothek Wien und steht nun zur Restitution bereit.
Betroffenes Exemplar in u:search
Provenienzhinweis:
© UB Wien